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10:39 04.01.2015
Foto: Der Geschäftsführer der Ruhrtriennale, Lukas Crepaz, beziffert die Kosten des Festivals auf 14,5 Millionen Euro pro Jahr.
Der Geschäftsführer der Ruhrtriennale, Lukas Crepaz, beziffert die Kosten des Festivals auf 14,5 Millionen Euro pro Jahr. Quelle: Marcus Simaitis/dpa
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Gelsenkirchen

Kunst kostet. Und nicht zu knapp. Darf sich dann ein Land mit hoher Schuldenlast wie Nordrhein-Westfalen ein Festival wie die Ruhrtriennale leisten? Lukas Crepaz, Geschäftsführer der Triennale, beziffert die jährlichen Kosten auf 14,5 Millionen Euro. Achtzig Prozent davon seien subventioniert, rechnet Crepaz vor. Der Regionalverband Ruhr, ein Zusammenschluss von Städten im Ruhrgebiet, übernimmt Kosten, europäische Mittel vom Strukturfonds helfen, den Löwenanteil trägt das Land. Somit zahlt alles der Steuerzahler.

Also kostet alles nur? Was fließt zurück? Die Salzburger Festspiele behaupten, die Steuerzahler-Nummer sei eine Milchmädchenrechnung. Ein Gutachten weist nach, dass die weltberühmten Festspiele nicht nur ein künstlerischer, sondern auch ein ökonomischer regionaler Motor sind.

Gilt das auch für die Ruhrtriennale? Lukas Crepaz muss es wissen, er ist als Geschäftsführer das kaufmännische Gewissen der Triennale. Aber er zögert mit der Antwort. „Es geht hier um Umwegrentabilitätsanalysen. Sie sind methodisch anfechtbar.“

Kunst kostet nicht nur, sie bringt auch ein

Darüber hinaus macht er grundsätzliche Bedenken geltend. „Umwegrentabilitätsanalysen greifen zu kurz. Kunst und ihre Wirkung sind nicht ökonomisch messbar. Wenn man in Richtung ökonomischer Legitimation geht, reduziert man die Auswirkungen von Kunst. Viel wichtiger ist die Frage: Was leistet die Ruhrtriennale für die Region?“, fragt Crepaz. Was leiste das Festival für Lebensqualität, Bereitschaft zum Andersdenken und ästhetische Schulung?

Kunst kostet nicht nur, sie bringt auch ein. Crepaz verweist auf die Arbeitsplätze. „Wir haben ungefähr 40 ganzjährige Mitarbeiter, saisonal etwa 400 Beschäftigte und circa 880 Künstler, die zusätzlich kommen“, bilanziert Crepaz. Die Steuer- und Sozialleistungen dieser Mitarbeiter beziffern sich laut Ruhrtriennale auf insgesamt 1,1 Millionen Euro. „Hinzu kommt noch Umsatzsteuer für bezogene Leistungen von externen Mitarbeitern“, sagt der Geschäftsführer.

„Unsere Karten kosten zwischen 8 und 80 Euro - ganz anders als in Salzburg. Wir wollen andere Besucher ansprechen, auch aus unserer Region und damit Kunst für jedermann ermöglichen“, sagt der Kulturmanager und macht so den Unterschied zum Salzburger Festival deutlich, das mit dem Image der Schönen und Reichen lebt. Hier kostet eine Karte auch mal über 500 Euro.

Was ist Kunst wert? 

Kunst für alle - das ist ein altes Ziel der Kulturpolitik der Arbeiterbewegung. Die Ruhrtriennale liegt, wie der Name sagt, im Ruhrgebiet, die Inszenierungen werden in Industriedenkmälern inszeniert, die Geschichte des Bergbaus und der Schwerindustrie spielen eine Rolle. Das europäische Medienecho auf die Ruhrtriennale ist groß. „Wir lassen unsere Medienberichterstattung beobachten, wir haben eine fantastische Medienresonanz“, sagt Crepaz und verweist auf eine ziegelsteindicke Mappe mit gesammelten Veröffentlichungen über die Ruhrtriennale 2014.

„Unsere Agentur berechnet einen Anzeigen-Äquivalenzwert. Was würde es kosten, die Region mit Anzeigen zu promoten, wie es mit diesen Artikeln geschieht? Der Wert liegt bei 30,6 Millionen Euro. Und die Wirkung des Hörfunks ist noch nicht eingerechnet.“ Der Geschäftsführer schätzt die gesamtwirtschaftlichen Effekte - mit dem Anzeigenäquivalenzwert - auf rund 43 Millionen Euro.

Die Ruhrtriennale als profitable Investition? 

43 Millionen Euro abzüglich der rund 12 Millionen Euro Subvention. Macht unterm Strich ein Plus von 31 Millionen Euro im Jahr. Die Ruhrtriennale als profitable Investition? Crepaz warnt. „Ja, natürlich. Es lohnt sich. Aber dennoch, wir gehen in eine ganz gefährliche Richtung: Wir überlegen nur noch, wie können wir Kunst und Kultur ökonomisch legitimieren? Ich möchte hingegen den gesamtgesellschaftlichen Beitrag der Ruhrtriennale ins Zentrum stellen. Es geht um Lebensqualität, und darum, für die Region und über die Region hinaus Impulse zu setzen, ein Magnet zu sein, der Leute und Medien anlockt. Das kann man nicht messen.“

dpa

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