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Kultur „Shazam!“: Das Kind im Manne
Nachrichten Kultur „Shazam!“: Das Kind im Manne
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05:00 03.04.2019
Du bist super, Mann: Freddy (Jack Dylan Grazer, l.) und Shazam (Zachary Levi). Quelle: Foto: Warner
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Hannover

Die beiden Comic-Häuser Marvel und DC lieferten sich in den vergangenen Jahren erbitterte Gefechte um Zuschauergunst und Milliardenprofite. DC tat sich auf dem Gebiet von Humor und Selbstironie besonders schwer. Während Marvel-Helden wie Thor und Iron-Man sich selbst auf den Arm nahmen, der neue Spider-Man vor Abenteuer- und Lebenslust fast platzte und Deadpool sich im coolen Sarkasmus übte, erwiesen sich die DC-Heroen durchweg als Spaßbremsen.

In „Man of Steel“ und „Batman vs Superman: Dawn of Justice“ war Regisseur Zack Snyder derart vom Super-Machismo seiner bierernsten Muskelmänner gefesselt, dass kein Platz für selbstironische Auflockerungsübungen blieb. Unvergessen das angespannte Batman-Gesicht von Ben Affleck, der zweieinhalb Kinostunden mit heruntergezogenen Mundwinkeln agieren musste, was unter der schwarzen Fledermaus-Halbmaske für unfreiwillige Komik sorgte.

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In „Shazam!“ will DC nun das Ruder herumreißen und endlich auch mal lustig sein dürfen. Dafür greifen Regisseur David A. Sandberg („Annabelle 2“) und Drehbuchautor Henry Gayden auf den nicht ganz nagelneuen Peter-Parker-Trick zurück und stecken einen gebeutelten 14-Jährigen in den Körper eines Superhelden, der von seinen Wunderkräften förmlich übermannt wird.

Billy Batson (Asher Angel) heißt der Knabe, der in viel zu jungen Jahren seine alleinerziehende Mutter verloren hat und seitdem von einer Pflegefamilie zur nächsten gereicht wird. Der Zauberer Shazam glaubt in ihm einen Menschen mit reinem Herzen und klarem Geist zu erkennen und rüstet den Jungen mit Superkräften aus, ohne ihm jedoch die Gebrauchsanleitung für seine übernatürlichen Fähigkeiten mitzuliefern. Bald schon findet Billy gemeinsam mit seinem Adoptivbruder Freddy (Jack Dylan Grazer) heraus, dass er sich mit dem Zauberwort „Shazam“ in einen zwei Meter großen Muskelprotz mit rotem Gummianzug und beleuchtetem Brustkorb verwandelt.

Irgendwann müssen Bösewichte bekämpft werden

Seine heroische Inkarnation (Zachary Levi) sieht zwar aus wie ein erwachsener Mann, benimmt sich jedoch wie ein Teenager, der Spaß beim Ausprobieren seiner neuen Kräfte hat. Aber irgendwann rufen die Pflicht der Bösewicht-Bekämpfung und gehaltvolle Lernerfahrungen, die ihn den Wert seiner verlässlichen Pflegefamilie erkennen lassen.

Sandbergs Superhelden-Komödie präsentiert sich als unausgegorene Mixtur, in der sich Elemente von Satire, Monsterfilm, magischem Digital-Hokuspokus und familienfreundlicher Botschaft nicht zu einem kohärenten Ganzen vermischen wollen. Nur nach der Filmhälfte, wenn der junge Billy seine Verwandlungsfähigkeit und Superkräfte entdeckt, funktioniert der Film gut. Zachary Levi sucht und findet mit schauspielerischer Hingabe das Kind im Manne, das von der Erfüllung seiner Omnipotenz-Fantasien ganz hingerissen ist.

Obligatorische Schlacht zwischen Gut und Böse

Jenseits seiner komödiantischen Kernidee hat „Shazam!“ eklatante dramaturgische Probleme. Das fängt schon mit der Doppel-Exposition an, in der die Kindheitserfahrungen von Schurken und Haupthelden allzu ausführlich erläutert werden, und endet in einem Finale, das sich mit der obligatorischen Schlacht zwischen Gut und Böse in epischen Ausmaßen verliert.

Von Martin Schwickert / RND

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