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Kultur Tag eins in Scheeßel: Geburtstagsparty mit Campino
Nachrichten Kultur Tag eins in Scheeßel: Geburtstagsparty mit Campino
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22:00 22.06.2019
Vor den Bühnen in Scheeßel wird es eng. Quelle: Hauke-Christian Dittrich/dpa
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Scheeßel

Als viele Besucher des Hurricane Festivals bereits zur großen Bühne drängen, weil dort gleich die Toten Hosen spielen, hat die österreichische Band Bilderbuch noch nicht ganz alles Pulver verschossen. Plötzlich ertönt eines der wichtigsten Gitarrenriffs der vergangenen Jahre, eine junge Frau bleibt wie angewurzelt stehen, grinst selig und ruft ihren Freunden den Titel des Songs zu: „Maschin!“ Alle rennen zurück, für einen Moment der Euphorie, gemacht aus einer zurzeit unnachahmlichen Mischung von Falco und Prince, von ironischer Coolness und Essenzen des Rock.

Was auch immer in den folgenden beiden Tagen noch an großartigen Momenten kommen mag, mit The Cure oder den Foo Fighters, mit 65.000 erwarteten Gästen: Die Party des Festivaljahres findet am Freitagabend statt, am längsten Tag des Jahres. Es ist eine Tanzparty zwischen Funk, nahezu perfektem Pop und sentimentalem Punk. Es ist die Hochzeitsparty eines Brautpaares, das direkt vom Standesamt aufs Festivalgelände kam, mit Schleier, Schleppe und Brautstrauß. Und es wird um Mitternacht überraschend zu einer Geburtstagsparty, als die Toten Hosen beginnen, „Happy Birthday“ zu singen – für ihren Sänger Campino, der 57 Jahre alt wird.

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Hurricane: Campino und Trettmann am Tag der deutschen Texte

Ausnahmsweise spielt sogar das Wetter mit. Die Veranstalter sind so gut wie noch nie vorbereitet auf Unwetter und Regengüsse, für die das Festival berüchtigt ist. Doch Campino empfiehlt am Ende eines sonnigen Tages, Bommerlunder unbedingt lauwarm zu trinken, „eisgekühlt“ klinge halt nur besser. Der Freitag ist vor allem ein Tag der deutschen Songtexte und all der Sentimentalitäten und Haltungen, die damit einhergehen, all der Facetten verdichteten Lebensgefühls.

Das Hurricane gehört zu den Größen des Festival-Sommers. Hier sind die besten Bilder aus Scheeßel.

Die Deutschpunks von Betontod fordern: „Wir müssen aufhören, weniger zu trinken!“ Und rufen zugleich auf, sich gegen Faschismus zu engagieren. Bosse sorgt mit warmem Liedermacherpop und persönlichen Geschichten für Identifikationspotenzial. Die höchste Eisenbahn verbindet fast unwiderstehliche Harmonien mit dem Aufruf: „Helft anderen Leuten, die anderen Leuten helfen.“ Trettmann zeigt mit schlau konstruiertem Hip Hop und ausreichend Selbstironie, wie effektiv Minimalismus sein kann. Und Neonschwarz rappen rotzig und entschlossen über politische Abgründe rechts von Demokratie.

Hurricane: Die Toten Hosen schwelgen in Erinnerungen

Die Toten Hosen schließlich schwelgen im ganz großen Woohoo, zelebrieren ihre eigene Geschichte mit Stolz, Humor und Entschlossenheit. Campino schenkt sich selbst seine Lieblingssongs und feiert mit „Hier kommt Alex“, „Wie viele Jahre“, Slades „Far Far Away“ und dem seinem Vater gewidmeten „Draußen vor der Tür“, das er auch für seine Schwester spielt, die im Publikum steht.

Er versichert, „Tage wie diese“ sei genau für solche Momente geschrieben worden, nicht für Fußball, Politik und Hochzeiten. Nach einem Festivaltag wie diesem stört nicht einmal das Schlagerhafte daran.

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Von Thomas Kaestle/RND