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20:42 10.11.2014
Foto: „Ich bin alt“: Lloyd Cole.
„Ich bin alt“: Lloyd Cole. Quelle: Körner
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Hannover

Er hat nie zu den großen Weltverbesserern gehört. Einige seiner Titel haben es in den achtziger Jahren sogar in die Diskocharts geschafft. „Lloyd Cole and the Commotions“ hieß das soulig-poppige Projekt, das vielen der Gäste im Pavillon wohl noch gut in Erinnerung ist. Am Sonntag war Lloyd Cole in Hannover - nur er und zwei Gitarren, „One-Man-Show“ nennt der 53-Jährige diese Auftritte. „One Man“ stimmt, „Show“: Fehlanzeige.

Cole ist in seinem eigenen, überschaubaren Universum unterwegs, um in bester Singer/Songwriter-Tradition von sich, seinem Leben, seinen Träumen und seinem Scheitern zu singen. Der kleine Saal im Pavillon, sagt er, wäre ausverkauft gewesen, aber wegen des besseren Sounds habe man sich entschieden, ihn im großen auftreten zu lassen. Er ist kein Mann vieler Worte, höflich und leise bedankt er sich nach jedem der kurzen Songs, stimmt nahezu regungslos, still und manchmal enervierend lange seine Gitarre und singt das nächste kurze Stück.

Es sind kluge, recht private Geschichten, an denen er die Zuhörer in Hannover teilhaben lässt. Er verzögert Passagen, die ihm wichtig erscheinen - einer der Vorteile, wenn man sich selbst begleitet. „Wenn Sie heute Abend ein Stück hören, das Sie nicht kennen und das Ihnen besonders gefällt, ist es wahrscheinlich von ‚Standards’“, sagt er. Das bezieht sich auf sein vorerst letztes Album von 2013. Der Brite singt von Mädchen, die ein Gewehr brauchen, für die Klapperschlangen, und, ach ja, ein bisschen Liebe hätten sie wohl auch nötig. Er singt von nicht eingehaltenen Versprechen, von geplatzten Träumen, verlorener Liebe und von zerdepperten Schallplatten. Wie könnt ihr sagen, fragt er, dass mit den Kids von heute alles in Ordnung ist, während ihr Tee trinkt und Pot raucht?

Seine Rhetorik ist brillant, kurze, prägnante Sätze lassen viel Raum für eigene Interpretationen. Der 53-Jährige wirkt wie eine Mischung aus James Taylor, Donovan und Jackson Browne; er spielt vermeintlich nur drei Akkorde, aber in Wahrheit ist es ausgefeiltestes Fingerpicking, das jeden Song interessant macht. „Die Arpeggien des nächsten Liedes kann ich nicht mehr so gut spielen. Ich bin alt. Ich spiele sie kurz an, und danach denkt ihr sie euch bitte weiter“, sagt er. Manches bleibt austauschbares Folkloregeplänkel, aber dann singt er „Can’t Get Arrested“, und darin heißt es: „You can kiss my ass in Hollywood“. Plötzlich ist Soul in seiner Stimme, da scheint sein graues Hemd tiefrot und seine kurzen grauen Haare zu einer im Wind wehenden Mähne zu werden.

Ein rundes Konzert, inklusive einiger kleiner Kabinettstückchen, die zeigen, wie viel Musik in dem grauen Mann steckt.

Von Michael Krowas

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