Menü
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung| Ihre Zeitung aus Wolfsburg Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung| Ihre Zeitung aus Wolfsburg
Anmelden
Kultur „Reisen ist wie ein Schaufensterblick“
Nachrichten Kultur „Reisen ist wie ein Schaufensterblick“
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
09:32 23.01.2014
Foto: Der Comedian und Autor Bernhard Hoëcker.
Der Comedian und Autor Bernhard Hoëcker. Quelle: Handout
Anzeige

Herr Hoëcker, vor zwei Jahren bekamen Sie das Angebot, an einer ungewöhnlichen Werbekampagne für das Land Neuseeland mitzuwirken. Sie flogen hin, und Internetnutzer stimmten über Ihren Tagesablauf ab. So gab es zum Beispiel ein Bad im Schlamm-Geysir. Hätte ein normaler Reiseführer nicht gereicht?

Ich wollte tatsächlich keinen Reiseführer mit Tipps fürs richtige Hotel schreiben. Dafür kenne ich mich in Neuseeland auch gar nicht genug aus. Ich wollte einen besonderen Reisebericht schreiben mit ungewöhnlichen Reisezielen, wollte an Orte, die ich mir selbst nie ausgesucht hätte. Ich wollte nicht beschreiben, wie es ist, auf einen Hügel zu klettern, sondern improvisieren auf Urlaubsniveau.

Dafür schickten Sie Ihre Fans ins Schlammbad?

Ja.

Sind Sie bei den Aufgaben auch mal an Ihre Grenzen gestoßen?

Nein. Obwohl? In Auckland bin ich vom Fernsehturm gesprungen. Eine Art schnelles Abseilen aus 190 Metern Höhe. Da habe ich mich schon gefragt, was ich da eigentlich mache.

Mal abgesehen von Schlamm und Sprungeinlagen. Was fasziniert Sie an Neuseeland?

Es ist unfassbar schön. Das Land bietet eine faszinierende Vielfalt. Das betrifft die Menschen, die Kultur und die Landschaft. Alles ist so unfassbar anders. Man sieht Vögel und denkt sich, nun ja, es sind halt Vögel. Aber sie klingen völlig anders.

Das Buch „Am schönsten Arsch der Welt“ ist nicht das erste, das sie raus in die Natur führt. Schon vorher ging es zum Beispiel um Geocaching oder ungewöhnliche Reisen vom Allgäu in den Orient. Sind Sie ein Naturbursche?

Darauf ein langweiliges: Ja! Ich bin gern draußen. Ich liebe es, die Erde direkt mitzubekommen. Ich fahre nicht mit Touristenbussen rum oder lerne das Land vom Parkplatz aus kennen. Ich muss es fühlen.

Es heißt, reisen bildet. Was haben Sie auf Ihren Reisen gelernt?

Dass die Welt unfassbar vielfältig ist. Es ist gut, wenn man mit Vorurteilen losfährt. Denn man verliert sie. Reisen ist wie ein Blick durch ein Schaufenster. Nur darf man manchmal dabei sogar drei Meter hinein.

Sie könnten auch einfach ein Handtuch über eine Liege legen und auf den Animateur warten ...

Habe ich alles schon gemacht. Ist okay. Aber wenn ich wählen darf, dann lasse ich es. Es befriedigt mich nicht.

Kann man vielleicht erst mit Geysir-Schlamm im Ohr das deutsche Fernsehen richtig parodieren, wie Sie es mit „Switch Reloaded“ tun? Wie wichtig ist der vom Reisen geprägte Maßstab für Ihre Arbeit im deutschen Unterhaltungssegment?

Puh. Da einen direkten Zusammenhang herzustellen, hat etwas von literarischer Höchstleistung. Die Kollegen zumindest schütteln immer nur mit dem Kopf, wenn sie hören, was ich so mache. Ich habe eben das Glück, dass mein Hobby meinen Job bestimmt, von „Wetten, dass ..?“ über Wissenschaftssendungen bis zur Rateshow „Genial daneben“.

Sie könnten auch ganz raus. Sagen wir in den Dschungel und Rüdiger Nehberg beerben.

Ja ja. Als einst das „Dschungelcamp“ anlief, fragte mich meine Agentur, ob das vielleicht etwas für mich wäre. Ich könne in Australien arbeiten. Und ich schlafe wirklich gern im Wald. Aber nicht vor der Kamera.

Wäre die Welt eine andere, wenn wir uns jeden Besuch in einer Stadt als Trekking-Ausflug vorstellen würden?

Ob die Welt eine andere wäre? Das weiß ich nicht. Aber wenn ich zum Beispiel nach Köln fahre, schaue ich mir nicht nur den Dom an. Es gibt interessante Stadtteile, die interessante Reisen sein können. Und vielleicht ändert sich dadurch auch ein Wertekanon. Aber vielleicht schaut die CSU, bevor sie dafür extra nach Köln fährt, zunächst einmal in die Bibel.

Woran denken Sie, wenn Sie sich an einen Ausflug nach Hannover erinnern sollten?

An einen meiner ersten Auftritte! Ich habe damals mit einem Kumpel jongliert.

Ach was. Wo war das denn?

(lacht) In der Fußgängerzone. Wir hatten Keulen und Fackeln dabei.

Was erwartet die Zuschauer denn bei Ihrem Besuch bei der Reise-Messe?

Keine Jonglage. Ich trete dann höchstens als Wortakrobat auf.

Interview: Jan Sedelies

Bernhard Hoëcker auf der ABF

Bernhard Hoëcker ist Comedian und Autor. Bekannt wurde er durch die TV-Show „Switch“. Er war Mitglied im Rateteam der Sendung „Genial daneben“, spielte TV-Theater in der „Schillerstraße“ und moderiert mit Wigald Boning für das ZDF die Sendung „Nicht nachmachen!“. Neben den Comedy-Formaten veröffentlicht er Bücher von seinen Reisen wie „Meilenweit für ein Kamel: Eine ungewöhnliche Reise vom Allgäu in den Orient“. Am Freitag, 31. Januar, ist er um 15 Uhr mit dem Reisejournalisten Tobias Zimmermann bei der Messe ReiseZeit im sogenannten Urlaubs-Café in der Halle 17 zu Gast und stellt das gemeinsame Buch „Am schönsten Arsch der Welt“ vor. Die Lesung ist kostenlos.

Kultur Kestnergesellschaft im Jahr 2014 - Visionen des Zerfließens
Daniel Alexander Schacht 22.01.2014
Kultur Kaminer liest zur Pavillon-Wiedereröffnung - Punktlandung für Kaminer
Uwe Janssen 24.01.2014
Kultur Begegnung mit Otto Piene - Himmlische Erleuchtung
Daniel Alexander Schacht 21.01.2014