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Nachrichten Kultur Der Joker ist nicht die Ursache des Übels
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12:49 12.10.2019
Joaquin Phoenix als Joker. Quelle: AP

Ist dieser Clown gefährlich? Die Angst vor dem Joker geht um in den USA. Es gibt ernst zu nehmende Befürchtungen, dass der Kinopsychopath labilen Menschen als Identifikationsfigur dienen könnte. Frönt das Kino also unverhältnismäßig der Gewalt und trägt diese damit in die Wirklichkeit hinein?

Es ist nun wirklich nicht das erste Mal, dass ein mörderischer Wahnsinniger in der (amerikanischen) Kinogeschichte die Gemüter erhitzt. Da war zum Beispiel der aus dem Vietnamkrieg zurückgekehrte „Taxi Driver“ (1976), der New York mit blutiger Gewalt vom „Abschaum“ befreien wollte. Der „American Psycho“ (2000) steigerte sich in einer Welt des Markenfetischismus in wahre Tötungsorgien. Auch Filme über Serienkiller wie Hannibal Lecter haben immer wieder heftige Debatten ausgelöst.

Erhöhte Präsenz der Polizei an Kinos

Jetzt ist der „Joker“ (Kinostart: 10. Oktober) in den Fokus der Kritik geraten. Der grinsende Comicclown ließ wohl schon mehr als 40-mal in Film und Fernsehen sein irres Lachen ertönen.

Neu ist aber, wie beunruhigend nah Joaquin Phoenix den Joker an die Wirklichkeit heranbringt: Er spielt einen vereinsamten Psychopathen, der in seiner Kindheit missbraucht wurde und dem das US-Gesundheitssystem jede Hilfe streicht. Phoenix ist so überzeugend in der Rolle, dass das Venedig-Festival dem Film von Regisseur Todd Phillips im September den Goldenen Löwen verlieh.

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Das Werk sorgt aber auch für Unbehagen: In den USA hat die Polizei in diesen Tagen rund um Kinos ihre Präsenz erhöht. Aus nachvollziehbarem Grund: 2012 stürmte ein junger Mann ein Kino in Colorado, in dem der Film „The Dark Knight Rises“ in einer Mitternachtsvorstellung lief. Der sogenannten Batman-Mörder erschoss zwölf Menschen und verletzte 70 weitere zum Teil schwer.

Angeblich fühlte der Täter sich mit dem von Heath Ledger gespielten Joker verbunden und hatte sich auch die Haare bunt gefärbt. So ganz klar sind die Zusammenhänge bis heute nicht. Aber egal: Was, wenn sich 2019 ein psychisch Angeschlagener mit dem Joker identifiziert und mit dem Gewehr im Anschlag in einem Kino auftaucht?

Warner soll sich für strengere Waffengesetze einsetzen

Angehörige der Opfer von 2012 haben jüngst auf diese Gefahr aufmerksam gemacht. Das Interessante aber ist: Sie haben in ihrem Brief an das Warner-Studio nicht gefordert, den Film zu verbieten. Zwischen Gewalt in Filmen und Gewalt in der Realität besteht auch für sie kein direkter Zusammenhang.

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Ziel der Angehörigen ist es vielmehr, Warner dazu zu bewegen, sich für strengere Waffengesetze einzusetzen und keine Politiker mehr zu unterstützen, die sich immer noch gegen solche Gesetze sträuben. Denn Amokläufe gibt es in den USA in blutiger Regelmäßigkeit und ganz unabhängig von gerade aktuellen Kinofilmen. Die Angehörigen wollen nicht, dass andere das durchleiden müssen, was sie seit sieben Jahren durchleiden müssen.

Filme zu verbieten hilft wenig

Dieser Ansatz stellt die Debatte vom Kopf auf die Füße: Nicht die schrille Comicfigur ist die Ursache allen Übels. Der Joker ist umgekehrt schon innerhalb der Filmhandlung das Produkt einer mitleidlosen und gewalttätigen Gesellschaft. Typen wie er dürften tatsächlich auf amerikanischen Straßen herumlaufen und sich von Gott und der Welt im Stich gelassen fühlen.

Filme zu verbieten hilft da wenig – auch wenn sie durchaus Auslöser von Gewalttaten sein können. Doch wird so die Verantwortung nur verschoben.

Helfen würde es womöglich, den freizügigen Waffenzugang einzuschränken und das miserable Krankensystem zu verbessern. Sicher vor Amokläufern wäre auch dann niemand. Doch wäre die Angst nicht ganz so groß, dass der Schrecken sich über die Leinwand hinaus ausbreitet.

Von Stefan Stosch/RND

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