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Kultur Frank Bornemann über 50 Jahre Eloy: „Der Weg in die Radiosender war mühsam“
Nachrichten Kultur Frank Bornemann über 50 Jahre Eloy: „Der Weg in die Radiosender war mühsam“
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15:00 23.04.2019
50 Jahre Eloy: Frank Bornemann gründete die berühmte Progressivrockband 1969 in Hannover. Zwischenzeitlich produzierte der Musiker und Komponist in seinen Horus-Studios die Guano Apes. Derzeit arbeitet er an einem Kolossalwerk über Jeanne D’Arc. Quelle: Frank Wilde
Hannover

Das genaue Gründungsdatum von Eloy weiß Frank Bornemann im Interview nicht mehr „aber es ist tatsächlich 50 Jahre her“. 1969 war das Jahr, in dem der deutsche (Progressiv-)Rock explodierte, sich die deutsche Popmusik von der Nachahmung amerikanischer und britischer Muster wegentwickelte. Experimentierfreudigkeit war der Antrieb, relative Eigenständigkeit, Exzentrik und dann endlich auch Erfolg waren die Resultate: Guru Guru, Amon Düül II, Can (schon 1968 gegründet) und Embryo hießen die Bands des Aufbruchs, „Krautrock“ hieß despektierlich die gemeinsame Schublade stilistisch völlig unterschiedlicher Bands – heute ist der Begriff ein Ehrenabzeichen. Zum Jubiläum „50 Jahre Eloy“ veröffentlicht die Plattenfirma Universal jetzt die drei erfolgreichsten Eloy-Alben „Dawn“ (1976), „Ocean“ (1977) und „Silent Cries And Mighty Echoes“ (1979) in einer Box namens „The Classic Years Trilogy“. Die drei Werke wurden von Joachim Heinz Ehrig alias Eroc, dem einstigen Mastermind der Hagener Krautrockband Grobschnitt remastered. „Er gilt als Spezialist und Meister dafür, frühere analoge Aufnahmen so originalgetreu und klanglich wieder auferstehen zu lassen, dass man beim Hörerlebnis keinen Unterschied zu den warmen analogen Originalen von früher spürt“, freut sich Bornemann, der am 27. April 74 Jahre alt wird.

Herr Bornemann, wenn man „Eloy“ heute googelt, kommt einem als erstes der niederländische Popsänger Eloy de Jong entgegen. Unerhört, oder?

Der Junge heißt ja nun einmal so mit Vornamen. Er darf aber als Künstler nur unter Eloy de Jong auftreten. Das konnte erfreulicherweise ohne gerichtliche Inanspruchnahme einvernehmlich geregelt werden. Die Rechtslage ist da eindeutig. Der Künstlername „Eloy“ gehört mir, und ohne Zusatz darf ihn nur die Band benutzen. Wer uns im Internet sucht, wird uns finden, und zwar dann noch, wenn der Schlagersänger wahrscheinlich längst keine Rolle mehr spielt.

Warum kommt zum „50 Jahre Eloy“-Jubiläum nicht zunächst mal das erste Album der Band neu heraus?

Das erste Album hat Universal schon vor Monaten an ein holländisches Label für einen Vinyl-Release sublizensiert. Es wurde aber nicht als „Jubiläumsalbum“ deklariert. Ich habe auch nie ein Belegexemplar erhalten. Das 1971 von Philips veröffentlichte Debüt hatte damals keinen großen Erfolg, und auch kaum Ähnlichkeit mit der Musik, die wir dann in veränderter Besetzung mit „Inside“ von 1973 auf dem EMI-Label Harvest präsentierten. Das Debütalbum hat wohl bislang nur Eloy-Fans interessiert, die einfach a l l e s von der Band haben möchten.

Wie erinnern Sie die Anfänge 1969?

Die gesamte Rockmusikszene war damals weltweit in einem kreativen Rausch und in Aufbruchstimmung. Insbesondere von der britischen Insel kamen ständig spannende Sachen von sensationellen Bands auf den Markt: Pink Floyd, Genesis, Jethro Tull, Led Zeppelin, The Who und viele mehr, die sich alle gegenseitig inspirierten und künstlerisch befruchteten. Wir wollten damals eine Synthese aus wuchtigen, pulsierenden Rhythmen, und atmosphärischen, sensiblen Soundkreationen in dynamischen Arrangements kreieren. Wir spielten jeden Gig, den wir bekommen konnten, bauten uns auf diese Weise zunehmend eine Fangemeinde auf, und steigerten unseren Erfolg von Album zu Album, bis wir in den oberen Regionen der Charts angekommen waren.

