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Kultur Nur der Maulwurf ist Zeuge
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18:02 10.02.2014
Von Stefan Stosch
Auf der Berline wurden am Montag Beiträge von Hanns Petter Moland und Alain Resnais gezeigt.
Auf der Berline wurden am Montag Beiträge von Hanns Petter Moland und Alain Resnais gezeigt. Quelle: dpa (Symbofoto)
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Berlin

Eine Berlinale ist nichts für Spaßvögel. Hier werden Filme über vernachlässigte Kinder in Berlin („Jack“) oder verloren gegangene Soldaten im Bürgerkriegs-Belfast („'71“) bevorzugt, deren Regisseure sich am Ende durchaus Hoffnungen auf Preise machen können. Skurril wird's nur, wenn ein egomanischer Regisseur wie Lars von Trier vorbeischaut, seine T-Shirt-Brust vorzeigt, und auf der prangt der Aufdruck „Persona Non Grata“ - dazu die Palme des Festivals von Cannes, von dem er vor knapp drei Jahren verbannt wurde. Am Montag allerdings hatte die Berlinale-Leitung ausnahmsweise einen Komöden-Tag anberaumt: Beiträge des Norwegers Hans Petter Moland und des Franzosen Alain Resnais standen auf dem Programm.

Moland befleißigt sich eines düsteren Humors. Seine Lieblingspointe: leinwandgroße Totenkreuze. Ziemlich viele sind zu sehen, wenn der Schneepflug-Fahrer Nils (Stellan Skarsgård , auch in von Triers „Nymphomaniac“ dabei) erst mal den Rachefeldzug gegen die Drogengangster eröffnet hat, die seinen Sohn ermordet haben. Bislang war Nils nach eigenen Worten zuständig dafür, eine „Schneise der Zivilisation" durch die gewaltigen Schneeberge zu pflügen. Nun macht er mit Jagdgewehr mit abgesägtem Lauf weiter. In „Kraftidioten“ zitiert Moland Tarantinos Pulp-Filme und die Coen-Brüder, die in „Fargo“ schon mal eine Leiche im Schnee geschreddert haben.

Die blutige Gewalt sollen seltsame Gangster im Neureichen-Look mildern. Doch bleibt Molands unausgewogener Film hinter den Vorbildern zurück - da ist auch Bruno Ganz als serbischer Großvater-Gangster machtlos.

Altmeister Resnais schaut schmunzelnd-gelassen aufs Treiben seiner Mitmenschen. Angemalte Stoffbahnen reichen als Häuserkulisse, ab und an steckt ein Plüsch-Maulwurf seinen Kopf aus dem eher ungepflegten Rasen dieser englischen Landhaus-Idylle. Mit „Aimer, boire et chanter“ hat der 92-Jährige (zum dritten Mal) ein Theaterstück Alan Ayckbourns verfilmt. Im Zentrum steht der krebskranke George, den wir aber gar nicht zu Gesicht bekommen.

In den Gesprächen von drei befreundeten Paaren ist der Abwesende dafür ständig präsent, die drei Frauen kannten ihn besser, als deren Männern lieb ist. Genüsslich betrachtet der Regisseur, wie die Eifersucht die Lebensgeister seiner Protagonisten (darunter Sabine Azéma, Sandrine Kiberlain, André Dussollier) im Angesicht des Todes weckt. Resnais begann seine Karriere vor mehr als einem halben Jahrhundert mit „Hiroshima, mon Amour“ (1959). In  unseren Kinos war von ihm kürzlich „Ihr werdet euch noch wundern“ zu sehen, auch ein Stück übers Abschiednehmen. Nun stiftet er ein ziemlich albernes Gefühlsdurcheinander an, in dem sich alle zum Deppen machen.

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