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Medien & TV ARD würdigt legendäre Sendung „Beat-Club“
Nachrichten Medien & TV ARD würdigt legendäre Sendung „Beat-Club“
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21:56 20.09.2015
Das Foto zeigt die Aufzeichnung der Band "The Cream" der legendären Sendung Beat-Club in den 60er-Jahren.
Das Foto zeigt die Aufzeichnung der Band "The Cream" der legendären Sendung Beat-Club in den 60er-Jahren. Quelle: dpa/Archiv
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An einem ganz normalen Sonnabendnachmittag im Herbst 1965 hat die ARD die Welt verändert; vielleicht nicht sofort, aber doch nach und nach. An diesem Sonnabend, es war der 25. September, begann das Erste mit der Ausstrahlung einer neuen Sendung namens „Beat-Club“.

Heute ist schon allein die Vorstellung, dass Fernsehen einen derart durchgreifenden Effekt haben könnte, völlig absurd, und das nicht nur, weil jeder Haushalt im Schnitt mehr als 80 Programme empfangen kann und Jüngere das Medium ohnehin nur noch in Ausnahmefällen in klassischer Weise nutzen. „Beat-Club“ war abgesehen von der „Kinderstunde“ das erste Angebot, das sich an eine spezielle Altersgruppe richtete, weshalb der spätere „Tagesschau“-Sprecher Wilhelm Wieben ausdrücklich die Jugendlichen begrüßte und anschließend die Älteren um Verständnis bat.

Das Konzept der vom jahrzehntelang innovativsten ARD-Sender Radio Bremen erfundenen Sendung war schlicht: Wer ohnehin gerade in der Gegend auf Tour war, wurde überredet, einen Abstecher ins Studio zu machen. Präsentiert wurde die Show von Uschi Nerke, die Anfang 20 und unglaublich sexy war.

Es ist keineswegs übertrieben, wenn Radio Bremen die gemeinsam mit dem WDR produzierte Erinnerungssendung „Generation Beat-Club“ nennt: Die Show hat nicht nur den Musik- und Modegeschmack ihrer Zielgruppe geprägt, sondern später, als die Sendezeit auf eine Stunde verdoppelt wurde, mit zeitkritischen Beträgen auch ein politisches Bewusstsein angeregt.

Um dies zu verdeutlichen, haben sich Michael Meert und Carl-Ludwig Rettinger mit Menschen unterhalten, die in den Sechzigern herangewachsen sind, was die Sendung zum Glück von vergleichbaren Shows unterscheidet, in denen irgendwelche Fernsehnasen über die Jugendjahre ihrer Eltern reden. Die Zeitzeugen werden zunächst allein mit ihrem Vornamen vorgestellt und beschreiben, wie das damals war, als der „Beat-Club“ in die bis dahin heile Fernsehwelt einbrach. Wolfgang Niedecken erzählt von seinem musikalischen Erweckungserlebnis („Urknall“), Christian „Kuno“ Kunert steuert die ostdeutsche Perspektive bei.
Die Zeitzeugen hätten teilweise spannender sein können. Aber insgesamt ist die Doku eine sehenswerte Hommage. Und wohl nur echte Liebhaber werden die Sendung im Nachtprogramm der ARD verfolgen.

Musikalisch ist die Hommage dank der im späteren Farbfernsehen psychedelisch verfremdeten Auftritte von Cream, Steppenwolf, Deep Purple, Black Sabbath, Jimi Hendrix oder The Who ein Ereignis, aber zur Zeitreise wird sie erst durch die Schilderungen der Gäste. Und natürlich durch die zeitgenössischen Kommentare schockierter älterer Herren, die auf unangenehme Weise in Erinnerung rufen, wie sehr das nationalsozialistische Gedankengut 20 Jahre nach dem Ende des Weltkriegs noch in den Köpfen steckte. 

Dass die Röcke der Mädchen immer kürzer wurden, wird den Männern insgeheim gefallen haben, aber angesichts der immer längeren Haare der Jungs fiel ihnen nur noch die Gaskammer ein; erst recht, als die „Gammler“ dann auch noch auf die Straße gingen, um gegen den Vietnamkrieg zu protestieren.

All das hat natürlich nicht allein der „Beat-Club“ bewirkt, aber er war sicher ein Katalysator dieser Entwicklung. Die Macher des künftigen Jugendangebots von ARD und ZDF werden vermutlich schon dankbar sein, wenn sie überhaupt wahrgenommen werden.

Von Tilmann P. Gangloff

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