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Kultur „The Handmaid’s Tale“ und mehr DVD-Tipps
Nachrichten Kultur „The Handmaid’s Tale“ und mehr DVD-Tipps
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11:31 30.01.2019
Quelle: iStockphoto
Hannover

Sharp Objects. „Guter Stamm, schlechter Apfel“, sagt der Sheriff vor dem großen Konföderierten-Historienspiel, bei dem sich die Ereignisse dem Serientitel „Sharp Objects“ entsprechend, zuspitzen werden, über die Heldin. Dass Amy Adams diese gescholtene Frau spielt, ist allein Grund genug, sich an „Sharp Objects“ zu wagen. Ein weiterer Grund: Regisseur Jean Marc Vallée (erste Staffel von „Big Little Lies“, „Dallas Buyers Club“). Ein dritter: Gillian Flynn, Autorin der Romanvorlage („Gone Girl“). Und ein vierter: Serienschöpferin Marti Noxon („Buffy“, „Mad Men“, „Glee“, „Dietland“).

Adams ist die junge Journalistin Camille Preaker aus St. Louis, die von ihrem Chefredakteur auf eine mögliche Serienmördergeschichte angesetzt wird. In ihrer Heimatstadt Wind Gap wurde ein Mädchen ermordet, ein anderes ist verschwunden. Und so taucht Preaker widerwillig in den sommerdampfenden Staat Missouri, in eine Stadt, die zum Mittleren Westen gehört und zum abtrünnigen Süden zählt, eine Stadt voller Geheimnisse, Bigotterie und Homophobie, die durch die aktuellen Ereignisse niedergedrückt wird.

Die Schreiberin ist nicht willkommen, als Weggelaufene wird sie selbst von ihrer seelisch angeknacksten Mutter Adora (Patricia Clarkson) abgelehnt, und nur die schwarze Haushälterin hat ein Lächeln und eine Umarmung für sie übrig. Mit dem ebenfalls von auswärts kommenden Detective Willis aus Kansas City (Chris Messina) versucht Camille eine Arbeitsallianz einzugehen, aber es wird schwierig, in einer verschränkten Stadt zu schreiben, in der nur geschwiegen, gelächelt und abgewiesen wird.

Dann taucht das zweite Opfer auf, ein Verdächtiger steht am Pranger, und alles könnte erfolgreich werden für Camille, wären da nicht böse Erinnerungen, spukige Träume, der Schatten einer verstorbenen Schwester und zu viele Whiskyflaschen – eine Vergangenheit, die sie zu zerbrechen droht.

Ein Thriller und Psychodrama, eine Geschichte von verwehrter Heimkehr und ein weiteres, nicht allzu vorteilhaftes Porträt des kleinstädtischen Amerika mit seinen Southern Belles, seiner Etikette, seinem Etepetete, seinen Rebellen, seinem Aberglauben und seiner Verschworenheit. Amy Adams ist gewohnt große Klasse als Detektivin, Vallée wickelt das Rätsel im Herz dieser Welt am Ende auf elegante Weise aus. Ein Muss!

Sharp Objects Quelle: Warner/HBO

The Handmaid’s Tale, Staffel 2. „Gesegnet sei die Frucht.“ Das Amerika der religiös verbrämten Diktatur von Gilead ist der gegenwärtige Männlichkeitsstaat Donald Trumps in bitterster Vollendung. Weiblichkeit dient in diesem Unterdrückungssystem nur noch als „Schmuck“ und als Fortpflanzungsgefäß.

Unfruchtbare Paare der Herrscherschicht benutzen fertile „Mägde“, versklavte Frauen, um Kinder mit ihnen zu zeugen, die sie ihnen dann nach der Geburt wegnehmen. Und in geheimen Bordellen leben die offiziell keuschen Männer der Herrscherschicht ihre Lust an Frauen aus, denen aus klar ersichtlichen Gründen der Heiligkeitsstatus aberkannt und die zu Huren erklärt wurden. Wohin Verweigerung führt, war in einer schockierenden Szene der letzten Episode der ersten Staffel von „The Handmaid’s Tale“ zu sehen.

