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Kultur Kunstwerke in Tausenderschritten
Nachrichten Kultur Kunstwerke in Tausenderschritten
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21:09 14.11.2014
Foto: Die erste Auktion in Schloss Herrenhausen brachte mehr als 300.000 Euro ein – und lockte Publikum aus dem gesamten Norden an.
Die erste Auktion in Schloss Herrenhausen brachte mehr als 300.000 Euro ein – und lockte Publikum aus dem gesamten Norden an. Quelle: Rainer Droese
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Hannover

Die Chefin des Auktionshauses Christie’s Deutschland, Christiane Gräfin zu Rantzau, selbst schwang den Hammer.

Am Nachmittag konnten die Kunstfreunde die Bilder besichtigen – und die Gelegenheit ließ sich der frühere VW-Chef Carl Hahn ebenso wenig entgehen wie Heike Jahr vom Verlagshaus Gruner + Jahr, Roderic von Bennigsen und Herbert Schmalstieg. Altkanzler Gerhard Schröder kam erst kurz vor der Versteigerung an.

Schon beim ersten Bild zeigt Gräfin zu Rantzau, wie die Versteigerung funktioniert. Geboten wird auf eine Zeichnung von Gerhard Richter, „Blattecke“. Der Schätzwert ist mit 1500 bis 2000 Euro angegeben. „2600 – das war’s schon?“ Im Saal herrscht noch Zurückhaltung. „Kommen Sie nochmal rein“, fordert zu Rantzau einen Mann auf, „seien Sie ein Held! 2800! 3000! Nichts ist zu viel für dieses Bild! 3200! Ah, ein neuer Bieter! 4200 für die Dame aus Hamburg! Kontert Hannover nochmal? 4600! Das ist nicht zu viel, Sie haben mein Ehrenwort! Sie sehen so mutig aus! 5000! Zum ersten, zweiten und zum dritten an die Dame aus dem hohen Norden!“ So taut man einen Saal auf.

Das Bild hätte er auch gern gehabt, sagt Roland Clark, Direktor der Herrenhäuser Gärten. „Aber wenn mir was gefällt, ist es preislich jenseits von Gut und Böse.“ Clark freut sich, dass so viele hochkarätige Gäste aus Hamburg, Berlin und dem Norden hier sind: „Die hätten sonst nie unser Schloss gesehen.“

Unterstützen soll sie aber vor allem die in finanzielle Schwierigkeiten geratene Kunsthalle Emden. Die Bilder stammen von privaten Spendern, der Erlös der Auktion kommt dem von Eske und Henri Nannen gegründeten Museum zugute. Die Kunsthalle hat derzeit ein Defizit von 500.000 Euro. Das hannoversche Schloss ist nicht zufällig als Ort für die Versteigerung ausgewählt. „Zum einen gehört eine solche Versteigerung in die Landeshauptstadt“, sagt Eske Nannen. Zudem ging ihr verstorbener Mann, der legendäre Gründer des Magazins „Stern“, in Hannover die ersten Schritte seiner journalistischen Laufbahn.

Am Podium steht „Deux Femmes Accroupies“, eine Litographie von Pablo Picasso. Walter Schulz von der Doornkaat-Stiftung aus Emden bietet bis 8600 Euro mit. Den Zuschlag bekommt ein junger Mann mit Handy, der Bieter sitzt am anderen Ende der Leitung. „Das Bild wäre mit 7000 Euro gut bezahlt gewesen“, sagt Schulz. „Wenn wir es nicht bekommen, freut mich der hohe Preis für die Kunsthalle Emden.“

Der Höhepunkt der Auktion ist „o.T.“, ein Porträt von Georg Baselitz. Geboten wird in Tausenderschritten. Eine junge Bieterin in der ersten Reihe zahlt 39.000 Euro.

Altkanzler Gerhard Schröder hat es nicht ersteigert - er geht am Ende ohne Bild nach Hause. „Ich war als Kunstfreund und Unterstützer der Kunsthalle Emden hier“, verrät er. Eske Nannen ist nach der Versteigerung angesichts 308.700 Euro Erlös „begeistert, überwältigt!“ Ebenso erging es der Auktionatorin. „Hannover ist ein super Publikum.“     

Rüdiger Meise und Katharina Derlin

Ronald Meyer-Arlt 14.11.2014
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