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Kultur “Brittany Runs a Marathon”: Der lange Lauf zu sich selbst
Nachrichten Kultur “Brittany Runs a Marathon”: Der lange Lauf zu sich selbst
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06:00 22.10.2019
Trainiert hart für den Marathon: Brittany (Jillian Bell) hat ein wichtiges Ziel vor Augen. Quelle: Verleih

Vor allem im US-Kino ist diese klischeebelastete Figur beliebt: die korpulente beste Freundin, die der Hauptfigur mit Rat, Tat und Humor zur Seite steht. In seiner mit ernsten Tönen grundierten Komödie „Brittany Runs a Marathon“ knackt Regisseur und Drehbuchautor Paul Downs Collaizo das Stereotyp auf, indem er den „Sidekick“ zur Protagonistin macht.

Brittany (Jillian Bell) lebt in New York ziellos vor sich hin. Ihr Geld verdient sie als Kartenabreißerin, nachts geht es auf die Piste. Mit ihrer Mitbewohnerin Gretchen (Alice Lee) zieht sie durch die Clubs. Brittany ist eine beliebte Partygängerin, schlagfertig und witzig. Dass sie sich mit ihrem Humor die Mitmenschen auf Distanz hält, merken die vergnügungssüchtigen Freunde nicht.

Eines Tages geht Brittany zum Arzt. Aber der Doktor denkt nicht daran, ihr ein Rezept für das amphetaminhaltige Medikament Adderall auszustellen. Er konfrontiert die Patientin mit ihrem Gesundheitszustand: 95 Kilo, erhöhter Blutdruck und eine zu schnelle Herzfrequenz seien deutliche Alarmsignale.

Der Arzt empfiehlt einen gesünderen Lebenswandel und fünfzig Pfund Gewichtsverlust. „So viel wiegt ein sibirischer Husky“, protestiert Brittany. Der Arzt zeigt sich unbeeindruckt von ihrem Humor.

Den Mitgliedsbeitrag in einem Fitnessclub kann sich Brittany nicht leisten, und so beginnt sie zu laufen. Die erste Runde um den Block ist eine Tortur, aber langsam steigert sie ihr Pensum. Ihre Nachbarin Catherine (Michaela Watkins) kann Britanny nicht ausstehen, aber diese nimmt sie mit in ihren Laufclub. Dort lernt sie Seth (Micah Stock) kennen, der beim Kindergeburtstag seines Sohnes beim Sackhüpfen zusammengebrochen ist. Gemeinsam steckt sich das Trio das Ziel, im nächsten Jahr beim New-York-Marathon mitzulaufen.

Kilo um Kilo verliert Brittany

Auf den ersten Blick ist „Brittany Runs a Marathon“ ein typisch amerikanischer Inspirationsfilm. Die Protagonisten stecken sich hohe Ziele und rücken diesen gegen alle Widerstände immer näher.

Nach ein paar Monaten stellen sich Erfolge ein. Kilo um Kilo verliert Brittany und gewinnt an Selbstvertrauen. Das Partyleben lässt sie hinter sich, findet einen neuen Freundeskreis und einen humorvollen Gelegenheitsliebhaber. Alles läuft gut, bis sie sich Wochen vor dem Marathon eine Knieverletztung zuzieht und ihr Bein mit einer Manschette ruhig gestellt wird.

Brittany verfällt in ihre alten Muster

Auf sich selbst zurückgeworfen, droht Brittany wieder in alte Muster zu verfallen und flüchtet sich in Sarkasmus. Erst jetzt beginnt sie zu spüren, dass es nicht nur um Gewichtsverlust geht und dass mangelndes Selbstwertgefühl tiefere Ursachen hat.

Innerhalb der Start-Ziel-Dramaturgie gelingt es Regisseur Collaizo, interessante Wendungen ins konventionelle Erzählkonzept hineinzuflechten. Er geht mit humorvollem Feingefühl zur Sache. Hauptdarstellerin Jillian Bell überzeugt in der Rolle der dahindriftenden Mittzwanzigerin, die ihrem Leben eine neue Richtung zu geben versucht.

„Brittany Runs a Marathon“, Regie: Paul Downs Collaizo, mit Jillian Bell, Michaela Watkins, 104 Minuten, FSK 6

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