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Kultur Staatsoper Hannover startet in die neue Saison
Nachrichten Kultur Staatsoper Hannover startet in die neue Saison
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19:40 23.08.2009
Von Rainer Wagner
Jubel nach dem Feuerzauber.
Jubel nach dem Feuerzauber. Quelle: Jana Striewe
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Stiftungsvorstand Manfred Bodin vermeldete denn auch stolz, dass die Stiftung mittlerweile über ein Vermögen von mehr als 600.000 Euro verfügt. Nicht zuletzt dank neuer Spender, deren Namen auf dem Namenstafel-Triptychon im Eingangsbereich des Lavesbaus verewigt wurden. Dass dies nicht nur Unternehmen (Hannoversche Rückversicherungs AG), sondern auch Privatpersonen (Robert Hesse, Carl-Ernst und Johanne Büchting und Günter Meyerhoff) sind, wertete Bodin als gutes Zeichen dafür, dass auch in Krisenzeiten der Wert der Kultur und der Oper gewürdigt werde. Hausherr Michael Klügl hatte zuvor versprochen, dass man jetzt in seinem Haus vieles in einem neuen Licht sehen werde: Energiesparende Leuchten wurden eingebaut. Wie notorisch trübe Energiesparfunzeln wirken sie aber nicht . Im Übrigen aber gehe es, so Klügl, sowieso darum, mit menschlicher Energie zu überwältigen.

Das hätte das respektable Ensemble auch ohne Hilfe von außen geschafft, aber so ein Stargast schmückt schließlich – und verleitet manchen Opernfreund, eben ein paar stiftungsfördernde Euro mehr für seine Eintrittskarte zu zahlen. Dafür wurde ihm der slowakische Bariton Dalibor Jenis geboten, der als Graf in Mozarts „Figaro“ selbstbewusst und klangvoll auftrat. In Rossinis „Barbiere di Siviglia“ ist jener Graf allerdings eine Tenorpartie – weshalb Jenis lieber den umtriebigen Friseur verkörperte, für den ein Bariton die rechte Fasson hat. Mit der Cavatina des Figaro machte Dalibor Jenis Bella Figura (wenn man seine Neigung zu gelegentlich nasalen Vokalverfärbungen überhören mag). Doch noch besser liegt ihm der Posa, mit dessen Abschiedsarie „O Carlo ascolta“ Jenis in der zweiten Programmhälfte glänzte. Diese Partie sang der Stargast auch in der ansonsten eher überflüssigen „Scala“-Produktion von Verdis „Don Carlo“ von 2008, die kürzlich auch im deutschen Fernsehen zu sehen war.

Ursprünglich stand über dem Abend ein Zitat des Schriftstellers Thomas Brasch („Bleiben will ich, wo ich nie gewesen“), aber der launige Moderator Ulrich Lenz hatte lieber die Einsicht „Männer sind Schweine“ zum Leitmotiv gewählt. Knapp an der Überstrapazierung vorbei, aber ohne das Stichwort Schweinegrippe, kam Lenz vom „Oberferkel Mozart“ bis zum moralisch auch nicht koscheren Richard Wagner.

Dirigent Rainer Mühlbach machte Appetit auf die bevorstehende „Figaro“-Premiere, bei der Ania Wegrzyn nicht nur einen neuen (Künstler-)Namen vorweisen kann (sie nennt sich jetzt Ania Vegry), sondern auch mit eingedunkelten Klangfarben alles andere, als eine Kammerkätzchen-Susanne zu werden verspricht. Stefan Zenkl ließ als Figaro aufhorchen, Monika Walerowicz kündigte einen etwas manierierten Cherubino an und Kelly God eine wehmütige Gräfin. Dass Rossinis „Il Viaggio a Reims“ ein Mannschaftssieg werden könnte, deutete sich ebenso an wie der Publikumserfolg des eloquenten Frank Schneiders als Don Profondo.

Nach der Pause wurde es tragischer. Brian Davis und Brigitte Hahn lieferten als Ehepaar Macbeth reichlich Nervenkitzel, der vom stil- und zielsicher dirigierenden Lutz de Veer noch verstärkt wurde. Und der bassmächtige Shavleg Armasi weckte Bedauern darüber, dass in Verdis „Macbeth“ dessen Generalskollege Banquo so schnell gemeuchelt wird.

Natürlich durfte Richard Wagner nicht fehlen, denn immerhin wird in dieser Spielzeit ein neuer „Ring“ geschmiedet. Allerdings hatte sich schon beim ersten Galakonzert 2005 nicht überhören lassen, dass konzertante Wagner-Klänge akustisch nicht ohne Tücken sind (der Meister wusste schon, warum er sein Orchester nicht nur in den Graben steckte, sondern auch noch einen Deckel drauflegte). Okka von der Damerau allerdings ließ sich von den Klangfluten nicht entmutigen und war eine souveräne Erda. Beim „Walkürenritt“ konnte Generalmusikdirektor Wolfgang Bozic dann aber nicht ganz verhindern, dass dieses Stück instrumental mehr überzeugte denn als Damen-Achter (nicht alle Walküren klingen – noch? – ganz rollendeckend). Dafür funkelte zum Abschluss der Feuerzauber, den Béla Perencz als Wotan entfachte und den das reaktionssichere Staatsorchester fulminant aufglühen ließ. All diese Opernleckerbissen machten Appetit auf mehr.