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Kultur „Glaube nicht, dass ich das noch schaffe“
Nachrichten Kultur „Glaube nicht, dass ich das noch schaffe“
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00:15 17.01.2014
Von Martina Sulner
Foto: Der Literaturnobelpreisträger Günter Grass im November 2013 in Lübeck.
Der Literaturnobelpreisträger Günter Grass im November 2013 in Lübeck. Quelle: dpa/Archiv
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Hannover

Da gibt es zum einen das Modell Martin Walser: ein Autor, der auch im hohen Alter noch Buch um Buch schreibt. Seit seinem 80. Geburtstag im März 2007 hat er elf Titel veröffentlicht, darunter das Tagebuch „Leben und Schreiben“, immerhin 672 Seiten dick, den Roman „Muttersohn“, der es auf 512 Seiten bringt, und im vergangenen Herbst den Roman „Die Inszenierung“ (176 Seiten). Der Mann hat immer noch viel mitzuteilen - und die Kraft, es aufzuschreiben.

Günter Grass hingegen will keinen Roman mehr veröffentlichen. „Ich bin jetzt 86. Ich glaube nicht, dass ich einen Roman noch schaffen würde“, sagte der Literaturnobelpreisträger in einem Interview mit der „Passauer Neuen Presse“. Sein Gesundheitszustand lasse es nicht zu, über fünf oder sechs Jahre zu planen. Allein für die Recherche zu einem Roman brauche er mehrere Jahre.

Es ist nun nicht so, dass die literaturinteressierte Öffentlichkeit händeringend auf einen neuen Grass-Roman gewartet hätte. Dennoch berührt einen die Ankündigung: Wieder hat einer der großen alten Autoren, mit denen oftmals die eigene Lesebiografie verknüpft ist, seinen (Teil-)Abschied angekündigt.

Grass folgt damit dem Beispiel von Philip Roth. Der US-Autor, berühmt für Bücher wie „Portnoys Beschwerden“, „Der menschliche Makel“ und „Verschwörung gegen Amerika“, hat im Jahr 2010 mit „Nemesis“ wohl seinen letzten Roman veröffentlicht. Vor eineinhalb Jahren kündigte der damals 79-Jährige in einem Interview an, keine Romane mehr schreiben zu wollen. Ihm fehle die Kraft dazu, sagte Roth, der seit Langem als Kandidat für den Literaturnobelpreis gilt.

Die aktuelle Literaturnobelpreisträgerin Alice Munro will sogar gar nichts mehr veröffentlichen. Ihr Kurzgeschichtenband „Liebes Leben“, vor gut einem Monat in Deutschland erschienen, solle ihr letztes Buch bleiben, erklärte die Kanadierin. Die 82-jährige Meisterin der Kurzgeschichte fühlt sich zu schwach für weitere Buchprojekte. Selbst für die Reise zur Literaturpreisverleihung nach Stockholm im Dezember war Munro nicht mehr fit genug.

Günter Grass hingegen will nicht komplett aufhören. Im vergangenen Jahr hatte er mit zwei Veröffentlichungen für Aufregung gesorgt - mit dem Israel-kritischen Gedicht „Was gesagt werden muss“ und mit einem Gedicht über die griechische Schuldenkrise, das mit den Worten anhebt: „Dem Chaos nah, weil dem Markt nicht gerecht,/bist fern Du dem Land, das die Wiege dir lieh.“ Nun ja.

Im März bringt der Göttinger Steidl Verlag die Neuausgabe des Grass-Bandes „Fundsachen für Nichtleser“ heraus, ein Jahrbuch mit Aquarellen und Gedichten. Andere Bände sind in Planung, etwa das sogenannte Arbeitstagebuch „Sechs Jahrzehnte“ mit Skizzen, Entwürfen und Texten. Kurzen Texten.

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