Zugleich gab es den Hoffnungsschimmer der Revolte in der dystopischen Finsternis, der mit dem ebenfalls schockierenden Auftakt der zweiten Staffel indes gleich wieder erlischt. Die zweite Staffel steht der ersten in ihrer Dringlichkeit und ihrer Spannung in nichts nach, und wenn man schon glaubt, alles könne gut werden, gerät die schwangere („gesegnete“) Magd Desfred alias June Osborne in die nächste, noch schlimmere Lage.

Elisabeth Moss in der Titelrolle ist schlichtweg überwältigend ob ihres eindringlichen, nuancenreichen Spiels. Es gibt Blicke von ihr, bei denen man auch als Zuschauer aus Sicherheitsgründen in Deckung gehen möchte. Überhaupt ist „The Handmaid’s Tale“ fest in der Hand der Darstellerinnen: von Yvonne Strahowski als eiskalter Serena Joy Waterford, Gattin des Commanders (Joseph Fiennes), Alexis Bledel als lesbischer Unidozentin und bestrafter Magd, die in radioaktiv verseuchten Gebieten, in postapokalyptischer Kulisse Fronarbeit verrichten muss, oder Anne Dowd als grausamer Aufseherin Aunt Lydia, die nach außen als Gottes großer Furor auftritt, aber in nur vom Zuschauer beobachteten Momenten vom Zweifel angefressen wird.

Die Filmmusik ist erlesen zu den Bildern gesetzt, die Kamera liebt es, grafische, ornamentale, gemäldeartige Bilder in die Trostlosigkeit zu setzen. Margaret Atwoods kunstvoll ausgeweitete, zeitlose Geschichte „Report der Magd“ ist zu bedeutsamem Fernsehen geworden. In Flashbacks wird gezeigt, wie leicht ein demokratisches Gebilde in die Niederungen quasifaschistischer Unterdrückung absinken kann.

Das sind Dinge, die wir gerade in einer Reihe von Ländern der unschön gewordenen Welt beschauen können. Nicht bei uns freilich, denkt man, und doch sind Anzeichen da und wir sind gehalten, zu tun, was seit den Sechzigerjahren frei nach dem Wort des Liebesdichters Ovid als prodemokratische Parole ausgegeben wurde: „Wehre den Anfängen!“

The Handmaid’s Tale, Staffel 2 Quelle: Fox/Hulu

Succession, Staffel 1. Shakespeares König Lear stand Pate für die HBO-Serie „Succession“, einem perfiden Spiel um einen Thron, das in unserer Gegenwart angesiedelt ist. Die Familie, um deren Reich es geht, heißt nicht zufällig Roy, aber es sind degenerierte Könige.

Der Patriarch Logan Roy (der wunderbar knorrige Schotte Brian Cox – spielte den Lear für die Royal Shakespeare Company), Chef eines riesigen Nachrichten- und Unterhaltungsunternehmens, nähert sich den Grenzen der Biologie. Er bringt gelegentlich die Dinge durcheinander und pinkelt nach dem nächtlichen Erwachen schonmal versehentlich in den Kleiderschrank. Es ist an der Zeit, das Imperium Waystar Royco weiterzugeben.

Doch der zweite Sohn Kendall (Jeremy Strong) versagt bei wichtigen Geschäftsabschlüssen, wird von den Chefs junger Start-ups, die er übernehmen will, als kläglicher Hai entlarvt. Der Alte sieht, dass der Junge nicht seine Klasse hat, und beschließt, die Fäden in der Hand zu halten. Das weckt nicht nur Killerinstinkte in dem Versagersohn, sondern ruft auch Logans andere Brut auf den Plan. Der König soll sterben, lang lebe der König!

Keine der Figuren in diesem magie- und drachenfreien, völlig nüchternen, im New York unserer Tage angesiedelten „Game of Thrones“ erringt auch nur annähernd unsere Sympathien, und dennoch faszinieren sie uns so, dass man mit dem Zugucken nicht mehr aufhören kann. Eine Klassebesetzung (darunter Hiam Abbass, Sarah Snook, Mathew „Ripper Street“ Macfadyen, Kieran Culkin) bringt die Texte des phänomenalen britschen Comedyautoren Jesse Armstrong zum Scheinen. Hier ist sie wieder, die alte HBO-Klasse. Nobelfernsehen!

