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Kultur Kathrin Dittmer: „Ohne Inhalt ist es nichts“
Nachrichten Kultur Kathrin Dittmer: „Ohne Inhalt ist es nichts“
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10:49 26.11.2010
Von Martina Sulner
Kathrin Dittmer, Geschaeftsfuehrerin des Literaturbueros Hannover, im Interview zum 10-jaehrigen Jubilaeum.
Kathrin Dittmer, Geschaeftsfuehrerin des Literaturbueros Hannover, im Interview zum 10-jaehrigen Jubilaeum. Quelle: Philpp von Ditfurth
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Frau Dittmer, vor 20 Jahren wurde der Trägerverein des Literaturhauses Hannover gegründet. Warum eigentlich?

Weil eine engagierte Gruppe von Leuten die Begegnung mit Literatur fördern wollte. Zehn Jahre zuvor war in Düsseldorf das erste deutsche Literaturbüro entstanden, und Ende der achtziger, Anfang der neunziger Jahre zogen weitere Städte nach. In Hannover war den Vereinsgründern einfach zu wenig los, man wollte Schwung in die Szene bringen.

Vereinsgründung – das klingt nicht gerade schwungvoll.

Der Verein hat Kräfte gebündelt; erst dadurch konnte wenig später eine Geschäftsstelle eingerichtet werden, um Lesungen zu organisieren und Begegnungen zwischen Lesern und Autoren zu ermöglichen. In den ersten Jahren haben wir das noch an verschiedenen Orten gemacht. Erst seit wir im Jahr 2000 ins Künstlerhaus gezogen sind, gibt es eine feste Adresse für die Literatur.

Einer Ihrer Vorgänger erklärte, das Literaturbüro sei für Dienstleistungen rund um die Literatur zuständig. Wie sieht die heute aus?

Den Begriff finde ich persönlich nicht so treffend. Aber wir beraten zum Beispiel Autoren, wir prüfen keine Manuskripte, geben aber Tipps bei der Suche nach Agenten oder Verlagen.

Die hannoversche Literaturszene hat sich seit 1990 gewandelt. Nahezu jede Buchhandlung veranstaltet heute Lesungen. Sind Sie nicht überflüssig?

Wir setzen Schwerpunkte, die sich kaum eine Buchhandlung leisten kann: etwa Lyriker einzuladen oder wichtige internationale Autoren, die nicht gerade in den Bestsellerlisten stehen. Außerdem machen Veranstaltungen nur einen Teil unserer Aufgaben aus. Zum Beispiel sind wir zuständig für die Internetdatenbank zur Literatur in Niedersachsen, wir betreuen gemeinsam mit der Stadt den Hannah-Arendt-Stipendiaten und präsentieren, mit den anderen Literatur­büros des Landes, am „Stand der Begegnung“ Niedersachsen erfolgreich auf der Leipziger Buchmesse.

Dennoch: Machen Sie als öffentlich geförderte Einrichtung nicht privat wirtschaftenden Buchhandlungen unnötig Konkurrenz?

Nein, es passiert so gut wie nie, dass wir dieselben Autoren einladen wollen wie Buchhandlungen. Und das finde ich bei unseren 40 bis 50 Lesungen pro Jahr beachtlich. Die hannoverschen Literaturveranstalter unterscheiden sich von ihren Profilen. Wir etwa haben unseren Lyrik-Schwerpunkt, die LiteraTour Nord und die Buchlust.

Wie viel Geld bekommen Sie, um Ihr Profil zu entwickeln?

Unser Etat lag im vergangenen Jahr bei 220 000 Euro. 60 Prozent davon kommen vom Land, zehn Prozent von der Stadt und 15 Prozent von der VGH-Stiftung, die zum Beispiel die LiteraTour Nord fördert. Den Rest werben wir zusätzlich ein oder nehmen wir über Eintrittsgeld ein.

Sie kooperieren verstärkt mit Stiftungen und anderen Partnern. Reicht Ihr Etat nicht, um allein zu arbeiten?

Das ist nicht unbedingt eine Frage des Geldes. Zum einen verstehen wir uns als Institution, die verschiedene Partner vernetzt. Zum anderen sind Kooperationen für alle Beteiligten gut: Man schmort nicht im eigenen Saft, entwickelt gemeinsam Neues. Aber: Ohne Inhalt ist es nichts – hinter Kooperationen müssen Ideen stecken.

Manchmal scheint aber all das Profil­ausbilden und Kooperieren wenig zu nutzen, und dann ist es im Literaturhaus ziemlich leer.

Wir haben 7000 Besucher im Jahr; da ­verkraften wir einen mäßig besuchten Abend schon mal. Außerdem: Daniel Kehlmann, von dem wir früh begeistert waren, hat bei uns mal vor einer Handvoll Leuten gelesen. Kurz darauf wurde seine „Vermessung der Welt“ zum Bestseller, und er tritt seitdem nur noch in großen Sälen auf. Gute Besucherzahlen sind wichtig, aber wir haben das Glück und den Auftrag, Literaten nach der Qualität ihrer Bücher einzuladen und nicht nach deren Verkaufszahlen.

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