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09:25 17.03.2014
Foto: Die Kabarettistin und Regisseurin Gerburg Jahnke.
Die Kabarettistin und Regisseurin Gerburg Jahnke. Quelle: dpa/Archiv
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Hannover

Das Publikum möge seine „Gefühle“ in Begriffe fassen, die es mit der Show verbindet, hatte Lisa Feller die Zuschauer am Sonnabend im ausverkauften Pavillon ganz am Ende gebeten. Die Antworten dienen als Regieanweisung für eine kleine improvisierte Szene als Zugabe. Ein bisschen „Schillerstraße“ im Pavillon. Gerburg Jahnke als Jahnke, Feller als Schwiegermutter, die unangemeldet vor der Tür steht. Katie Freudenschuss am Klavier gibt Anweisungen. „Bindegewebe“ zum Beispiel. Feller und Jahnke schmieren sich imaginäre Torte an die Oberschenkel. Es fasst den Abend ganz gut zusammen.

„Frau Jahnke zu dritt“ heißt das Programm. Mitgebracht hat Gerburg Jahnke – einst die eine Hälfte des Kabarettduos „Missfits“ – Katie Freudenschuss und Lisa Feller. Es wird gesungen, gekalauert, improvisiert. Zu dritt, zu zweit, allein. „Singer-Songwriterin“ Freudenschuss (Jahnke: „Das heißt: Sie singt, und zwischendurch sagt sie was.“) hätte gerne einen Mann und eine Karriere und verweist auf den einen „Welthit“, den sie bereits hatte, der vielleicht kein Welthit, aber doch ein Ohrwurm ist: das „Bratmaxe“-Lied. Dass sie alles in allem keine berühmte, dürre, schwedische Sängerin mit Manga-Augen ist, bringt sie so auf den Punkt: „Kein Mann, kein Kind, keine Karriere – das muss du auch erst mal unter einen Hut bringen.“

Den drei Frauen gelingt es, mit Geschichten von sich und ihren Männern zu Hause auf dem Sofa oder denen, die sie gerne zu Hause auf dem Sofa hätten, den Saal zum Lachen zu bringen. Tolle Stimmung. Riesengejohle.
Das Alter der aus Männersicht perfekten Frau lasse sich errechnen, erläutert Jahnke. Man nehme das Lebensalter des Mannes, dividiere es durch zwei und addiere fünf Jahre hinzu. Eine 35-Jährige für einen 60-Jährigen; ein 108-Jähriger für Frau Jahnke, schummelt Frau Jahnke. Schade, dass Jopie Heesters tot ist, sagt sie. Großer Lacher.

Das Muster ist simpel: Männer und Frauen. Frau erzählt aus ihrem Leben: Jede andere ist immer jünger, dünner, schöner und der Mann zu Hause zwar irgendwie dümmlich, aber lieb haben muss man ihn doch. Welche Frau kennt das nicht? Große Einigkeit, große Heiterkeit.
Mögen die Klischees über Männer (feiern sich für jedes Glas, das sie aus dem Geschirrspüler räumen, scheuen Vorspiel und Wickeltisch) und Frauen (hormongesteuert, konfliktscheu, belohnen sich am liebsten mit einer Shoppingtour mit seiner (!) goldenen Kreditkarte) noch so abgenudelt sein, die Lacher sind sicher.

Die Geschichten der drei Frauen über Frau und Mann sind so banal, so harmlos, dass jede darin ihr eigenes Leben in all seiner Kalorien zählenden und doch Kuchen essenden Alltäglichkeit wiedererkennt. Ein Abend als Hymne auf die Geschlechterdifferenz. Männer und Frauen sind eben unterschiedlich. Wenn wir es schon nicht ändern können, amüsieren wir uns halt darüber. Das zieht auch 2014 noch. Anders gesagt: „Männer sind peinlich, Frauen manchmal auch!“ Eine Erkenntnis, die immer stimmt und niemandem wehtut. Sie stammt von Mario Barth.

Von Wiebke Ramm

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