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Kultur Edgar Reitz gewinnt den Deutschen Filmpreis
Nachrichten Kultur Edgar Reitz gewinnt den Deutschen Filmpreis
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23:04 09.05.2014
Foto: Regisseur Edgar Reitz freut sich bei der Verleihung des 64. Deutschen Filmpreises "Lola" über die Auszeichnung in der Kategorie "Beste Regie". Das Drama wurde auch als bester deutscher Spielfilm mit der Goldenen Lola ausgezeichnet.
Regisseur Edgar Reitz freut sich bei der Verleihung des 64. Deutschen Filmpreises "Lola" über die Auszeichnung in der Kategorie "Beste Regie". Das Drama wurde auch als bester deutscher Spielfilm mit der Goldenen Lola ausgezeichnet. Quelle: dpa
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Berlin

Die Pennäler-Komödie „Fack ju Göhte“ (sieben Millionen Zuschauer!) hatte vorab hoch in der Gunst der 1500 Mitglieder der Deutschen Filmakademie gestanden.

Allerdings: So ein Filmpreis ist nicht wirklich ein deutscher Oscar – auch wenn die Akademie seit nunmehr zehn Jahren an diesem Ziel arbeitet. Tatsächlich sind die Lolas mit knapp drei Millionen Euro Staatsgeld dotiert und ein Instrument der Kulturförderung.

Da haben womöglich weniger trendige Filme Unterstützung verdient. So kam es im Berliner Tempodrom denn auch: Altmeister Edgar Reitz wurde für sein vierstündiges Epos „Die andere Heimat – Chronik einer Sehnsucht“ sowohl mit der Lola in Gold als auch mit dem Regie- und mit dem Drehbuchpreis geehrt.

Mit diesem Film hat Reitz seine persönliche Form der Geschichtsschreibung in die Vergangenheit ausgedehnt, nachdem er zuvor schon das 20. Jahrhundert mit seiner Hunsrück-Saga durchdrungen hatte: Um 1840 war Deutschland aber kein Einwanderungs-, sondern ein Auswanderungsland. Jedes Kopftuch, jede Kartoffelpresse, jedes Pferdegeschirr und erst recht die schnaufende Dampfmaschine vor der Schmiede in seinen kunstvollen Schwarzweiß-Film scheinen ein Echtheitszertifikat beanspruchen zu können. Der Preisregen für den 81-Jährigen ist der krönende Abschluss seiner epochalen Geschichtsstunde.

Dabei sah es lange so aus, als würde ein anderer Heimatfilm unbeirrbar der Siegerstraße folgen: das Rachedrama „Das finstere Tal“, angesiedelt in den Alpen, wo sich Ende des 19. Jahrhunderts schweigsame Männern bekriegen. Insgesamt räumte Andreas Prochaskas Alpen-Western acht Lolas ab (darunter die für Nebendarsteller Tobias Moretti und Kameramann Thomas W. Kiennast). Am Ende aber musste er sich mit der silbernen Lola begnügen.

Sowieso zeigten die Akademiemitglieder einen Hang zum Geschichtlichen: Die Lola in Bronze ging an den Stasi-Thriller „Zwei Leben“ (Regie: Georg Maas). Hauptdarstellerin Jördis Triebel bekam eine Statuette für die deutsch-deutsche Geschichte „Westen“. Bei den Männern machte es ihr ein Schauspieler gleich, der historisches Kino- und Fernsehformat besitzt: Der 79-jährige Dieter Hallervorden gewann als störrischer Marathonläufer in „Sein letztes Rennen“.

Der bewegendste Moment des Abends aber war die Vergabe des Ehren-Preises an Helmut Dietl: Ein körperlich sichtlich angegriffener Regisseur („Schtonk“) nahm den Preis aus den Händen von Michael „Bully“ Herbig entgegen. Alle hatten sich von den Sitzen erhoben, Akademie-Präsidentin Iris Berben standen Tränen in den Augen. Dietl leidet an Lungenkrebs, aber den Witz hat sich der 69-Jährige nicht nehmen lassen. Frei nach einem anderen Münchener Humorkundigen, Karl Valentin, bemerkte er: Wenn er sich nicht über den Preis freue, bekomme er ihn ja auch. Dietl bedankte sich bei seiner Frau, die ihn die vergangenen Monate aufopferungsvoll gepflegt habe – und ging als einer, der „Meisterwerke“ (Herbig) geschaffen hat, von der Bühne ab.

Von Claudia Palma und Stefan Stosch

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