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Kultur Vom Standesamt zum Hurricane: Brautpaar feiert Hochzeit auf Festival
Nachrichten Kultur Vom Standesamt zum Hurricane: Brautpaar feiert Hochzeit auf Festival
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20:34 21.06.2019
Hurricane-Festival Quelle: Thomas Kaestle/RND
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Scheeßel

Plötzlich steht mitten in der zum Deutschpunk der Band Betontod hüpfenden Menge ein Brautpaar mit allem was dazugehört und posiert für Fotos: Er im leuchtend blauen Anzug, sie im weißen Brautkleid, mit Schleier, Schleppe und Brautstrauß. „Wir kommen direkt vom Standesamt in Scheeßel – das Hurricane Festival ist unsere Hochzeitsparty!“, brüllt der Bräutigam. Dann stürzt er sich in die Menge, seiner Braut hinterher: „Sie will unserem Hochzeitsfotografen ein Bier ausgeben, da muss ich mit!“

Da passt es, dass die Band kurz darauf ihren Hit „Glück auf“ spielt, auf dessen Refrain sich fast alle nachmittäglichen Festivalgäste als vorläufige Hymne einigen können: „Wir müssen aufhören, weniger zu trinken.“ Die ersten Besucher haben sich bereits am Donnerstagabend in Stimmung gebracht.

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Der Hamburger Frauenchor Hansemädchen hatte zur Massenkaraoke eingeladen und fast 4000 Partywillige schwelgten mit ihnen in Hits wie „Wonderwall“ von Oasis.

Hurricane Swim Team eröffnet Festival

Das Hurricane Swim Team eröffnete das Festival – eine Mitarbeiterband, die sich im Unwetterjahr 2016 gründete, um die Stimmung zu retten. Mit größeren Regengüssen ist in diesem Jahr nicht zu rechnen, eher mit viel Sonne. „Wir haben überlegt, uns in Hurricane Beach Boys umzubenennen“, scherzt einer aus der Band. Die Stimmung ist auch im Publikum gelöst, noch sitzen viele gemütlich im Gras, das sogar hier und da noch grün ist.

Von den erwarteten 65.000 Besuchern ist nicht einmal die Hälfte schon auf dem Gelände. An den nächtlichen Streit auf einem der Campingplätze, bei dem ein junger Mann schwer verletzt wurde, denkt wohl kaum jemand. Gewalt ist jedoch auf ganz andere Weise Thema – auf den Bühnen. Trotz Schlagerpunk hat Betontod ein klares Anliegen: „Unpolitisch sein, geht nicht in diesen Zeiten!“ Es gelte, klar Haltung zu zeigen gegen rechte Aggressionen.

Tolle Stimmung am Hurricane-Festival. Quelle: Christoph Schmidt/dpa

Auch die deutsche Hip-Hop-Band Neonschwarz bezieht Stellung mit einem traurigen Update ihres Stückes „2018“, in dem sie mit sehr konkreten Worten vor einem erstarkenden Faschismus warnt. Alle Bands, die die vier Bühnen eröffnen, tun dies mit Wucht. Shame aus dem Süden Londons spielt jungen, wütenden Post-Punk. Black Honey aus Brighton präsentiert rotzigen, knallenden Indie Rock – eine frühe Portion verruchte Coolness.

Mumford & Sons und Macklemore heizen am Sonnabend ein

Alice Merton ist schließlich der erste internationale Star des Nachmittags. Ihr funkiger Powerpop bringt die langsam wachsende Menge zum Hüpfen. Spätestens mit ihrem Welthit „No Roots“ betört die 25-Jährige ihr Publikum. Am Abend könnte das Festival mit den Toten Hosen und Bilderbuch ähnlich gut gelaunt weitergehen. Einer ausgelassenen Party steht bislang nichts im Weg. Nicht einmal einer Hochzeitsparty.

Die Festival-Headliner am Sonnabend heißen Mumford & Sons und Macklemore, am Sonntag sind es The Cure und die Foo Fighters. Festivalpässe für etwa 200 Euro und Tageskarten für etwa 100 Euro sind noch erhältlich.

Von Tomas Kaestle