Wie haben Sie den angeblich von dem britischen Radiomann John Peel 1968 eingeführten Markennamen „Krautrock“ empfunden?

Zu der Zeit, als der Begriff in den Umlauf kam, empfand ich ihn ziemlich abfällig, ja fast beleidigend. Inzwischen weiß ich auch, dass er längst nicht so gemeint war, wie die Musiker in Deutschland ihn wohl fast alle damals verstanden und aufgenommen haben.

War „Krautrock“ auch „Crowd“-Rock, also Musik für die Massen? Wie verhielten sich die Radiosender?

Als deutsche Band standest Du zu der Zeit stets in der zweiten Reihe. Die Rockmusikszene wurde von angloamerikanischen Bands beherrscht. Schon seit den Beatles kamen die meisten Trends damals aus England, und auch in den deutschen Charts befanden sich – neben Schlagermusik – nur internationale Künstler und Bands, die natürlich auch im Radio gespielt wurden. Der Weg in die Radiosender war wahrlich mühsam, und es dauerte noch einige Jahre, ehe sich die Medien für deutsche Rockmusiker öffneten.

Warum erscheint zu „50 Jahren Eloy“ ausgerechnet eine Box mit „Dawn“, „Ocean“ und „Silent Cries And Mighty Echoes“, den Eloy-Alben aus der zweiten Hälfte der Siebigerjahre?

Diese drei Alben in der Besetzung mit mir, Detlev Schmidtchen an den Keyboards, Hans-Peter Matziol am Bass und Jürgen Rosenthal am Schlagzeug waren die bestverkauften Alben der Band gewesen. Auch wenn die Unterschiede zu manch späteren Werken nicht so enorm groß sind, war diese Ära dennoch diejenige, die uns den Durchbruch, vor allem in Deutschland gebracht hat. Letztlich verstehe ich diese Box des Rechteinhabers Universal als Hommage auf eine der erfolgreichsten englischsprachigen Bands, von der EMI immerhin 12 Alben veröffentlicht hatte und die insgesamt siebenstellig verkaufen konnte. Es zeugt von Respekt und Wertschätzung.

Es gab damals immer wieder Vergleiche der Kritiker mit Pink Floyd. Waren Eloy tatsächlich von den Briten inspiriert?

Das wir, wie viele andere Bands auch, in gewisser Weise von Pink Floyd inspiriert wurden, zumindest was die atmosphärischen Momente betrifft, ist in der Tat nicht von der Hand zu weisen. Insgesamt ist unser Musikstil aber doch sehr unterschiedlich. Während Pink Floyd stets in ruhigen Gewässern agieren, kommen wir doch vergleichsweise rockig und rhythmisch viel dynamischer rüber. Auch unsere Arrangements sind viel komplexer und strukturell anders angelegt.

Viele der Eloy-Texte von Jürgen Rosenthal sind düster, und dabei durchaus kompatibel mit unserer Gegenwart – als Warnung vor Populismus, Nationalimus, Warheitsverdrehung und neuer Aufrüstung.

Das kann ich unterschreiben. Jürgen ist ein sehr tiefgründiger Typ mit einer intensiven Wahrnehmung, was die Entwicklung unserer Gesellschaft in jener Zeit betraf, obwohl ich damals das Düstere in manchen Texten etwas zu widersprüchlich zu unserer Musik empfand. Mein Textstil unterscheidet sich erheblich von den esoterischen und apokalyptischen Szenarien von Jürgen. Nicht zuletzt führte das auch zu manchen Konflikten in der Band, obwohl das sicher nicht der einzige Grund war, weshalb wir uns nach drei Platten trennten.

Wie war das überhaupt, den Bereich Lyrics an Jürgen Rosenthal abzugeben? Und gab es für Sie nicht das Veto des Bandgründers?

Ich hatte damals fürwahr genug damit zu tun, die vor „Dawn“ auseinandergebrochene Band wieder flott zu machen, und war ja auch für die anstehende Produktion verantwortlich. Für den Vorgänger „Power & the Passion“ hatte ich, wie bei allen späteren Alben, für die Texte einen „native speaker“ mit entsprechender Erfahrung an meiner Seite gehabt, der mir bei „Dawn“ nicht zur Verfügung stand. So kam mir Jürgen mit seiner Ambition sehr gelegen, zumal wir damals in inhaltlichen Dingen noch auf einer Linie waren. Später, insbesondere nach „Ocean“ wurde das dann etwas problematischer, zumal das von ihm getextete Album ja auch sehr erfolgreich war. Bei „Silent Cries & Mighty Echoes“ rauften wir uns noch phasenweise zusammen, doch waren die Gemeinsamkeiten einfach aufgebraucht. Zudem liegt es mir nicht, meine Musikerkollegen einzugrenzen, oder gar zu etwas zu zwingen, von dem sie nicht selbst auch überzeugt waren. Ich möchte meine Mitmusiker lieber begeistern und mitnehmen, wenn es um kreative Dinge geht. Nur so kann eine Band große Dinge vollbringen, auch wenn es in jeder Gruppe wohl immer einen gibt, der initiativ wirkt und die anderen mitnimmt.

