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Kultur Friedenspreis für Fotograf Sebastião Salgado: Das Licht ist seine Sprache
Nachrichten Kultur Friedenspreis für Fotograf Sebastião Salgado: Das Licht ist seine Sprache
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15:04 20.10.2019
Gerührt: Sebastiao Salgado mit seiner Frau Lelia Wanick Salgado. Quelle: Andreas Arnold/dpa
Frankfurt

Der Fotograf Sebastião Salgado hat Bilder gesehen, die an Grausamkeit und Traurigkeit kaum auszuhalten sein müssen. Als der brasilianische Fotograf am Sonntag in seiner Dankesrede für den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels an seine Zeit während des Bürgerkriegs in Ruanda erinnert, bricht ihm die Stimme, er wischt sich Tränen aus den Augen. Aus dem afrikanischen Land, das in den Neunzigerjahren durch den mörderischen Konflikt zwischen Hutu und Tutsi geprägt war, war Salgado als gebrochener Mensch heimgekehrt. Nur die Liebe seiner Frau Lélia, so sagte er in seinen Dankensworten, habe ihm das Leben gerettet. Er sei heimgesucht gewesen „vom Blut und vom Tod, denen ich begegnet war“. Diese Rede wird sicherlich als eine der emotionalsten in der Geschichte dieses bedeutenden Preises in Erinnerung bleiben.

Mit Sebastião Salgado hat der Börsenverein des Deutschen Buchhandels erstmals seit Stiftung des mit 25000 Euro dotierten Friedenspreises im Jahr 1950 einen Fotografen ausgezeichnet. Salgado schilderte in seiner Rede vor rund 700 geladenen Gäste in der Frankfurter Paulskirche verschiedene Stationen seines Lebens. Der 75-Jährige erzählte von seiner eigenen Exilzeit in Paris, von seinen ersten Gehversuchen als Fotograf und vor allem von seinen Fotodokumentationen aus der ganzen Welt, in denen er über Vertreibung, über die gnadenlose Ausbeutung von Arbeitern und die unmenschlichen Bedingungen in brasilianischen Goldmienen, über Plünderungen und Flucht, über Umweltzerstörung und die Abholzung des Regenwaldes berichtete. Seine Sprache sei das Licht, sagte Salgado. „Denn es ist auch und vor allem die Mission, Licht auf Ungerechtigkeit zu werfen, die meine Arbeit als Sozialfotograf bestimmt.“ Die Gefahr, dass dieses Licht auch einen Schatten auf seine Seele wirft, hat Salgado bewusst in Kauf genommen.

„Mit ihnen möchte ich diesen Preis heute teilen"

In seiner Rede erinnerte Salgado immer wieder an die einzelnen Menschen, die ihm im Laufe seines bewegenden Lebens begegnet sind, und sagte über sie: „Mit ihnen möchte ich diesen Preis heute teilen. Ich nehme ihn nicht für mich an. Ich nehme ihn für sie an. Ich nehme ihn mit ihnen an.“

Die Laudatio auf den Preisträger hielt der Filmregisseur Wim Wenders. Dieser hatte mit „Das Salz der Erde“ vor fünf Jahren einen Dokumentarfilm über Salgado gedreht. Wenders würdigte die Fähigkeit seines Freundes zur Empathie und vor allem dessen Hauptwerke, die Bildbände „Arbeiter“, „Exodus“ und „Genesis“. „Mit diesen drei monumentalen monolithischen Arbeiten allein hat uns dieser Mann die Bedingungen von Frieden vor Augen geführt: Es kann keinen Frieden ohne soziale Gerechtigkeit und ohne Arbeit geben. Es kann keinen Frieden ohne Anerkennung der Menschenwürde geben und ohne die Beendigung der unnötigen Zustände von Armut und Hunger. Und es kann keinen Frieden geben, ohne dass wir die Schönheit und Heiligkeit unserer Erde achten.“

„Die Zukunft der Menschheit liegt in unseren eigenen Händen"

Der Schönheit und Vielfalt der Erde hat sich Salgado nach seinen grausamen Erlebnissen in Ruanda zugewandt. Er habe ein starkes Bedürfnis gehabt, „mit Menschen zusammen zu sein, die ein Leben in Reinheit genossen“, betonte er. In seiner jüngsten Arbeit „Genesis“ fotografierte Salgado Menschen und Orte, die noch nie zuvor von einer Kamera abgelichtet wurden. So zeigt der Brasilianer der Menschheit unberührte und unzerstörte Natur, die es immer noch auf dieser Erde gibt. Und hat sich an dieser Schönheit der Erde und mit der Kamera in der Hand selbst therapiert.

Sebastião Salgado hat aber nicht nur mit seinen Fotografien den Blick auf diese Welt geschärft und verändert. Er hat auch mit seinem „Instituto Terra“, das er gemeinsam mit seiner Frau Lélia gegründet hat, die Biodiversität und Ökosysteme im brasilianischen Regenwald wiederbelebt. Dort wurden auf Initiative des „Instituto“ bislang rund 2,7 Millionen Bäume gepflanzt. „Die Zukunft der Menschheit liegt in unseren eigenen Händen. Um eine andere Zukunft zu errichten, müssen wir die Gegenwart verstehen“, sagte Salgado mahnend. Seine Bilder zeigen diese Gegenwart. „Und so schmerzhaft der Anblick ist, wir dürfen den Blick nicht abwenden.“

Von Kristian Teetz/RND

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