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Kultur Darum ist „Bohemian Rhapsody“ der meistgestreamte Song des 20. Jahrhunderts
Nachrichten Kultur Darum ist „Bohemian Rhapsody“ der meistgestreamte Song des 20. Jahrhunderts
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17:19 11.12.2018
Mit „Bohemian Rhapsody“ hat Queen Rockgeschichte geschrieben – der Erfolg hält bis heute an.
Mit „Bohemian Rhapsody“ hat Queen Rockgeschichte geschrieben – der Erfolg hält bis heute an. Quelle: dpa
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Hannover

Eigentlich braucht Queen keine Rekorde mehr. Denn die Band hat über die Jahrzehnte einen solchen Kultstatus erlangt, dass sie über solchen profanen Dingen wie Trends, Rekorde oder Verkaufszahlen stehen kann.

Und doch. 27 Jahre nach dem Tod von Freddie Mercury, dem gerade in dem Biopic „Bohemian Rhapsody“ ein Denkmal gesetzt wurde, hat die Band einen neuen Rekord gesetzt. Denn laut der Plattenfirma Universal hat sich der Song „Bohemian Rhapsody“ als meistgestreamter Song des 20. Jahrhunderts durchgesetzt.

Das Lied vom Album „A Night at the Opera“ von 1975 wurde international mehr als 1,6 Milliarden Mal über verschiedene Plattformen gestreamt. Damit liegt er vor „Smells Like Teen Spirit“ von Nirvana und „Sweet Child O’ Mine“ von Guns N’ Roses.

Das Musikvideo zu „Bohemian Rhapsody“ wurde allein auf Youtube mehr als 750 Millionen Mal angeklickt. Der Song war der erste Top-Ten-Hit der Band in den USA, in Großbritannien stand er neun Wochen lang auf Platz 1. „Also hat sich der Fluss der Rockmusik in Streams verwandelt! Ich bin sehr glücklich, dass unsere Musik immer noch auf Spitzenniveau fließt“, meldet sich Queen-Gitarrist Brian May nach der Streaming-Adelung zu Wort.

Mehr zum Thema: „Bohemian Rhapsody“ – Mercury im Märchenland

Der Song bleibt bis heute rätselhaft

„Bohemian Rhapsody“ ist ein hochkomplexer Song – mehr Oper als klassische Rockmusik. Bei den Lyrics bleibt der Song rätselhaft – das fängt gleich beim Titel an. „Bohemian“ steht für „Bohème“, also für einen Künstler, der allen Konventionen trotzt und wahrlich freiheitlich lebt. Rhapsody kommt vom griechischen „Rhapsode“, bedeutet so viel wie zusammennähen oder zusammentragen und beschreibt ein Vokal- oder Instrumentalwerk, das sich nicht an eine bestimmte Musikform binden lässt.

Doch auch bei den Lyrics geht es wild durcheinander: So ruft der Chor mal nach Galileo, mal nach dem Belzebub oder Bismillah, eine Anrufungsform aus dem Koran. Weil sich die Zeilen einer eindeutigen Lesart entziehen, bleibt der Song noch heute rätselhaft – und die Interpretation ist damit gänzlich dem Zuhörer je nach Gefühlslage überlassen.

„Mama, just killed a man“

So viel zur Theorie: Doch „Bohemian Rhapsody“ begeistert nicht mehr als 40 Jahre nach seiner Entstehung wegen theoretischer Überlegungen, sondern wegen der praktischen Euphorie. Ein durchschnittlich unbegabter Sänger hat bei der Spannbreite des Lieds durchschnittlich keine Chance, das Lied richtig zu singen oder Töne zu treffen.

So kann der Laiensänger das restliche Gesangstalent ganz über Bord werfen und sich – ob in einer Karaokebar oder zu Hause – ganz der ekstatischen Leidenschaft mit dramatischen Sätzen wie: „Mamaaaaa, just killed a man / put the gun against his head / pulled the trigger / now he’s dead“ hingeben.

“Bohemian Rhapsody“ ist ein Kollektiverlebnis

Ekstase kann nur durch mehr Ekstase gesteigert werden – der Song ist ein Kollektiverlebnis. Am besten verschwitzt, beim Höhepunkt einer durchtanzten Nacht, Arm in Arm, getragen von einem diffusen Gefühl zwischen absolutem Verlorensein, pubertärem Gefangensein und Ausbrechenwollen. Das galt bei „Bohemian Rhapsody“ sowohl 1975 als es auch heute noch gilt. Zeitloses lebt von der Platte zum Stream.

Meisterlich zeigt dies eine Youtube-Kollektion:

Von Geraldine Oetken / RND