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Kultur Filmkritik zu Terminator 6: Dark Fate: Und ewig grüßt der T-800
Nachrichten Kultur Filmkritik zu Terminator 6: Dark Fate: Und ewig grüßt der T-800
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08:05 23.10.2019
„Hasta la vista, Baby!“: Der T-800 (Arnold Schwarzenegger) fackelt nicht lang. Quelle: Twentieth Century Fox

Maschinen gefährden nicht nur das Überleben der Menschheit, wie wir jetzt im aktuellen „Terminator“-Film lernen können: Da kommt die Filmheldin Dani Ramos (Natalia Reyes) mit ihrem Bruder pünktlich zu Schichtbeginn ins mexikanische Automobilwerk. Dort, wo der Bruder gestern noch am Wagenblech geschraubt hat, dreht sich nun ein Computerarm im Luftraum über dem Fließband. Der Bruder möge bitte zum Chef kommen. Bestimmt wird er gleich entlassen.

Dieses Schicksal bleibt ihm nur deshalb erspart, weil Schlimmeres passiert: Sekunden später erscheint ein Killerroboter und will Schwester Dani nach allen Regeln der Terminatoren-Kunst massakrieren. Denn was die junge Frau zu diesem Zeitpunkt noch nicht ahnt: Sie ist die Schlüsselfigur fürs Überleben des Homo sapiens.

Schöner lässt sich die mögliche Bandbreite von Kulturpessimismus in einem Popcornfilm kaum zusammenfassen. Rationalisierung durch Technik hier, Mord durch die Maschine dort. James CameronsTerminator“-Reihe war von Anfang an prädestiniert dafür, die Schrecken der künstlichen Intelligenz auszupinseln.

Wissenschaftler rätseln heute darüber, ob und wie Maschinen die Kontrolle übernehmen könnten. Die Forscher denken weniger an sprechende Kühlschränke als an autonome Waffensysteme, denen sogar ethische Codes implementiert werden könnten. Womöglich würden sie in Kriegen irgendwann über Leben und Tod entscheiden – unabhängig vom Menschen.

Cameron hat schon im ersten „Terminator“-Film Fakten simuliert. Er schickte das Terminator-Modell T-800 in Gestalt von Arnold Schwarzenegger zurück in die Gegenwart des Jahres 1984, um John Connor zu töten: Der Junge durfte nicht zum künftigen Anführer im Kampf gegen die Roboter heranwachsen. Seitdem hört es mit den zeitreisenden Killerrobotern gar nicht mehr auf, die die künstliche Intelligenz Skynet den Menschen auf den Hals hetzt.

Der Auftakt in der Autofabrik ist verheißungsvoll, doch dann muss der Zuschauer erst einmal ohne weitere Überlegungen zum Verhältnis von Mensch und Maschine auskommen. Das ist schade, zumal bei dem von „Deadpool“-Regisseur Tim Fischer inszenierten sechsten Teil der „Terminator“-Reihe auch wieder Schöpfer Cameron am Drehbuch und als Produzent beteiligt ist.

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Die meiste Zeit der zwei Kinostunden wird auf Kreaturen gefeuert, die zwar wie Wesen aus Fleisch und Blut aussehen, tatsächlich aber unter ihrer Haut aus Elektronik und Stahl bestehen. Denen darf man dann schon mal eine Pumpgun-Salve ins Gesicht feuern, bis sie zu einer schwarzen Masse zerfließen. Sekunden später nehmen sie ja doch wieder die alten Konturen an.

Einen Flüssigmetall-Terminator kennen wir schon aus früheren Filmen, da waren sie rein visuell eine Kinosensation. Heute ermüdet das ewige Vergehen und Wiederauferstehen: Und ewig grüßt der Terminator.

Sarah Connor als Terminator-Killerin

Zumal die Geschichte kaum vorankommt. Da kann auch Sarah Connor nichts dran ändern, die Mutter des Menschheitserlösers aus den ersten Teilen. Im Seniorenalter kehrt Connor nun als verbitterte Terminator-Killerin zurück und presst die Beleidigung „Metallwichser“ durch die Zähne. Linda Hamilton hätte besser die Finger von dieser Rolle gelassen, in der sie so zwanghaft martialisch wirkt. Sogar den Terminator-Satz „Ich komme wieder“ verpatzt Sarah Connor (jedenfalls in der wirklich miserablen deutschen Kinofassung).

Die eigentliche Beschützerin des künftigen weiblichen Messias Dani ist Grace (Mackenzie Davis), eine „verbesserte Supersoldatin aus der Zukunft“. Grace ist eine echte Schmerzensfrau, die sich mit Todesverachtung dem neuen fiesen Terminator Rev-9 in den Weg wirft.

Der Terminator heißt jetzt Carl

Die Rettung vor lärmender Langeweile naht nach rund einer Kinostunde auf einer texanischen Farm. Dort erhoffen sich die drei erschöpften Kampfheroinen Hilfe. Denn wer öffnet die Tür? Der sichtlich gealterte T-800. Sogleich verwundert er das Damentrio mit der beeindruckenden Lernfähigkeit von Maschinen.

Der T-800 spricht noch immer mit emotionsloser Stimme. Aber man sollte sich nicht täuschen lassen. Er trägt jetzt den Namen Carl und sagt: „Die letzten 20 Jahre habe ich geübt, Mensch zu werden.“ Er hat eine Frau („nichts Körperliches“), einen Ziehsohn, einen Hund und ist in Rente. Wenn sich in seinem Schuppen dennoch die Gewehre bis an die Decke stapeln, dann nur aus einem Grund: „Schließlich ist das hier Texas.“

Der Terminator als perfekter Ehemann

Schwarzenegger lädt seine Terminator-Rolle mit viel Selbstironie auf. Denn merke: Ein Terminator im Ruhestand hat das Zeug zum perfekten Ehemann. Er wechselt Windeln, kann gut zuhören und besitzt nach eigenen Worten Humor. Letzteres trifft zumindest auf den Schauspieler hinter der Rolle zu.

Die Filmemacher scheinen auf eine weitere Fortsetzung zu spekulieren, viel Neues ist ihnen schon jetzt nicht mehr eingefallen. Wenn das Computerauge des T-800 ein letztes Mal flackert, sollte vielleicht wirklich mal Schluss sein.

Terminator 6 – Dark Fate“, Regie: Tim Fischer, mit Arnold Schwarzenegger, Linda Hamilton, Mackenzie Davis, 123 Minuten, FSK 16

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Von Stefan Stosch/RND

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