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Kultur Der polnische Komponist Henryk Mikolaj Górecki ist tot
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15:47 12.11.2010
Von Rainer Wagner
Henryk Mikolaj Górecki erhielt 1997 den Kulturpreis Schlesien des Landes Niedersachsen.
Henryk Mikolaj Górecki erhielt 1997 den Kulturpreis Schlesien des Landes Niedersachsen. Quelle: afp
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Er war ein Neuerer, der das Alte nie vergaß. Der polnische Komponist Henryk Mikolaj Górecki war zu Beginn seiner Laufbahn von folkloristisch inspirierten Werken seines Landsmanns Karol Szymanowski angeregt und wurde doch bald zu einem tonangebenden – und radikalen – Avantgardisten. 1959 hatte er mit seiner in Warschau uraufgeführten 1. Sinfonie den 1. Preis der Pariser Biennale errungen. Ein Jahr später verursachte der 25-Jährige mit seinen „Scontri“ für Orchester beim 4. Warschauer Herbst 1960 einen Publikumsaufruhr. 1976 provozierte er erneut beim renommierten Warschauer Avantgarde-Festival: mit seiner 3. Sinfonie, die mit ihrer tonalen Eindringlichkeit, ihrer strukturellen Kargheit und ihrer Emotionalität alle Neutöner verschreckte.

Dabei hatte doch schon seine 2. Sinfonie („Kopernikus“) 1972 gezeigt, dass neben den Schroffheiten der Neuen Musik ein bedächtiger Ton sich breit machte. Seine 3. Sinfonie wurde mit einiger Verspätung 1992 zum Hit und eroberte die britischen und amerikanischen Pop-Charts. So zahlte sich aus, dass Górecki statt „Lieder von Freude und Rhythmus“ (die er als junger Mann vorgelegt hatte) jetzt mit seiner „Sinfonie der Klagelieder“ sorgenvolle Klänge anstimmen ließ.

Der einstige Avantgardist hatte sich als Bewahrer neu erfunden, der zurück zu den Wurzeln wollte: zu Volksliedern und zur religiösen Musik. Seine Musik ging oft tiefer, als es beim ersten Hören schien. Man musste sich nur einlassen auf die Empfindungen.

1997 erhielt Górecki den Kulturpreis Schlesien des Landes Niedersachsen. Vor allem die drei Streichqartette (für das Kronos Quartet), die Psalm-Vertonung „Beatus Vir“ und die 3. Sinfonie bleiben im Gedächtnis, die „Kleine Phantasie“, die er als Pflichtstück für den Internationalen Violinwettbewerb Hannover 1997 schrieb, eher weniger. Am Freitag ist er nach schwerer Krankheit im Alter von 76 Jahren in Kattowitz gestorben.

Stefan Stosch 12.11.2010
Stefan Stosch 11.11.2010