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Kultur „Das Thema ist ja für alle was“
Nachrichten Kultur „Das Thema ist ja für alle was“
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00:25 17.04.2015
Kabarettistin Ramona Schukraft hat eine demografische Trendfigur erfunden – die Altenpflegerin Sybille Bullatschek.
Kabarettistin Ramona Schukraft hat eine demografische Trendfigur erfunden – die Altenpflegerin Sybille Bullatschek. Quelle: r.
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Pflegecomedy – geht das, ohne sich lustig zu machen oder sich über Betroffene zu erheben?
Das habe ich mich am Anfang auch gefragt. Schließlich ist es ein sensibles Thema und ein schmaler Grat auf dem man als Künstler da balanciert. Aber dieser Drahtseilakt ist mir gelungen, wie mir mein Publikum immer wieder bestätigt. Ich stelle niemanden bloß, führe keinen vor und reite auch nicht auf Schwächen oder Unzulänglichkeiten der Senioren rum. Toilettenhumor und alles unter der Gürtellinie ist absolut tabu. Das entspricht überhaupt nicht dem Charakter von Sybille Bullatschek. Sie liebt ihre Senioren und ihren Beruf als Pflegekraft. Das Thema Altenpflege ist so vielfältig und steckt so voller toller Geschichten, die möchte ich erzählen. Humor muss nicht nach unten treten, auch wenn das Fernsehen uns das häufig vormacht.

Wie sind Sie überhaupt darauf gekommen? Persönliche Erfahrung oder Marktlücke?
Das Thema Altenpflege als Programminhalt war nie von mir geplant, nach dem Motto: Oh, das macht noch keiner – also ran! Sybille Bullatschek ist durch Zufall geboren worden. Ich war vor einigen Jahren zu einem TV-Casting eingeladen worden. Geplant war eine Serie, die in einem Seniorenheim spielen sollte, und man musste sich in einer Rolle bewerben und ein Videoband aufnehmen. Mich hat das als Künstlerin sehr gereizt, einfach mal eine andere Identität anzunehmen und zu improvisieren. Aus der Serie wurde leider nichts, aber als ich kurze Zeit später Sybille Bullatschek auf der Bühne zum Leben erweckte, merkte ich schnell, wie sich die Figur in die Herzen spielt. 

Sind Sie eine Art Sprachrohr des Pflegepersonals geworden? Sprechen Sie Missstände an, die Pfleger und Pflegerinnen bei der Arbeit nicht äußern dürfen, weil sie sonst Ärger bekommen?
Sagen wir so: Der Narr darf alles sagen. Ich betrachte mich nicht als Sprachrohr, aber ich bin für die Pflegekräfte eine Art Motivatorin. Ein positives Beispiel dafür, wie Pflege sein könnte, wenn mehr Zeit und Geld da wäre. Und natürlich bieten sich mir auch perfekte Möglichkeiten, auf Missstände hinzuweisen, was ich auch bewusst tue. Allerdings immer mit einer humoristischen Auflösung. Am Ende muss immer eine Pointe kommen, nicht der erhobene Zeigefinger. Ich bekomme fast täglich E-Mails von Pflegekräften, die mir sagen, wie toll sie es finden, dass sich jemand so einsetzt. 

Wer kommt in die Shows?
Es sind natürlich immer Pflegekräfte da. Mindestens ein Drittel, in manchen Fällen auch zwei Drittel. Es kommt immer auf die Region und die Location an. Aber grundsätzlich lässt sich sagen: Die Zielgruppe ist weiblich, zwischen 25 und 55 und immer extrem fröhlich. Das haben mir jetzt diverse Theater bestätigt. Mein Publikum kommt schon mit guter Laune in die Show. Aber natürlich gibt es auch viele Senioren, die vorbeischauen und Menschen mit Behinderung. Schließlich ist das Thema Pflege ja für alle was. 

Können Senioren über sich selbst lachen?
Absolut! Ich habe vor zwei Jahren in einem Seniorenheim kleine Video-Einspieler gedreht und selten so viel Spaß gehabt. Ich sage mal so, ab einem bestimmten Alter lacht man wieder. Alle, die kurz vor dem „Heimalter“ sind, tun sich vielleicht etwas schwerer, dem Ganzen einen positiven Aspekt abzugewinnen, weil sie einfach noch nicht wissen, was da auf sie zukommt. Aber Humor ist nach wie vor die beste Medizin und auch das beste Rezept um gelassen alt zu werden!

Werden Sie in ein Pflegeheim gehen, wenn Sie alt sind?
Mir hat mal ein indischer Wahrsager gesagt, „Sie sind eine fröhliche Person, eine sehr fröhliche. Sie werden sehr alt und friedlich zu Hause sterben.“

Interview: Uwe Janssen

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