Sie sagen, Sie gehen die Probleme der Zeit in Texten anders an. Wie?

Indem ich nicht nur anprangere und düstere Prophezeiungen verkünde, oder meine Gedanken in esoterisch gefärbte Aussagen verpacke, sondern positive Denkanstöße aussende. Selbst bei melancholisch oder emotional geprägten Inhalten, mahnenden Aussagen zum Zeitgeist und Zeitgeschehen, versuche ich immer noch, mein positives Denken in den Vordergrund zu stellen. Trotz dieser völligen Andersartigkeit respektiere ich aber die Leistung von Jürgen. Unser Weltbild ist gar nicht so verschieden, und wir verstehen uns auch inzwischen längst wieder gut und können ohne Probleme locker kommunizieren.

Wird es „Dawn/Ocean/Silent Cries“-Jubiläumskonzerte geben?

Das wird angesichts der Arbeit für mein Opus Magnum zum Thema Jeanne d´Arc wohl kaum möglich sein.

Wie weit ist der zweite Teil des Albumprojekts „The Vision. The Sword and The Pyre“ denn gediehen?

Ich bin zuversichtlich, die englischsprachige Version mit Eloy Mitte Mai fertig zu bekommen. Jetzt folgt noch die Musicalversion in französischer Sprache für eine Live-Auführung – eine große Herausforderung.

Kommt die Jubiläumsbox dem neuen Eloy-Album nicht in die Quere?

Nicht wirklich. Das Jeanne d´Arc-Werk steht und spricht für sich. Die Wahrnehmung und Response dafür ist weltweit enorm. Der Veröffentlichungszeitpunkt ist eher unerheblich.

Seit 1998 planen Sie dieses Werk über Jeanne D’Arc? Was bewegt Sie so an der mittelalterlichen französischen Nationalheldin?

1990 stand ich in der Kathedrale Notre Dame in Paris plötzlich und unerwartet vor ihrer steinernen Skulptur, die sie mit Banner, Schwert und Rüstung darstellt. Es war wie ein Blitzeinschlag, eine Begegnung der besonderen Art, die mich nicht mehr losließ. Je mehr ich mich mit ihr und ihrem besonderem Lebensweg befasste, je mehr fühlte ich mich von ihr angezogen. Es gibt kaum kompetente Literatur inklusive der Prozessakten, die ich nicht ausgiebig studiert hätte Ich bin der „Association des amies de centre Jeanne d´Arc“ in Orléans beigetreten, habe mich mit bedeutenden Historikern getroffen und mit ihnen diskutiert. Jeanne d´Arc begegnete mir als ein ganz besonderes Wesen ihrer Zeit, eine junge Frau im Wechselbad von Nächstenliebe und der couragierten Handlungsbereitschaft, das Leiden ihrer Mitmenschen zu beenden: tugendhaft, wahrhaftig, und geprägt von tiefer Spiritualität und hoher Wahrhaftigkeit.

Werden Eloy auf „The Vision“-Tour gehen?

Wenn man das Werk hört, dann versteht man, wie unrealistisch das wäre: Große Chöre, orchestrale Arrangements, dazu Dialoge und Szenen ohne Musik. Dafür bräuchte man ein monströses Ensemble und immens viel Geld für eine entsprechende Umsetzung, das geht nur auf großer Bühne mit riesiger Ausstattung. Was mit „The Vision, The Sword & The Pyre“ noch kommt, vermag ich nicht im Voraus zu sehen. Ich bin selbst gespannt. Ein Buch folgt ja auch noch. Es ist das ambitionierteste Werk meiner Karriere als Autor, Produzent und Musiker.

1975 haben Eloy auf „The Power and The Passion“ von den „Bells of Notre-Dame“ gesungen. Wie haben Sie sich gefühlt, als Sie jüngst die Bilder der brennenden Kathedrale sahen?

Ich war tief erschüttert. Mein Herz hat geblutet.

Eloy: „The Classic Years Trilogy – Dawn, Ocean, Silent Cries And Mighty Echoes“ (ab 26. April bei Universal/Vertigo als Vinyl und CompactDisc in einer Box)

Von Matthias Halbig/RND

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