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00:20 19.06.2015
Von Martina Sulner
Film und Feminismus: Corinna Rückert (l.) und Laura Méritt.
Film und Feminismus: Corinna Rückert (l.) und Laura Méritt. Quelle: Marta Krajinović
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Hannover

Es wird viel gelacht an diesem Abend. Ab und an etwas verschämt, meist aber ausgelassen. Dass Laura Méritt so heiter wirkt, hat wohl weniger damit zu tun, dass sie sogenannte Lachforscherin ist; die Kommunikationswissenschaftlerin hat ihre Promotion über das „Lachen der Frauen“ geschrieben. Nein, an diesem Abend im Literarischen Salon in Hannover, ist Méritt besonders fröhlich, wenn sie absurde Filmszenen kommentiert. Die Berlinerin gehört der „PorYes-Bewegung“ an. Deren Initatorinnen treten für eine Pornografie ein, an der auch Frauen ihren Spaß haben. An der nicht nur „Männerfantasien in Bild und Worte umgesetzt werden“, so Kulturwissenschaftlerin Corinna Rückert.

Wie die gängigen Männerfantasien - zumindest nach Meinung der beiden Gäste - aussehen, kann man im Salon an einem Beispiel erkennen. Erlaubt sind an diesem Abend nur Besucher von 18 Jahren an, und das Publikum, darunter auch viele Männer, sieht einen kurzen Film. Es ist, sagen wir mal, das Übliche: blonde Frau, extrem passiv und zwei virile Typen mit geölten Körpern. Zu sehen ist auch die „PorYes“-Variante dieses Dreiertreffens. In dieser Version sind die Männer durchaus auch mal zärtlich, man sieht die Lust der Frau, und die Kamera ist nicht nur auf die Genitalien gerichtet. Zwar wirken diese Szene wie überzeichnete Lehrbeispiele für „guter Porno/schlechter Porno“, doch begreift man, worum es der Initiative geht.

Seit einigen Jahren gibt es den „PorYes“-Award, eine feministische Auszeichnung für Filme, die nicht den Mainstream bedienen. Für den Award, sagt Laura Méritt, müssten Filme klare Kriterien erfüllen: Sie zeigen auch die Lust der Frauen, und, vor allem, bilden sie Vielfalt ab. Es geht um unterschiedlichsten Sex zwischen Erwachsenen jeden Alters, verschiedener Ethnien und mit verschiedenen Körpertypen. Außerdem kommen nur fair produzierte Filme in die Auswahl. In der gängigen Porno-Industrie, so Kulturwissenschaftlerin Rückert, werde die Grenze zwischen Inszenierung und tatsächlicher Gewalt oft überschritten. Sprich: Nicht alle Darstellerinnen, zumal die ganz jungen, machen freiwillig, geschweige denn gut bezahlt bei den Dreharbeiten mit.

Im Gespräch mit Salon-Mitarbeiterin Janna Remmers sprechen die Gäste über die Entwicklung feministischer Pornografie seit den Sechziger- und Siebzigerjahren, über Produktions- und Vertriebswege und die irrwitzige Quantität von Pornografie im Internet. „PorYes“ ist laut Laura Méritt auch ein Versuch, nicht der Mainstream-Pornoindustrie die Deutungshoheit über sexuelle Fantasien zu überlassen. Um Blümchensex gehe es „PorYes“ dabei nicht: Unter Erwachsenen sei alles erlaubt, solange Konsens darüber herrsche.

Am 22. Juni um 20 Uhr liest Autorin Marlene Streeruwitz im Salon aus „Nachkommen“.

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