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Kultur James Morrison im Capitol
Nachrichten Kultur James Morrison im Capitol
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08:00 19.10.2009
Von Uwe Janssen
James Morrison im Capitol.
James Morrison im Capitol. Quelle: Nancy Heusel
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Manchmal klingt er wie der junge Rod Stewart. Eine Stimme wie Schmirgelpapier, permanent an der oberen Leistungsgrenze, dazu gepflegter Soulpop – der Brite James Morrison lässt zu Beginn seines Konzerts im gut gefüllten Capitol auch die Herzen der älteren Fans ein wenig schneller schlagen. Dabei hat der Mann Vergleiche gar nicht mehr nötig. Morrison ist schon ein paar Jahre im Chartgeschäft und seit seinem Debütalbum „Undiscovered“ ein verlässlicher Gast im Formatradio.

Und offensichtlich will er diesem Anspruch von vornherein gerecht werden. Mit seiner Band spielt er Songs wie „Don’t make it real“ und „Please don’t stop the rain“ so, wie man sie von der Platte kennt. Melodieselige Wohlfühlmusik im Vierminutentakt, mal im Geiste des Sixties-Soul, mal mit folkigem Einschlag. Für Letzteres ist Morrison selbst zuständig, er schnallt die Akustikgitarre nur selten ab. Früher hat er als Straßenmusiker sein Geld verdient, und so richtig kann und will er das auch nicht verbergen. Der 25-Jährige gibt in dunklem Hemd und mit inzwischen kurzen Haaren den Normalo. Er ist kein Showtyp. Was er von sich herzeigen möchte, ist seine Musik, das aber mit vollem Einsatz. Wenn er die Gitarre mal weglegt, kniet er sich buchstäblich in seine Songs, als ob er den Ton mit dem ganzen Körper modelliert. Er huldigt zwischendurch alten Helden wie Stevie Wonder und Bill Withers, klar, da braucht es auch jede Körperfaser.

Doch so sympathisch diese ehrliche Malocher-Attitüde auch sein mag, ein bisschen vergisst Morrison sein Publikum, dem er zwar etwas vorspielt, das er aber nicht mitnimmt in seine Soulwelt. Beispiel: Bei seinem Hit „Broken Strings“, den er für sein neues Album mit Nelly Furtado im Duett gesungen hat, kommt seine Backgroundsängerin nach vorn, eine schwarze Soullady mit atemberaubender Figur und imposanter Frisur. Sie verbreitet genau die Prise Glamour, die dem ganzen Abend gut getan hätte – und wird stürmisch gefeiert.

Morrison selbst erntet den größten Applaus mit einer hinreißenden, intensiven Coverversion von Michael Jacksons „Man in the Mirror“ im Unplugged-Stil. Hat er als Straßenmusiker schon gespielt. Fanden da schon alle gut, sagt er. Bei so einem Fußgängerzonenkonzert wird man Morrison wohl erst mal nicht mehr erleben. Schade eigentlich.