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Kultur Schenkungsstopp fürs Kestner-Museum?
Nachrichten Kultur Schenkungsstopp fürs Kestner-Museum?
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22:05 12.05.2015
Eine der wertvollen Leihgaben der Stiftung Niedersachsen ans Kestner-Museum: Byzantinisches Marienstandbild auf Bleisiegel, um 1250.
Eine der wertvollen Leihgaben der Stiftung Niedersachsen ans Kestner-Museum: Byzantinisches Marienstandbild auf Bleisiegel, um 1250.
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Hannover

„Wenn dem Museum verboten wird, am internationalen Leihverkehr teilzunehmen, sollten von unserer Seite statt der bisherigen Schenkungen nur noch Leihgaben an das Museum gehen“, sagt Wolfgang Gebler, der langjährige Vorsitzende des Vereins „Geschichte und Gegenwart“.

So heißt der Freundeskreis des Kestner-Museums. Gebler sieht in Leihgaben gegenüber Schenkungen den Vorteil, als Eigentümer das letzte Wort zu behalten, nicht nur in Fragen des internationalen Leihverkehrs. Zudem könne so in Zeiten klammer kommunaler Kassen der Sammlungsbestand vor Veräußerungsbegehrlichkeiten geschützt werden. Der Schenkungsstopp wird nach seinen Worten bei „Geschichte und Gegenwart“ diskutiert, seit bekannt ist, dass Hannovers ältestes Museum Leihanfragen hochkarätiger Antikenhäuser auf Weisung der Stadt abschlägig bescheiden musste.

Dies hat Kulturdezernentin Marlis Drevermann gegenüber der HAZ vor einer Woche mit der Erklärung dementieren lassen, dass das Museum „künftig selbstverständlich weiterhin Kulturgut an Dritte verleihen“ werde. Tags darauf hatte sie dies in einer Zehn-Punkte-Stellungnahme gegenüber den Ratsfraktionen der Stadt Hannover noch bekräftigt.

Dagegen ist Kennern der Museumsszene das Ziel einer kompletten Einstellung des Leihverkehrs bekannt. Man sei „gehalten“, den „ausgehenden Leihverkehr drastisch zu reduzieren, möglichst sogar ganz einzustellen“, heißt es in einem Schreiben von Andreas Fahl, dem Sammlungsleiter von Historischem und Kestner-Museum, das der HAZ vorliegt.

Joachim Werren, Generalsekretär der Stiftung Niedersachsen, ist nicht zufrieden mit einer Zusage Drevermanns, Leihgaben der Stiftung ans Kestner-Museum im Einzelfall noch auszuleihen - „a bisserl was geht immer“, formulierte Drevermann in einem Schreiben an Werren. Eine Vorbedingung der Stiftung Niedersachsen für Leihgaben sei „die ungehinderte, ja geradezu erwünschte Teilnahme am nationalen wie internationalen Leihverkehr“, teilte Werren der Kulturdezernentin mit.

Ebenso wie Matthias Fontaine, Vorstand der Fritz-Behrens-Stiftung, hat auch Werren gegenüber Drevermann die Option erwähnt, Artefakte im Eigentum der Stiftung Niedersachsen in ein anderes Haus zu verlagern. Wenn „Exzellenz und hoher Sachverstand“ im Kestner-Museum nicht mehr gewährleistet seien, werde „die Stiftung nicht zögern, alternative Aufnahmeorte in Betracht zu ziehen“.

Museumsexperten wundern sich darüber, dass Drevermann „stark eingeschränkte personelle Kapazitäten“ als Argument für Restriktionen des Leihverkehrs ins Feld führt.

In ihrer Stellungnahme gegenüber den Ratsfraktionen erklärt sie, dass dem Leihverkehr die „fieberhaft“ betriebene Vorbereitung einer Dauerausstellung entgegenstehe. Auch „Wertfeststellungen“ sowie „andere Maßnahmen“ begrenzten die personellen Ressourcen für den Leihverkehr. Dass alle Kosten des Leihverkehrs vom Leihnehmer zu tragen sind, nötigenfalls auch das Honorar für externe Restauratoren oder Kuratoren, erwähnt die Kulturdezernentin in ihrem mehrseitigen Schreiben an die Ratsfraktionen nicht.

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