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Kultur X-Men: Dark Phoenix – Diese Superheldin hat’s nicht leicht
Nachrichten Kultur X-Men: Dark Phoenix – Diese Superheldin hat’s nicht leicht
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06:00 02.06.2019
Wehe, wenn sie leuchtet: Jean Grey (Sophie Turner) muss sich gegen außerirdische Vereinnahmung zur Wehr setzen. Quelle: Foto: Fox
Hannover

Die muntere Mutanten-Truppe der „X-Men“ verstand sich schon lange, bevor die Avengers aus marktwirtschaftlichen Gründen in die Team-Bildung gedrängt wurden, als Kollektivunternehmen. Nicht die übernatürlichen Kräfte des Einzelnen, sondern das Zusammenspiel aller Beteiligten stand hier stets im Zentrum der Erzählung.

X-Men: Dark Phoenix – Ein Härtefall für die Mutantenschule

Die fehlende Fixierung auf eine strahlende Heldenfigur erlaubte es den Drehbuchautoren auch ihre Charaktere sehr viel widersprüchlicher anzulegen. Das Gefühl für die eigenen Kräfte und deren verantwortungsbewusste Kontrolle ist im X-Men-Universum die große Herausforderung für die Mutanten.

Das gilt auch und besonders für die neue Heldin Jean Grey (Sophie Turner), die von Charles Xavier (James McAvoy) als Härtefall in die Mutantenschule aufgenommen wurde und dort den Umgang mit ihren zerstörerischen Fähigkeiten gelernt hat. Nach „Wonder Woman“ und „Captain Marvel“ steht nun also auch bei den X-Men eine machtvolle weibliche Heldin im Zentrum.

Dabei hat das Franchise die Quotenpolitik eigentlich weniger nötig als andere, denn wie Raven (Jennifer Lawrence) zu Beginn richtig feststellt: „Es sind immer die Frauen, die euch den Arsch retten. Es ist an der Zeit, den Laden in X-Women umzubenennen“.

X-Men: Dark Phoenix – Eine widersprüchliche Frauenfigur

Als die Mutanten ins Weltall ausrücken, um die Astronauten einer angeschlagenen Raumfähre zu retten, gerät Jean in einen ominösen Solarstrudel, dessen Feuersturm sie auf wundersame Weise überlebt. Aber danach hat sie sich selbst und ihre Kräfte nicht mehr im Griff.

Wenn die Wut in ihr hoch kocht, treten feine leuchtende Risse in das Gesicht und mit einer kleinen Handbewegung kann Jean ein Einfamilienhaus in Schutt und Asche legen. Diese Wunderkräfte bleiben auch einer machthungrigen Alienfrau nicht verborgen, die sich des Körpers von Jessica Chastain (immer eine gute Wahl) bemächtigt hat.

Anders als die Kolleginnen Wonder Woman und Captain Marvel, die als geradlinige, moralisch integre Heldinnen agieren, ist Dark Phoenix eine deutlich widersprüchlichere Frauenfigur, die sich lustvoll ihrem Machtrausch hingibt und daraus immer wieder verkatert aufwacht.

X-Men: Dark Phoenix – Paraderolle für Sophie Turner

Sophie Turner (die Sansa Stark aus „Game of Thrones“) spielt ihre Figur als Getriebene, die eigene Kindheitstraumata aufarbeiten, mit den neu gewonnen Machtposition klar kommen und sich gegen außerirdische Vereinnahmung zur Wehr setzen muss.

Regisseur Simon Kinberg setzt in dieser „X-Men“-Folge mehr auf die inneren als auf die äußeren Kämpfe der Figur und auf die Konflikte, die sie im vorgefundenen weltlichen Machtgefüge auslöst. „Dark Phoenix“ ist kein überstürzter Anbiederungsversuch an die Me-Too-Ära, sondern eine moderat feministische Fortschreibung der Comic-Saga.

Hier werden keine eindimensionalen Powerfraumythen beschworen, sondern weibliche Machterfahrung als interessantes und widersprüchliches Konfliktfeld ausgelotet.

Filmtitel: „X Men: Dark Phoenix“, Regie: Simon Kinberg, Darsteller: Sophie Turner, Jennifer Lawrence, Filmlänge: 114 Minuten, Altersfreigabe: ab 12

Von Martin Schwickert

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