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Medien & TV Daniel Brühl dreht Film über Fußballpionier Konrad Koch
Nachrichten Medien & TV Daniel Brühl dreht Film über Fußballpionier Konrad Koch
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08:13 06.08.2010
„Rührendes Drehbuch“: Die Crew mit Daniel Brühl, Kathrin von Steinburg, Burghart Klaußner, Adrian Benjamin Moore und Theo Trebs (v. l.).
„Rührendes Drehbuch“: Die Crew mit Daniel Brühl, Kathrin von Steinburg, Burghart Klaußner, Adrian Benjamin Moore und Theo Trebs (v. l.). Quelle: dpa
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Ein Braunschweiger Lehrer sorgt seit mehr als 100 Jahren für Aufregung auf den deutschen Fußballplätzen – und steht dennoch im Abseits der Geschichte. Dabei hat Konrad Koch 1874 das erste Fußballspiel auf deutschem Boden organisiert und auch einiges zu den teils noch heute gültigen Spielregeln beigesteuert. Der Film „Der ganz große Traum von Konrad Koch“ – mit Daniel Brühl (32) in der Hauptrolle – soll den Fußballpionier nun endlich bekannt machen. „Ein irrsinnig rührendes Drehbuch – so etwas hatte ich lange nicht auf dem Tisch“, sagte Brühl bei Dreharbeiten in Wolfenbüttel.

Einen historischen Film im strengen Sinne darf das Publikum zwar nicht erwarten. Die Titelfigur ist dennoch klar an Konrad Koch (1846–1911) angelehnt, Lehrer am Braunschweiger Gymnasium Martino-Katharineum. Brühl („Good Bye, Lenin!“, „Inglourious Basterds“) spielt freilich einen jungen Engländer, der ins steife deutsche Kaiserreich des 19. Jahrhunderts kommt, um Englisch zu unterrichten. Der echte Konrad Koch wurde in Braunschweig geboren und unterrichtete Deutsch und Alte Sprachen. Ob er jemals in England war, ist ungeklärt. „Es geht nicht um die geschichtlichen Details, aber im Kern muss die Geschichte stimmen“, erläutert Regisseur Sebastian Grobler. Sowohl der echte Koch als auch die Filmfigur verstehen sich als Reformpädagogen, wollen frischen Wind in den damals noch von Zucht und Ordnung geprägten Schulalltag bringen.

Um seine Schüler zu Bewegung an frischer Luft zu motivieren, führte er das in England bereits verbreitete Fußballspiel ein. Ein Jahr später legte er ein neues, heute noch weitgehend gültiges Regelwerk für die von seinen konservativen Zeitgenossen verächtlich als „Fußlümmelei“ abgetane Sportart vor. 1890 wurde auf sein Bestreben hin der „Deutsche Fußball- und Cricket Bund“ – ein Vorgänger des DFB – gegründet. Am 13. April 2011 jährt sich Kochs Todestag zum 100. Mal. Zu verdanken hat die historische Figur Koch ihre Renaissance dem Braunschweiger Buchautor Kurt Hoffmeister, der mit seinen Recherchen und der Sammlung des Nachlasses den Niedersachsen aus dem Dunkel der Vergangenheit holte.

Diese Geschichte bildet die Rahmenhandlung des Films. „Was wir zeigen, ist aber eigentlich Fiktion“, erklärt Regisseur Grobler. Es gehe auch nicht nur um Sport, sondern handele sich „um ein Lehrer-Schüler-Drama“. Genau diese emotionale Komponente seiner Rolle lobt Hauptdarsteller Brühl. Zwar sei er bekennender Fußballfan, und seine spanische Mutter habe angesichts der WM-Erfolge ihrer Nationalmannschaft „eine Woche lang nur Flamenco getanzt“. Der Film habe ihn aber wegen der facettenreichen Figur des jungen Lehrers gereizt, „nicht zuletzt, weil er so einen feinen englischen Humor hat“. Den findet Brühl „irgendwie“ auch bei seinem Kollegen Burghart Klaußner. Der Schauspieler, der in diesem Jahr für seine Rolle in „Das weiße Band“ mit dem Deutschen Filmpreis ausgezeichnet wurde, spielt den Direktor von Kochs Schule. „Ich versuche, die Eigenschaften aller guten Lehrer, die ich hatte, einzubringen“, sagt er. Neben Brühl und Klaußner stehen noch Justus von Dohnányi und Kathrin von Steinburg vor der Kamera.

Hauptdrehort ist das Gymnasium im Schloss in Wolfenbüttel. Rund 60 Prozent der Szenen werden dort und im nahen Braunschweig gedreht. Begeistert ist Brühl auch von den 15 Jungs aus dem Braunschweiger Martino-Katharineum und dem Wolfenbütteler Schloss-Gymnasium, die im Film die Schüler spielen. „Ich möchte fast alle adoptieren“, schwärmt der 32-jährige Brühl. „Wenn sie gut drauf sind, spielen sie uns fast an die Wand.“

Rund 5,5 Millionen Euro wird der Film voraussichtlich kosten. „Viel, viel Geld“, meint Anatol Nitschke, einer der drei Produzenten. Sie mussten viele Quellen anzapfen, um die Summe aufbringen zu können. Dennoch verspürten die Beteiligten keinen Zeitdruck, betonte Nitschke. Nach dem Abschluss der Dreharbeiten im Raum Braunschweig seien Aufnahmen in Hamburg geplant, „und dann lassen wir uns Zeit“. Wann die Geschichte um Konrad Koch zu sehen sein wird, stehe derzeit noch nicht fest.

dpa