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Medien & TV Barbara Eligmann: "Ich moderiere nicht alles weg"
Nachrichten Medien & TV Barbara Eligmann: "Ich moderiere nicht alles weg"
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10:28 21.05.2013
Foto: Die TV-Moderatorin Barbara Eligmann.
Die TV-Moderatorin Barbara Eligmann. Quelle: dpa
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Berlin

Barbara Eligmann (49) moderierte von 1992 bis 2000 das RTL-Nachrichtenmagazin „Explosiv“, das wegen seiner reißerischen Inhalte umstritten war. Die Moderatorin war das Aushängeschild der Sendung, vor allem wegen der oft parodierten Begrüßung: „Willkommen bei ,Explosiv‘, mein Name ist Barbara Eligmann.“ Danach führte die gebürtige Ludwigshafenerin durch die SAT.1-Show „Clever“. Am Mittwoch startet auf SAT.1 Gold nun die Doku-Sendung „Die Insider“. Darin erkunden Barbara Eligmann und Wigald Boning den menschlichen Körper. Am 12. Juni startet die SAT.1-Reihe „Mieter in Not“.

Frau Eligmann, für die Sendung „Die Insider“ reisen Sie demnächst virtuell durch den menschlichen Körper. Das klingt spannend, aber auch ein bisschen ekelig.

Ekelig war das für uns gar nicht. Mit unserem Shuttle können wird groß und klein werden, rauf und runter, kreuz und quer, und so anschauen, wie der menschliche Körper aussieht. Das ist ein Menschheitstraum. Zugegeben: Das Ergebnis ist deutlich spannender als die Aufnahmen, wir saßen ja nur in einem Studio.

Ganz neu ist die Idee aber nicht.

Das stimmt, aber gute Ideen werden nicht schlecht. Vor allem ist die Technik gereift, da geht heute wesentlich mehr.

Eigentlich meinte ich, dass das Format schon lange aufgezeichnet ist, aber erst jetzt gesendet wird.

Das liegt daran, dass sich im Hintergrund eines Fernsehsenders immer etwas dreht. Da gibt es Menschen an hohen Positionen, die sagen „Geile Idee“ und bestellen die Sendung. Während der Produktion aber dreht sich das Personalkarussell, und der Neue kann damit nicht genauso viel anfangen. Das ist, als würde einer im Restaurant Spargel bestellen, und der Nächste, der an den Tisch kommt, muss ihn dann essen.

Sie helfen auch wieder „Mietern in Not“.

Wir haben vier weitere Folgen gedreht, richtig. Die Arbeiten haben sich wahnsinnig lange hingezogen, da wir uns dem echten Leben gestellt haben. Keine Phantasiefälle mit Laienschauspielern, alles echt. Das war spannend für mich, bei Explosiv stand ich an vorderster Front, war aber selten „draußen“, habe nie in einer Messiewohnung gestanden – jetzt schon. Man erlebt da unglaubliche Dinge.

Sind Menschen noch allein lebensfähig? Oder braucht man inzwischen für alles Hilfe aus dem Fernseher?

Zum Teil haben die Leute das versucht, aber wenn sich in manchen Wohnanlagen jemand beschwert, kommt nicht mal jemand von der Hausverwaltung, um sich zu kümmern. Ich rede hier nicht von der Kleinstadt, sondern von Berlin-Hellersdorf oder Marzahn. Riesige Straßenzüge, die nur noch abgewickelt werden. Oft sind die Leute in schwierigen Situationen, weil sie gewisse Dinge nicht gelernt haben. Sie suchen dann bei den Ebay-Kleinanzeigen einen Anwalt. Der ist dann aber nicht „Danni Lowinski“, sondern schreibt für das bisschen Geld auch nur ab und an einen Brief. Mit überschaubarem Erfolg. Als wir in einem Mehrfamilienhaus mit unserem Anwalt auftauchten, wurde der förmlich ausgesogen. Eigentlich jeder im Haus brauchte einen Rat.

Wie oft müssen Sie Ihren Satz „Willkommen bei ,Explosiv‘, mein Name ist Barbara Eligmann“ eigentlich noch sagen?

Immer noch oft. Das ist mein „Theo, wir fahr’n nach Lodz“. Aber wenn ich Vorträge halte, gewinne ich damit Leute meistens auch sehr schnell. Das ist damals eine Marke gewesen.

Damals galten Sie als clever, aber unterkühlt.

Ich glaube, manche Menschen denken das immer noch. Ich kann damit gut leben, weil es meistens für einen Aha-Effekt sorgt, wenn man mich dann trifft. Das vermittelte Bild bei „Explosiv“ ist ein winziges, ich habe ja in jeder Sendung nur vier, fünf kurze Anmoderationen gemacht.

Schauen Sie manchmal zurück und denken: Manches war doch ein bisschen zu hart, zu viel?

Wenn wir das heute genauso machen würden, nähme es kein Mensch wahr, weil es niemanden mehr überraschen würde. Wir haben die nachrichtliche Berichterstattung bis in die „Tagesschau“ geprägt. Die ist menschlicher geworden, das hätte es früher nie gegeben. Über einzelne Fälle aus „Explosiv“ kann man nachdenken. Andererseits erzählt das Radio heute oft genugso detailliert von Gewalttaten, da hat sich einfach einiges geändert.

Was liegt bei Ihnen demnächst an?

Da bin ich selbst gespannt. Ich bin niemand, der ständig so viele Projekte an der Hand hat, da ich sehr gezielt aussuche, was ich mache. Ich moderiere nicht alles weg. Eine tägliche Nummer wie früher kann man nur noch schwer machen, wenn man das Familienleben ernst nimmt.

Offenbar haben Sie Arbeit aber auch mal vor Privatleben gestellt – Sie haben Ihre Flitterwochen für „Explosiv“ verschoben.

Ja. Was für ein Quatsch im Nachhinein. Wenn ich arbeite, bin ich wie eine kleine Eisenbahn - wir müssen immer pünktlich sein und alle mitnehmen. Damals war ein Kampf von Henry Maske, das war sonderwichtig und sollte vom Gesicht der Sendung gemacht werden. Dann entschied ich, dass wir eben nicht im Oktober, sondern Weihnachten fahren. Der blöde Kampf wurde letztlich abgesagt. Dann mussten wir kürzer fahren, weil ich am 6. Januar wieder zurück sein musste, weil da „Taff“ oder „Blitz“ oder irgendein anderes Magazin startete, also Konkurrenz entstand. Das würde ich heute nicht mehr machen.

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