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Kultur Zwei Alben von Weezer – in schwarz und blaugrün
Nachrichten Kultur Zwei Alben von Weezer – in schwarz und blaugrün
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22:46 01.03.2019
Men in Black: Das düstere Cover des „Black Album“. In der kommenden Woche werden Weezer auf dem Cover des „Teal Album“ aussehen, als kämen sie vom Yacht-Urlaub.
Men in Black: Das düstere Cover des „Black Album“. In der kommenden Woche werden Weezer auf dem Cover des „Teal Album“ aussehen, als kämen sie vom Yacht-Urlaub. Quelle: Atlantic
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Los Angeles

Als „Africa“ 1982 erschien, war es ein erklärter Lieblingsssong – erstmal. Ein bisschen smooth und Yacht-Rock-mäßig, tanzbar, sehnsuchtsvoll, mit ein wenig Kilimandscharobrise und Stammesgeklöppel – Vorbote der vier Jahre später durch Paul Simons „Graceland“-Album hoch schwappenden Ethnopop-Welle. Alle liebten „Africa“ und doch war der Song nicht stark genug, um dauerhaft zu überzeugen. Irgendwann war man genervt, weil das Radio nur noch „Africa“ kannte und die DJs einem mit dem Song auf jeder Party jeden zweiten Cocktail hinunterspülen wollten.

„Africa“ und das zugehörige Album „IV“ waren der Karrieregipfel für die amerikanische Softrockgruppe Toto, danach ging es bergab für Bobby Kimball, die Gebrüder Lukather und Konsorten, die vier Jahre zuvor mit Songs wie „I’ll Supply The Love“ und „Hold the Line“ recht eindrucksvoll gestartet waren.

Jetzt ist „Africa“ wieder da, ist das Lied wieder cool. Nicht in der Version von Toto, nein, in der von – damit hatte niemand gerechnet – Weezer. Die poppigen Alternativerocker um Rivers Cuomo coverten den Klassiker von Toto auf Wunsch von Fans hin. Digital erschien der Song bereits am 24. Januar – mitsamt der unhaptischen Streamingvariante des offiziell schlicht „Weezer“ genannten „Teal (blaugrünen) Albums“.

Auf CD und Vinyl kommt die Scheibe am 8. März heraus. Enthalten sind außer dem Toto-Klassiker auch Songs von Tears For Fears („Everybody Wants to Rule The World“), Eurythmics („Sweet Dreams“), A-ha („Take On Me“), Black Sabbath („Paranoid“), Michael Jackson („Billie Jean“) und Electric Light Orchestra („Mr. Blue Skxy”). Ein Schnellschuss, Weezer wollten eigentlich ein ganz anderes Album veröffentlichen, dann aber arbeiteten sie sich mal auf die Schnelle rückwärts durch die Popgeschichte. Das Album schließt mit Ben E. Kings Soulballade„Stand By Me“ aus dem Jahr 1961. Dass diese Versionen auch von einer Hochzeitskapelle stammen könnten, nölte der amerikanische Musikjournalist Tim Sommer, und resümierte böse: „Es gibt keinen Gund, das ,Teal Album‘ zu hören.“

Es gibt aber auch keinen Grund, es nicht zu tun. Wer nun aber mehr auf Weezers eigenes Musikschaffen steht, der bekommt schon zuvor neue Songs, wird mit dem „Black Album“ bedient, das offiziell ebenfalls „Weezer“ heißt und eigentlich das Werk war, mit dem sich Weezer vor ihren Coverversionen-Sessions beschäftigt hatten. Und das bereits am heutigen Freitag (1. März) erschienen ist. Was die emsige Band mit der verzögerten Doppelalbum-Veröffentlichung bewirken wollte, ist noch unklar. Auch das kleine Schwarze kann man in 30-Sekunden-Schritten durchzappen und befinden, dass die Kalifornier sich mit der Single „Can’t Knock The Hustle“ übertrieben an die Charts rangeschmissen haben.

Spätestens mit der melancholischen Pianoballade „High as a Kite“ ist man wieder versöhnt und der Ansicht, dass Weezer Wizards sind, Magier, die halt nicht mit jedem ihrer Fidibusse Wunder wirken, aber wenn ihnen ein Song gelingt, dann ist es, als hätten Gandalf und Merlin zusammen ein Feuerwerk aus dem Hut gezaubert.

Wer Weezer überhaupt sind, wollen Sie wissen? Das waren die, die mit ihrem „oh-ee-ooh I look just like Buddy Holly“ den Herbst 1994 noch ein bisschen nach Sommer klingen ließen. Haben wir alle auf allen Partys damals gesungen. In der Liste der „500 größten Songs aller Zeiten“ des Musikmagazins „Rolling Stone“ belegen Weezer damit den 499. Platz.

Von RND/big