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Kultur Der Schöpfer Rudi Rüssels
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12:46 30.03.2015
Foto: Uwe Timm wird am Montag 75 Jahre alt.
Uwe Timm wird am Montag 75 Jahre alt. Quelle: dpa
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Hannover

Rechtzeitig zu seinem Ehrentag ist sein neuestes Buch erschienen, der Essayband „Montaignes Turm“.

Seinen ersten Erfolg erzielte der 68er-Aktivist und Freund des 1967 von einem von der Stasi gesteuerten Westberliner Polizisten erschossenen Benno Ohnesorg mit dem Roman „Heißer Sommer“ (1974), einem Zeugnis der Studentenrevolte. Auch in „Kerbels Flucht“ (1980) und „Rot“ (2001) griff Timm die Sechzigerjahre auf und verband dabei politische mit persönlichen Erfahrungen. Er befasse sich in seinen Büchern mit Fragen, „die mich umtreiben“, erzählte er einmal in einem Interview. Empörung sei dabei wie ein Kraftstoff. Immer wieder griff er schwierige, verdrängte Themen der deutschen Geschichte auf, wie die Kolonialzeit in „Morenga“ (1978) oder die Auseinandersetzung mit der Rolle der eigenen Familie im Nationalsozialismus.

So näherte sich Timm in der autobiografischen Erzählung „Am Beispiel meines Bruders“ (2003) seinem Bruder literarisch an. Der hatte sich als 16-Jähriger freiwillig zur SS-Totenkopfdivision gemeldet und starb 1943 in einem Lazarett in der Ukraine. Seine Freundschaft mit Ohnesorg verarbeitete Timm in der Erzählung „Der Freund und der Fremde“ (2005).

Ausgerechnet eine Rechtschreibschwäche

Ohnesorg und er hatten sich am Braunschweig-Kolleg kennengelernt, wo sie das Abitur nachholten. Der Weg zum Schriftsteller war für den gebürtigen Hamburger nicht vorgezeichnet. Er machte eine Lehrer zum Kürschner und übernahm nach dem Tod des Vaters den elterlichen Betrieb. Ausgerechnet eine Schwäche bei der Rechtschreibung hatte ihn zur Literatur gebracht. Zu schreiben war für den Schüler wie eine Trotzreaktion. „Schon mit zwölf wollte ich einen Roman schreiben“, erinnerte er sich später.

Timm hat es immer verstanden, seine Leser zu unterhalten. „Ich will ja nicht, dass sie einschlafen.“ Seine Novelle „Die Entdeckung der Currywurst“ (1993) wurde in 20 Sprachen übersetzt und im Jahr 2008 - wie viele seiner anderen Werke auch - verfilmt. Sein jüngster Roman, „Vogelweide“ (2013), stieß bei Kritikern jedoch auf weniger Wohlwollen. Auch Drehbücher stammen aus der Feder von Timm, etwa für „Die Bubi Scholz Story“ sowie vier Kinderbücher. Für das bekannteste, „Rennschwein Rudi Rüssel“, erhielt er 1990 den Deutschen Jugendliteraturpreis – eine von vielen weiteren Auszeichnungen für sein Werk. Gewidmet hat er die vier Bücher seinen vier Kindern.

Ute Wessels

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