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Medien & TV ARD-Thriller „Der Auftrag“ – wenn die Grillen verstummen
Nachrichten Medien & TV ARD-Thriller „Der Auftrag“ – wenn die Grillen verstummen
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12:02 30.03.2019
Zeugenschützer Lobeck (Oliver Masucci) bringt den unvorsichtigen Miki (Aaron Hilmer) zurück ins Versteck. Quelle: Foto: Stephan Rabold/ARD
Berlin

Ein Film ist wie ein Puzzle, das beim Schnitt aus einer Vielzahl von Einzelteilen zusammengesetzt wird. Während es beim Puzzle sofort auffällt, wenn sich ein Teil nicht einfügen lässt, funktioniert ein Film viel stärker auf der emotionalen Ebene. Selbst wenn die Montage schlüssig erscheint, kann sie sich trotzdem falsch anfühlen. Aber das ist womöglich das kleinere Manko des Films „Der Auftrag“, der ein Thriller sein könnte, wenn er anders zusammengesetzt worden wäre.

Ein Zeuge soll bis zu seiner Aussage vor mächtigen Feinden in Sicherheit gebracht werden, und zwar mitsamt seiner Familie, damit die Gegenspieler keinen seiner Angehörigen entführen können. Die Ehe ist allerdings längst zerrüttet, was den gemeinsamen Aufenthalt im unfreiwilligen Refugium nicht eben erleichtert. Die Gegenspieler: ein libanesischer Clan. Der 16-jährige Miki (Aaron Hilmer) hat Gangsterboss Sayed (Timur Isik) in einer Berliner Bar beim kaltblütigen Mord beobachtet. Das Opfer war, wie sich später herausstellt, ein verdeckter LKA-Ermittler. Weil der Mann den Jungen unmittelbar vor seinem Tod per Blickkontakt gewarnt hat, fühlt sich Miki trotz der möglichen Gefahren für sein eigenes Leben und das seiner Eltern Nikola und Klaus (Anja Kling, Gregor Bloéb) verpflichtet, gegen Sayed auszusagen. Der zuständige LKA-Abteilungsleiter Decker (Johannes Allmayer) beauftragt die unerfahrene Sarah mit dem Personenschutz, weil er davon ausgeht, dass sie als unbeschriebenes Blatt noch nicht auf der Gehaltsliste des Sayed-Clans steht.

Ein paar lustige Momente – aber Spannung?

Interessanter als Sarah (Anna Bederke) ist jedoch der erfahrene Kollege Lobeck, den Oliver Masucci wie eine Hommage an den von Dean Martin gespielten Säufer in dem Howard-Hawks-Western „Rio Bravo“ verkörpert. Lobeck ist Alkoholiker und braucht einen bestimmten Pegel, um das Leben überhaupt ertragen zu können, erledigt seinen Job jedoch hochprofessionell. Sarah ist trotzdem schockiert und fordert seine Ablösung, aber da ist es schon zu spät. Die kleine Gruppe wird von italienischen Kollegen in einem mondänen Anwesen in der Nähe Roms untergebracht, wo Mikis Eltern, die sich vor zwei Jahren getrennt haben, erst mal ihre Spannungen ausleben.

Es gibt ein paar Momente, die großen Spaß machen. Als Lobeck und Miki über die Geräuschkulisse plaudern, belehrt der alte Hase den Jungen: „Gefährlich wird’s erst, wenn die Grillen verstummen“; und selbstredend geschieht genau dies bald darauf. Das Warten auf diese Stille ist dagegen ereignislos und spannungsarm. Dass Miki das Grundstück verlässt, um seiner Mutter Blumen zu kaufen, ist zwar eine schöne Geste, aber angesichts der drohenden Gefahr eher unglaubwürdig. Andere Ungereimtheiten verbergen sich im Detail: Klaus hat einen defekten Fön repariert, er musste nur zwei Kontakte löten. Mit der Frage, wo er den Lötkolben her hat, hält sich der Film nicht weiter auf.

Stolpersteine dieser Art gibt es mehrere, und mitunter sorgen auch Schnitt und Inszenierung dafür, dass der Film ein bisschen hakt. Viel schlimmer ist jedoch, dass er sich nur halbherzig für seine ohnehin auf wenige Merkmale reduzierten Figuren interessiert. Packend ist „Der Auftrag“ immer dann, wenn die Thrillermusik die Handlung vor sich hertreibt; und das gilt nicht nur für den fesselnden Auftakt und das Vorschlussfinale mit einer Schießerei auf offener Straße.

Von Tilmann P. Gangloff

Der Thriller „Der Auftrag“ (Samstag, 20.15 Uhr, ARD) entspricht bis ins Detail dem Schema des Zeugenschutzkrimis, ist aber nicht spannend genug.

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