Succession, Staffel 1 Quelle: Warner/HBO

Long Strange Trip – The Untold Story of The Grateful Dead. Viele von den später Geborenen kennen diese Band nicht mehr, denn sie hatte keine Hits in den Top Ten. Die Grateful Dead waren vielmehr der Inbegriff von „Live“, eine Konzertband, für die jeder Abend ein Abenteuer war, eine Reise in die unendlichen Weiten von Blues, Rock, Folk und Jazz.

Sie waren bis zum Tod von Bandgründer, Gitarrist, Sänger und Mastermind Jerry Garcias der Inbegriff einer Band, die für die Musik lebte. Und einer Band, die ihr ganz besonderes Publikum, die enthusiastischen „Deadheads“ einbezog in ihre Shows, die ihnen mit der wahnsinnig teuren „Wall of Sound“ die fantastischste Soundanlage bieten wollte. Und die nichtwenigen sogar einen Familienersatz bot.

Die Doku „Long Strange Trip“ setzt der psychedelischsten Rock’n’Roll-Band ein Denkmal, erzählt von einer Suche nach immer grandioserer Musik, von bewusstseinserweiternden Substanzen, die diese Suche befeuerten, von der großen Entourage, die sich ihnen anschloss, und von den Hells Angels, der nicht abschüttelbaren Motorradgefolgschaft, deren Freiheitsbegriff nicht wirklich zu dem des Rock’n’Roll passte. Und. Und. Und.

Amir Bar-Levs opulente Vierstundendoku ist die erstaunliche, mitreißende, informative, kritische Bestandsaufnahme der unwahrscheinlichsten Musikgruppe aller Zeiten. Ein Muss – schade nur, dass dem englischsprachigen Film nicht einmal Untertitel beigesellt wurden.

Long Strange Trip – The Untold Story of The Grateful Dead Quelle: Amazon/Rhino

Mary und die Blume der Hexen. Mary hat Haare wie Draht, feuerrot dazu. In der Schule wird sie deswegen gehänselt, Freundinnen hat sie keine, ein Aufenthalt auf dem Land bei ihrer ältlichen Großtante Charlotte langweilt sie furchtbar. Eine Katze bringt sie an einen verwunschenen Fleck inmitten des Waldes, wo sie eine leuchtende blaue Blume und einen Besen findet, die einst eine Hexe auf der Flucht verloren hat. Die magische Flora und das Zauberfluggerät führen sie an die Endor Universität für Zauberei, wo sie den blasphemischen Experimenten einer verbrecherischen Schulleitung auf die Spur kommt.

Das liebevoll und detailschön gestaltete Anime von Hiromasa Yonebayashi (nach einer Geschichte der 2014 verstorbenen Schriftstellerin Mary Stewart) ist sowohl ein Fantasy-Plädoyer für die menschliche Vorstellungskraft als auch eins gegen ihre unbekümmerte Vermählung mit Wissenschaft. Es wird eine Geschichte über Bestimmung und Verwandlung erzählt, über Mut und Verantwortung, die auch mit einer kleinen Verneigung vor Harry Potter, dem berühmtesten aller Zauberschüler, aufwartet.

Vor allem aber ist „Mary und die Blume der Hexen“ eine Hommage an das Werk des 77-jährigen Anime-Königs Hayao Miyazaki („Prinzessin Mononoke“, „Chihiro“), dessen großartiges Märchenkino mit seinen starken Heldinnen durch diesen Film fortgeführt wird. Manche der hier aufmarschierenden Monster dürften allerdings für einen Teil der anvisierten Zielgruppe (Freigabe ab sechs Jahren) zu starker Tobak sein.

Mary und die Blume der Hexen Quelle: Eurovideo

Die Brücke, vierte Staffel. Die Polizistin Saga Noren (Sofia Helin) kommt aus der Psychiatrie frei, der Mordverdacht aus der letzten Staffel wird fallen gelassen, und wenn sie zu Beginn der zweiten Episode in ihren wirsinggrünen Porsche steigt, ist das beinahe ein so cooler Moment, wie der, in dem Daniel Craigs James Bond in „Skyfall“ den alten Aston Martin aus Sean-Connery-Zeiten aus der Garage holt.

