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Kultur Der Klimawandel, die verdrängte Katastrophe
Nachrichten Kultur Der Klimawandel, die verdrängte Katastrophe
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13:31 17.08.2018
Studenten sitzen auf einer verdorrten Wiese in Köln. Quelle: C. Hardt/imago
Hannover

Der Klimawandel ist das perfekte Verbrechen, sagt der Autor George Marshall. Jeder trägt dazu bei, aber niemand hat ein Motiv. Denn niemand kann eigentlich wollen, dass wir die Erde als menschlichen Lebensraum vernichten. Trotzdem sorgen wir alle dafür, dass genau das passiert. Warum?

An den Fakten liegt es nicht. Allen ist klar, was passiert, wenn die Kohlenstoffdioxid-Konzentration steigt. Seit Jahren warnen Experten vor den Folgen: Dürre; Überschwemmungen; Hitze; Küstenstädte, die untergehen; Menschen, die vertrieben werden; Krieg; Hungersnöte; Naturkatastrophen. Auch bei einer Erderwärmung um zwei Grad, haben Forscher des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung gerade erst verkündet, könnten die Menschen genügend Schaden angerichtet haben, um die Erde in eine neue Heißzeit kippen zu lassen.

Klimawandel, kein Thema für Romane

Trotzdem beherrscht der Klimawandel nicht jeden unserer Gedanken – nicht einmal dann, wenn wir seine Auswirkungen, wie in diesem Sommer, schon längst spüren. Er ist nicht das Erste, woran wir denken, wenn wir aufstehen, und nicht das Letzte, bevor wir ins Bett gehen. Er springt uns nicht jeden Tag von den Titelseiten der Zeitungen entgegen – und ist auch nicht das beherrschende Thema der Romane unserer Zeit.

Im Gegenteil, die Literatur ist vielmehr Komplize in einem Prozess, den der indische Schriftsteller Amitav Ghosh „die Große Verblendung“ nennt. Die gleichnamige Publikation stammt zwar bereits von Ende letzten Jahres, wirkt aber vor dem Hintergrund der aktuellen Zahlen höchst aktuell. Als verblendet, so glaubt Ghosh, werden wir in den Augen unserer Nachkommen eines Tages erscheinen, wenn sie in Literatur oder den bildenden Künsten nach Spuren und Vorzeichen für die „verwandelte Welt“ suchen – und keine finden.

Der Klimawandel ist nur für Science Fiction ein Thema

Denn der Klimawandel, stellt Ghosh fest, findet in der Belletristik so gut wie gar nicht statt. Allein die Erwähnung dieses Themas reiche schon aus, um einen Roman in die Science-Fiction zu verbannen, als sei die Erderwärmung „irgendwie geistesverwandt mit Außerirdischen oder interplanetarischen Reisen“.

Das ist angesichts der Realität des Klimawandels natürlich nicht nur dumm, sondern auch verwunderlich. Schließlich hat Literatur doch den Anspruch, Avantgarde zu sein, schreckte in der Vergangenheit nicht vor großen Themen wie dem Krieg zurück. Wie also konnte der Klimawandel zu einer Krise der Imagination werden, zu einem Thema, das der „sogenannten ernsten Erzählliteratur“ einen „merkwürdigen Widerstand“ leistet?

Imagination ist nicht die Aufgabe von Bürokraten

Ghosh findet auf diese Frage mehrere Antworten. Eine ist, dass das Wesen des Klimawandels sich genau aus den Phänomenen zusammensetze, die „vor Langem aus dem Territorium des Romans verstoßen wurden“. In den prosaischen Romanen ist die Natur etwas, das graduell, einförmig ist, keine Sprünge macht. In dieser Welt empfinde man die Wetterereignisse unserer Ära in so hohem Maße als unwahrscheinlich, „dass wir sie schlicht nicht problemlos in die vorsätzliche, prosaische Welt ernsthafter Erzählliteratur einbauen können“. Die Welt der Prosa hat keinen Platz für das Nichtmenschliche, für unvorstellbare Kräfte, die über lange Zeiträume und Orte wirken.

Das ist ein Problem. Denn wie Ghosh richtig feststellt: „Die Imagination von Möglichkeiten ist letztendlich nicht die Aufgabe von Politikern und Bürokraten.“ Der Klimawandel - und vor allem die Menschen - aber brauchen Geschichten, sie brauchen Narrative.

Warum ignorieren wir den Klimawandel?

Zu diesem Ergebnis kommt auch der Umweltschützer George Marshall, der sich in seinem Buch „Don’t Even Think About It“ die Frage stellt, warum unsere Gehirne darauf ausgerichtet sind, den Klimawandel zu ignorieren. Einer der Hauptgründe: Menschen sind vor allem darauf gepolt, auf akute Bedrohung durch externe Feinde zu reagieren. Doch der Klimawandel ist kein konkreter, externer Feind. Er passt nicht in dieses Muster.

Was also tun? Wer Änderungen bewirken wolle, müsse verstehen, dass der Klimawandel in zwei Formen bestehe: In den Fakten und in der Art und Weise, wie wir diese Fakten erzählen. „Letztere bilden die Grundlage, auf der wir das Problem akzeptieren, ablehnen oder ignorieren“, schreibt Marshall. Das Narrativ, das wir für den Klimawandel wählen, entscheidet, wie wir mit ihm umgehen. Im besten Fall besinnen wir uns dabei nicht auf Egoismen oder externe Feinde, sondern auf unsere gemeinsame Menschlichkeit.

Von Anna Schughart/RND

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