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Kultur Viel Langeweile um die große Nase: „Cyrano de Bergerac“
Nachrichten Kultur Viel Langeweile um die große Nase: „Cyrano de Bergerac“
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13:16 16.05.2009
Von Ronald Meyer-Arlt
Cyrano (Thomas Jansen) und Roxanne (Natalie Hanslik) kreuzen die Klingen.
Cyrano (Thomas Jansen) und Roxanne (Natalie Hanslik) kreuzen die Klingen. Quelle: Karl-Bernd Karwasz
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Mitten in der Abschiedseuphorie. Warum? Weil es sich um das Junge Schauspiel handelt. Und weil die Jugendabteilung vom allgemeinen Abschiednehmen ausgenommen ist. Die bleibt nämlich auch dem neuen Intendanten Lars-Ole Walburg erhalten. Und „Cyrano de Bergerac“ von Edmond Rostand, inszeniert von Heidelinde Leutgöb, der Leiterin der Jugendsparte, wechselt gewissermaßen von einem Intendanten zum anderen. Aber ob sich der neue – mit einem offensiv zeitgenössischen, sehr herausfordernden Spielplan angetretene – Intendant darüber freuen wird

Diese „Cyrano“-Inszenierung bietet sehr viel Rauch und Nebel, viel Bühnenfechterei, viele Reime, viel Herumgeschmachte und sehr viel Langeweile. Herausfordernd ist hier gar nichts. Und was das Stück eigentlich im Jugendtheater zu suchen hat, wird bis zum Ende nicht klar. Möglicherweise haben sich die Verantwortlichen gedacht, dass das
Thema für Jugendliche interessant sein könnte.

Rostand erzählt vom hässlichen Cyrano (viel zu große Nase), der die schöne Roxanne liebt, die wiederum in einen Schönling verliebt ist, der allerdings seiner Liebe nicht die rechten Worte zu geben vermag, weshalb er sich mit dem Nasenmann, einem tapferen Kämpfer und sensiblen Poeten, zusammentut.

Könnte schon sein, dass sich Jugendliche über innere und äußere Schönheit so ihre Gedanken machen – aber diese Inszenierung dürfte sie bei der Beantwortung derartiger Fragen nicht viel weiter bringen.

Wenn man das Stück (das jede Landesbühne – auch die von Hannover – immer mal wieder im Programm hat) für Jugendliche inszeniert, sollte man sich Gedanken darüber machen, wie man mit den militärischen Aspekten des Werkes umgeht. Der Autor feiert die Gascogner Kadetten, ihren Mut, ihre Treue, ihre Kameradschaft, ihre Bereitschaft, im Feld zu sterben.

Wer Theater ausdrücklich für Jugendliche macht, hat eine besondere Verantwortung. Er sollte sich darüber Gedanken machen, wie viel Kriegsbegeisterung man dem jungen Publikum zumuten will. Regisseurin Leutgöb aber ist in Kampfszenen verliebt, sie lässt Degen Funken schlagen, lässt die Soldateska mit Schlagwaffen aller Art üben und
hart trainieren.

Klaus Figge, der Kampfexperte des Hauses, hat die Schlägereien und Fechtereien gut choreographiert. Es sieht alles sehr schön aus. Aber das ist vielleicht gerade das Problem Manchmal ist das Fechten auch nur Ersatz für einen echten Einfall.

Dass Cyrano (Thomas Jansen) und Roxanne (Natalie Hanslik) bei ihrer ersten Begegnung gleich die Klingen kreuzen, ist natürlich Unfug. Genauso wie der Umstand, dass die Soldaten mit Stiefeln in die Sauna gehen. Oder auch der kleine See im Bühnenbild (von Eva Sobieszek), der mühsam und umständlich durch Hochklappen von Bühnenbildsegmenten fertig gestellt werden muss. Am Ende dann ist natürlich einiges ins Wasser gefallen.

Kartentelefon (0511) 99 99 11 11

Ronald Meyer-Arlt 15.05.2009
Johanna Di Blasi 15.05.2009