Im Nu ist die faszinierende empathiefreie Autistin wieder im Dienst und – zusammen mit ihrem Kollegen und gelegentlichem „Sexhelfer“ Henrik Sabroe (Thure Lindhardt) - mit einem besonders grausamen Mordfall befasst: Die Chefin der Einwanderungsbehörde wurde auf der Insel Peberholm langsam zu Tode gesteinigt. Der Verdacht richtet sich gegen einen schwulen Iraner, der abgeschoben werden sollte und abgetaucht ist.

Weitere Geschichten werden verwoben: Die eines Enthüllungsjournalisten, der einer geheimnisvollen Organisation namens „Red October“ auf der Spur ist und dessen Zwillingsbruder seine Popularität bis zum bitteren Ende ausnutzt. Die einer Frau, die mit ihrem Sohn auf der Flucht vor ihrem gewalttätigen Mann ist und in einer klosterartigen Kommune landet. Die von zwei Ausreißerinnen, die Pässe stehlen und verkaufen. Und. Und. Und.

Auch der letzte Noren-Thriller wird kunstvoll aufgebaut und erzählt, spannend inszeniert und bekommt durch ein blaugrünes Licht und den dunklen Score eine melancholisch-kühle Atmosphäre. Am Ende werden dann lose Fäden gebündelt, offene Fragen beantwortet und der Untertitel „Das Finale“ wird bestätigt. Schade, dass es nun endgültig vorbei ist mit diesen dänisch-schwedischen Verbrecherjagden. Es gibt kein Zurück, der Porsche 911S von 1977 wurde bereits zu Wohltätigkeitszwecken versteigert.

Die Brücke, vierte Staffel Quelle: Edel

Christopher Robin. Eines Tages kippt ein Honigglas um, rollt vom Tisch und zerplatzt am Boden. Das geschieht in Christopher Robins Wohnung in London und im selben Moment erwacht Pu der Bär an einem nebligen Tag im Hundertmorgenwald, tritt durch die Rückseite seiner Baumwohnung in Christopher Robins Erwachsenenwelt, in der nur noch Zahlen und Arbeit von Belang sind und die Fantasie keinen Platz mehr hat.

Tochter Madeleine und Ehefrau Evelyn mussten alleine nach Sussex fahren, weil Christopher Robin, der Efficiency Manager einer Koffer-und Reisetaschenfirma, vergessen hat, was Freizeit ist und wie Freude geht. Und so nervt ihn auch der plüschige Gast aus seiner Kindheit, der seine Freunde sucht, weil irgendetwas sie dem Wald entnommen zu haben scheint.

Ewan McGregor spielt einen exquisiten Unsympathen und man tut sich schwer, in diesem vernagelten Erwachsenen das Kind zu erkennen, das einst mit Pu, Tigger und I-Ah Abenteuer erlebte. Entsprechend unglaubwürdig wirkt dann der Rücksturz des Verirrten ins lauschige Gestern, seine Bereitschaft, sich selbst zu entkrusten. Und so dauert es eine Weile, bis man mit dieser „Toy Story“ aus dem Nachkriegsengland warm wird.

Für sich und vom Ende her gesehen ist Marc ForstersChristopher Robin“ ein liebenswerter Film über das Wichtigste im Leben, das mit zunehmendem Lebensalter unerklärlicherweise zur Nebensache wird. Mit der Wirklichkeit des historischen Christopher Robin, der darunter litt, Held der Erzählungen seines Vaters A. A. Milne zu sein, hat dieses Märchen freilich herzlich wenig zu tun.

Christopher Robin Quelle: Disney

Foxtrot. Das israelische Militär befördert seine Gefallenen postum, das verrät der Militärrabiner dem Vater des „gefallenen“ Staff Sergeant Jonathan und geht schon ein paar Stunden nach der Todesbotschaft mit sanfter Stimme die Einzelheiten der Bestattungszeremonie durch. Und immer soll der Schockierte ein Glas Wasser trinken, als könnten die Nerven von zu vielen mechanischen Verständnisworten dehydriert werden.

