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Kultur Auf ewig große Jungs
Nachrichten Kultur Auf ewig große Jungs
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22:32 18.11.2014
Von Mathias Begalke
Aus und in Meisterhand: Andy Powell (Wishbone Ash) beim Soundcheck in der Isernhagener Blues Garage.
Aus und in Meisterhand: Andy Powell (Wishbone Ash) beim Soundcheck in der Isernhagener Blues Garage. Quelle: Aries
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Hannover

Dieter Gölsdorf, der Entwickler der Duesenberg-Gitarren, spielt in einer Doors-Coverband. Das Besondere daran: Los Dooros treten ohne den Doors-typischen Orgelspieler auf. Mit der Gruppe scheint der 62-Jährige die gleiche Strategie wie mit seinen Instrumenten im Art-Déco-Design zu verfolgen. Er verbindet die Sehnsucht nach früher mit Innovation.

Der Instrumentenbauer aus Hannover mag noch weit davon entfernt sein, Stückzahlen wie die US-Konkurrenten Fender oder Gibson zu verkaufen, die Marke wird dennoch von Gitarristen gerühmt. Sie loben dabei den offenen, transparenten Sound und die Topverarbeitung. Vor allem amerikanische Blues-, Folk- und Countryrocker lieben Duesenberg. Sogar Traditionsbewahrer Bob Dylan hat eine. Der Dokumentarfilm „Love Supreme – Sechs Saiten und ein Brett“ zeichnet die bemerkenswerte Erfolgsgeschichte nach, die in einer Hinterhofwerkstatt in der hannoverschen Südstadt begann. Die Regisseure Olaf Neumann und Steffen König, die beide in Hannover leben, wollen viel – vielleicht zu viel für 92 Minuten: „Love Supreme“ ist ein Duesenberg-Porträt und will zugleich eine Charakterstudie über Gitarristen sein. Neumann und König lassen unter anderem die Nashville-Größe Vince Gill zu Wort kommen. Während der Songwriter seine 20 Grammys zeigt, drischt er Phrasen: „Du spielst die Gitarre so, wie du mit einer Frau schlafen würdest.“ Sie, die Gitarre, sei „der beste Gefährte, den ich jemals hatte“.

Für den Blues-Hero Keb’ Mo’ ist sie die Rettung. Die drei Deutschrocker Peter Maffay, Marius Müller Westernhagen und Wolfgang Niedecken sowie ihre Leadgitarristen Carl Carlton, Brad Rice und Helmut Krumminga pflegen in klischeereichen Worten den Mythos E-Gitarre. „Es ist fast schon ein erotisches Verhältnis. Du nimmst ja eine Gitarre nicht einfach in die Hand, du greifst nach ihr“, sagt Maffay. Und Krumminga fragt sich: „Mal angenommen, ab morgen gäbe es nur noch Männer auf diesem Planeten, würde ich dann noch weiter Musik machen?“ Wegen solcher Sätze entsteht der Eindruck: Gitarristen bleiben auf ewig große Jungs.

Zwischendurch wird immer mal in Gölsdorfs Gitarrenfabrik am Alten Flughafen in Vahrenheide geblendet. Man sieht, wie eine Duesenberg entsteht. Schließlich stöpselt Duesenberg-Geschäftsführer Ingo Renner die rote Starplayer TV ein und streichelt sie wach. Was hatte Gitarrist Rice noch über seine Gitarre gesagt? „Sie ist vielleicht nicht besser als ein Mensch, aber besser als die meisten meiner Frauen.“

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