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Kultur „Spider Man: A New Universe“ (Kinostart: 13. Dezember): Comics und Cornflakes
Nachrichten Kultur „Spider Man: A New Universe“ (Kinostart: 13. Dezember): Comics und Cornflakes
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03:00 12.12.2018
Er will doch nur fliegen: Der Spinnenmann.
Er will doch nur fliegen: Der Spinnenmann. Quelle: Foto: Sony
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Hannover

Von all den Comichelden, die im Hause Marvel das Licht der Welt erblickten, dürfte Spider-Man derjenige sein, der am stärken ausgebeutet wurde. Gibt man „Spider-Man“ in die Suchmaske der International Movie Data Base (dem Daten-Mekka für Cineasten) ein, bekommt man beim Scrollen durch die endlose Filmliste Schwielen am Zeigefinger. Auch wenn man sich auf die Kinoversionen dieses Jahrtausends beschränkt, ist die Liste lang genug.

Seit die Sony Studios Ende der Neunziger die Lizenz zum Spinnenmann erworben haben, hat man den Stoff schon drei Mal „rebootet“. Regisseur Sam Raimi ließ Tobey Maguire drei Folgen lang durchs New York der Post-Nine-Eleven-Ära schwingen. 2012 übernahm Andrew Garfield als „Amazing Spider-Man“ und brachte es auf zwei Filme. Im Vorjahr frischte der blutjunge Tom Holland mit „Spider-Man: Homecoming“ das Franchise auf. Er hat einen Vertrag für sechs Folgen unterschrieben und wurde sogar ins „Avengers“-Team aufgenommen.

„Den Rest kennt ihr ja“

Vor diesem Vermarktungshintergrund wirkt die Sony-Produktion mit dem Titel „Spider-Man: A New Universe“ beinahe wie eine Drohung. An den Anfang setzen die Macher einen selbstironischen Prolog: „Mein Name ist Peter Parker. Den Rest kennt ihr ja. Ich habe die Stadt gerettet, mich verliebt. Dann habe ich die Stadt noch mal gerettet und noch mal und noch mal. Mich gibt es als Comic und als Cornflakes“ heißt es mit gespielter Lakonie und: „Aber es geht hier nicht um mich.“

Nein, es geht hier um den afroamerikanischen Jungen Miles Morales, der selbst zum Spinnenmann wird und nicht die einzige Reinkarnation des guten, alten Peter Parker bleibt. Wir lernen: Jede Zeit hat ihren Spider-Man. Und nun ist der junge Miles dran, dem der Geschäftsmann The Kingpin als Bösewicht gegenüber steht. Der hat eine riesige „Quantenkanone“ gebaut, mit der man sich durch Zeit und Raum beamen kann – was zur Folge hat, dass bald einige Spider-Men und auch eine Spider-Woman dem Superhelden-Azubi zur Seite stehen.

Spider-Man als Ferkel

Bei so viel Personal trifft es sich gut, dass man sich für die Form des Animationsfilms entschieden hat. Wer hätte schon überzeugend einen kleinen Ferkel-Spider-Man aus der Zukunft darstellen können? Das Regietrio Bob Persichetti, Peter Ramsey und Rodney Rothman bemüht sich redlich, die krude Story durch flotte Dialoge aufzupeppen und der Angelegenheit wenigstens ästhetisch Schauwerte abzugewinnen. Die computergenerierten Trickfiguren suchen die Nähe zu den Originalcomics. Licht-, Schatten- und Farbgebung geben sich wild expressionistisch. Aber das hektische Stil-Surfing führt zu einem mauen Gesamtergebnis, das nicht über die Materialermüdungen hinwegtäuschen kann.

Von Martin Schwickert / RND