Regisseur Samuel Moaz erzählt in „Foxtrot“ vom soldatischen Land Israel, das in steter Bereitschaft, seine Existenz zu erhalten, von einem militärischen Geist durchdrungen ist, der die Absurdität des Sterbens (im Dienst) akzeptiert. Und wie die Eltern eines toten Soldaten aus dieser Geordnetheit herausfallen mit ihrer Trauer und ihrem Zorn, Gefühlen, denen alle anderen, selbst die Großeltern, mit einer kühlen Sachlichkeit begegnen.

Als nach einer halben Filmstunde die nächste Delegation in braungrünen Uniformen an der Haustür klingelt, wird den Feldmanns klargemacht, dass ein Namensirrtum vorliegt und der Sohn am Leben ist. Moaz switcht alsdann zu Jonathans Standort, einer Straßensperre im Nirgendwo, die ihre Schranke für gelegentlich auftauchende wilde Kamele und noch seltener passierende Autos öffnet. Unfassliche Langeweile in potenzieller. Bis schließlich eine Fehlentscheidung binnen Sekunden katastrophale Folgen hat.

Mit den Mitteln der Komödie und des Dramas wird die Diskrepanz zwischen dem Menschsein und den Anforderungen des Soldatischen offenbart und wie Letzteres das Erstere deformiert. Der Tanz eines Soldaten mit seinem Gewehr gehört zum Komischsten, was das Antikriegskino seit Charlie Chaplins Beladungsversuchen einer eigensinnigen Kanone hervorgebracht hat.

Der Film führte in Israel zu einer Diskussion über die Förderwürdigkeit von Filmen, die sich kritisch mit der israelischen Armee auseinandersetzen. Die israelische Kulturministerin Miri Regev bestätigte dabei in ihrer Ablehnung des Films und ihrem Postulat nach patriotischer Kunst das von Maoz präsentierte Gesellschaftsbild und wurde von der Premiere des Meisterwerks ausgeladen.

Foxtrot Quelle: Eurovideo

Meg. Etwas in der Tiefe ist erwacht. Es ist groß und so kräftig, dass es mit einem gesunkenen Atom-U-Boot-umgeht, als wäre es eine leere Coladose. Jason Statham muss eine Rettungsmission abbrechen und zwei seiner Männer zurücklassen, weil „Meg“ sich mit einem Angriff einbringt. Als nächstes sehen wir eine Unterseestation, schön und neu wie Kubricks Weltraumrad aus „2001“. Von hier aus bricht ein Forschungs-U-Boot auf zu einem Meeresgrund unter dem Meeresgrund, in eine unbekannte Welt. Und die ist unglücklicherweise das Wohnzimmer des gigantischen Urhais.

Jon Turteltaub, Regisseur des kultigen Olympiakomödie „Cool Runnings“ und der eher aufgeblasenen „Vermächtnis“-Fantasystreifen mit Nicholas Cage macht mit der alten Regel „size matters“ Steven Spielbergs weißen Hai zur Zahnsardine. Die Crew um Captain Lori (Jessica McNamee) steckt in 11000 Metern Tiefe fest, der Fressfisch schwimmt in der Schwärze herum, wo er die Insassen gelegentlich auf sich aufmerksam macht, und Jonas Taylor (Statham), der, traumatisiert, eigentlich nur noch Bierflaschen auf den Grund geht, muss wieder in die Tiefe, die er nie wieder betreten wollte und entkommt dem „big beast“ in dem folgenden Dauerduell mehrfach nur um Schuppenbreite.

Hollywoods zweite Garde (Rainn Wilson, Robert Taylor, Cliff Curtis) und ein asiatisches Ensemble, geführt von der bildhübschen Chinesin Bingbing Li erinnern mit bananigen Dialogen und unplausiblem, der Bedrohung nicht angemessenem Verhalten an die Monster-B-Movies der Siebzigerjahre. Allerdings wird hier weder versucht, dem Ungeheuer mit dem nötigen „Jaws“-Ernst noch mit dem Maximum an „Sharknado“-Trash zu begegnen.

