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Kultur Wie Marilyn Monroe unsterblich wurde
Nachrichten Kultur Wie Marilyn Monroe unsterblich wurde
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12:10 04.08.2012
Von Stefan Stosch
„Flüchtig wie das Denken, intensiv wie das Licht“: Marilyn Monroe. Quelle: dpa (Archiv)
Hannover

So viele haben schon versucht, die Rätsel um diese Frau zu entschlüsseln. Die Zahl der Biografien und Bildbände ist unüberschaubar. Zu beinahe jedem Gedenktag wird angeblich noch nie zuvor gesehenes Archivmaterial aufgetan, das ein neues Licht auf sie werfen soll. Marilyn Monroe, die am 5. August vor einem halben Jahrhundert im Alter von nur 36 Jahren starb, beschäftigt uns immer noch. Dieser Star war einzigartig in den fünfziger Jahren in Hollywood – auch wenn ihm ein Oscar versagt blieb.

Das kurze Leben der Marilyn Monroe lässt sich kaum auf einen Nenner bringen. Wahlweise lässt sich ihre Geschichte als die eines Sexidols oder auch als die einer traurigen, zutiefst einsamen Frau begreifen. Es gibt zumindest zwei Monroes, die private und die öffentliche: Als Star war sie in ganz Amerika umschwärmt, in ihrem Privatleben scheiterten zwei unglückliche Ehen mit dem Baseballspieler Joe DiMaggio und dem Schriftsteller Arthur Miller. Ihr Kinderwunsch wurde nie erfüllt, ihr Tablettenkonsum wuchs. Bis heute ranken sich Legenden um ihren Tod, der vielleicht weder Mord noch Selbstmord war, sondern von einer ungewollten Medikamentenvergiftung herrührte.

Von ihrem Spiel vor der Kamera, von ihrer Präsenz im Scheinwerferlicht schwärmten alle. Erst dann kam ihre Schönheit zur Geltung, die der Fotograf Bert Stern als „flüchtig wie das Denken, intensiv wie das Licht“ beschrieb.

Sie ist Versuchung und Unschuld in einem

Im Kinofilm „My Week with Marilyn“, der schon im April den 50. Todestag einläutete, findet sich eine treffliche Szene: Monroe (gespielt von Michelle Williams) dreht in England mit dem Theaterstar Laurence Olivier „Der Prinz und die Tänzerin“. Sie hat einen arbeitsfreien Tag, und sie ist, soweit das eben möglich scheint, sie selbst. Dann taucht eine Schar Fans auf, und sie verkündet mit keckem Seitenblick zu ihrem jungen Begleiter: „Ich mach jetzt mal die Marilyn.“

Dann knipst sie ihr inneres Leuchten an, formt den berühmten Kussmund, übt sich im nicht minder berühmten Hüftschwung, lehnt sich lasziv an einen Türpfosten. Sie ist Versuchung und Unschuld in einem, das Mädchen von nebenan und die Leinwandgöttin. Sie ist die, die sie für die anderen sein soll und lange Zeit wohl selbst sein wollte. Eine Projektionsfläche.

Darin liegt womöglich der Fluch der Marilyn Monroe: Sie entkam in ihrem kurzen Leben nicht dem Bild, das Hollywood, ja, das sie selbst von sich kreiert hatte. In Filmen wie „Blondinen bevorzugt“, „Wie angelt man sich einen Millionär?“, „Das verflixte 7. Jahr“ oder „Manche mögen’s heiß“ war sie die Kindfrau, die naive Blondine, die in jedem Mann den Beschützerinstinkt anstachelte. Auf solche Auftritte war sie abonniert. Filme wie etwa „Niagara“, in denen sie als Femme fatale zu sehen war, bilden die große Ausnahme.

Dem Image der ewigen Blondine wollte sie mit ihrer eigenen Produktionsfirma namens Marilyn Monroe Productions entkommen. Sie wollte andere Rollen. Sie wollte beweisen, wie gut sie als Charakterdarstellerin war. Und sie war gut. Darüber sind sich zumindest im Nachhinein alle einig. Dennoch wurde Marilyn Monroe immer wieder vorgeführt als Dummchen vom Dienst. Ihr einziger Ausweg: Sie bediente dieses Klischee schamlos und führte es geradezu ad absurdum. Über sich selbst sagte sie: „Insgeheim habe ich immer das Gefühl gehabt, nicht vollkommen echt zu sein. So etwas wie eine gut gemachte Fälschung ... In meinem Fall geht das so weit, dass ich manchmal denke, ich sei nur ein Kunstprodukt.“

Mit ihrem Image lässt sich wunderbar spielen

Die Monroe, das Kunstprodukt. Spätestens als Andy Warhol ihr Konterfei als Siebdruck vervielfältigte, war der Star zur industriellen Vermarktung hergerichtet. Der Devotionalienhandel floriert bis heute. Im April wurde ein 70 Jahre altes Schulzeugnis in Beverly Hills für 21.250 Dollar versteigert. Für drei Röntgenbilder aus dem Jahr 1954 zahlten Sammler vor ein paar Jahren in Las Vegas 45.000 Dollar.

Mit ihrem Image lässt sich wunderbar spielen, auch in der französischen Krimikomödie „Who killed Marilyn?“, die punktgenau an diesem Donnerstag in unseren Kinos angelaufen ist. Auch ihr zart gehauchtes Lied „Happy Birthday, Mr. President“, einst gesungen zu Ehren von John F. Kennedy, wird in dem Film von einem Käse-Model zitiert, das sich für Marilyns Nachfolgerin hält. Doch auch dieser Film sucht den Mythos, nicht die Frau dahinter.

Am nächsten kam ihr vielleicht ein Mann, der es gewohnt war, genauer hinzuschauen als die anderen. Schauspiellehrer Lee Strasberg hielt die Rede an Marilyn Monroes Grab. Er sagte damals: „Sie besaß eine Leuchtkraft aus Sehnsucht, Glanz, Verlangen, die sie so besonders machte und gleichzeitig den Wunsch in uns weckte, teilzuhaben an ihrer Unmittelbarkeit und Naivität.“

Noch ein Abschied? An diesem Wochenende soll, so lautet die Ankündigung, das letzte Open-Air der Scorpions auf deutschem Boden sein.

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