Was die Wirkung des Horrors mindert, ist zudem die Zeigfreudigkeit Turteltaubs. Der Godzilla der Selachii wird viel zu früh in voller Pracht ausgestellt, was den Betrachter zu früh an das Spektakel gewöhnt. Spielberg hielt sich 1975 daran, was Alfred Hitchcock 1963 im ersten modernen Tierhorrorstreifen „Die Vögel“ vorgegeben hatte: Das Grauen langsam aufbauen, seinen vollen Umfang spät zeigen.

Meg Quelle: Warner

Catch Me!. Das Grauen langsam aufbauen, seinen vollen Umfang spät zeigen – das gelingt den Machern der US-Komödie „Catch Me!“. Helden sind fünf Männer und zwei Frauen (vier alte Schulfreunde, ein nicht abschüttelbares weibliches Anhängsel und eine Journalistin, die das von Jon Hamm gespielte erfolgreichste Mitglied des Quintetts interviewen möchte).

Die infantilen Kumpels spielen bis ins reife Erwachsenenalter alljährlich den ganzen Mai über Fangen. Der bislang niemals erhaschte Jerry will heiraten und soll unbedingt vor der Hochzeit abgeschlagen werden, was sich wie zuvor auch als ungemein schwierig erweist. Dass die Geschehnisse des Films auf wahren Begebenheiten gründen, ist kaum zu glauben, wird aber durch den Abspann untermauert.

Nach 25 Minuten (gefühlten Jahren) taucht Jerry auf, der erfolgreichste Wegläufer der Welt, der witzigerweise von Jeremy Renner gespielt wird. Der lässt sogar vergessen, dass dieses Buddymovie endgültig beweist, dass es keine lustigen Genitalwitze mehr gibt. Nach einem witzigen Mittelteil stürzt der Film am Ende über die Klippe der Geschmacklosigkeit. Das Scherzetreiben mit Themen wie Schwangerschaft und unheilbarer Krankheit ist und bleibt heikel.

Catch Me! Quelle: Warner

The Darkest Minds. Die Welt ist vor die Hunde gegangen, ein Virus hat fast alle Kinder Amerikas dahingerafft. Die Überlebenden haben in Abstufungen „X-Men“-artige Superkräfte, die sterbende Gesellschaft sperrt sie in Lager weg, eliminiert die Gefährlichsten. Ruby Jane (Amandla Stenberg) bekommt unerklärlicherweise Fluchthilfe, flieht dann vor ihren Fluchthelfern und wird von drei anderen Jugendlichen/Kindern, die mit einem Van durchs Land reisen, in Obhut genommen.

Sie werden verfolgt von Kopfgeldjägern wie der berüchtigten Lady Jane („Game of Thrones“-Rittersfrau Gwendoline Christie) und versuchen in ein geheimnisumwittertes Refugium zu gelangen wie die Kämpfer in „The Walking Dead“, einen Ort, wo ein sicherer Neubeginn möglich ist. Dieser Garten Eden, den der Sohn des Präsidenten (Patrick Gibson) leitet, riecht jedoch für den Zuschauer von Anfang an nach einer Falle.

Die düstere Welt, die Regisseurin Jennifer Yuh Nelson nach den Romanen von Alexandra Bracken (eine Filmtrilogie ist geplant) in Bilder gefasst hat, muss mit der unlogischen Prämisse leben, dass Eltern die Kasernierung und Liquidierung ihrer Kinder tolerieren würden. Einer Fehlannahme, der weitere logische Kinken folgen, etwa, dass der Film immer wieder die Fähigkeiten seiner Protagonisten außer Acht lässt, mit denen entsprechende Bedrohungslagen einfach aufzulösen wären.

Abseits einiger spektakulären Szenen und abgesehen von der wirklich charmanten Hauptdarstellerin (Stenberg war die kleine Rue in der ungleich besseren Dystopie „Die Tribute von Panem“) ist „The Darkest Minds“ eine nicht allzu erbauliche Collage aus Déjà vus.

The Darkest Minds Quelle: Fox

Von Matthias Halbig

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