Menü
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung| Ihre Zeitung aus Wolfsburg Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung| Ihre Zeitung aus Wolfsburg
Anmelden
Kultur Anna Loos: „Ich streiche Wände, verlege Fliesen“
Nachrichten Kultur Anna Loos: „Ich streiche Wände, verlege Fliesen“
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
19:01 01.03.2019
Momente ihres Lebens: Mit „Werkzeugkasten“ hat die Schauspielerin und Silly-Sängerin Anna Loos ein sehr persönliches Soloalbum eingespielt. Quelle: Henning Kaiser/dpa
Berlin

Des Künstlers Tag beginnt, wenn Otto Normalverbraucher schon wieder das erste Mal gähnt. So hatte Redakteur Stefan Gohlisch das Gefühl, zu früh dran zu sein, als er um halb zehn Uhr morgens in Berlin-Steglitz bei der Sängerin und Schauspielerin Anna Loos anruft, um mit ihr über ihr Soloalbum zu reden.

Guten Morgen, es ist ganz schön früh.

Ich bin sogar schon seit 5.30 Uhr wach, so als Mutter mit schulpflichtigen Kindern.

Richtig Rock’n’Roll ist das nicht, oder?

Doch, das ist der wahre Rock’n’Roll. Abends in der Kneipe kann jeder.

Ihr Soloalbum wird veröffentlicht. Sind Sie aufgeregt?

Aufgeregt war ich auch schon bei den anderen Alben, mit Silly. Aber jetzt bin ich alleine mit meiner Aufregung, mit meinen Zweifeln. Das ist schon anders, weil es sich nicht durch vier teilt.

Haben Sie alle Songs geschrieben?

Ich hatte auch Songwriting-Partner. Ich habe eine kleine Reise hinter mir. Anfangs wollte ich unbedingt mit ausländischen Songwritern zusammen schreiben; das hat mich aber nicht so weit gebracht. Von der Idee musste ich mich also erst einmal lösen, wofür ich bestimmt ein halbes Jahr gebraucht habe. Es sind tolle Songs entstanden, aber sie hatten nicht die Eigenständigkeit, die ich gesucht habe. Dann habe ich Jens Schneider getroffen, mit dem ich letztlich den Großteil des Albums geschrieben habe: ein junger Musiker und Produzent, supertalentiert, von der Mannheimer Popakademie. Ich bin also doch bei einem Deutschen gelandet.

Man spricht auf jeden Fall eine Sprache ...

Ja, was wichtig ist, auch bei der Komposition. Denn wenn ein Musiker die nicht spricht und nicht versteht, wird es schwierig. Man muss immer aufpassen, dass man nicht bei diesem Schlageresken landet. Ich habe zum Beispiel einen Song geschrieben mit einem Musiker aus Nashville, ein Country-Song, natürlich. Aber mit der deutschen Sprache war mir das zu seicht. Ich habe eine Menge Songs über.

Als wir vor gut zwei Jahren einmal miteinander sprachen, anlässlich der „Wutfänger“-Tour mit Silly, sagten Sie noch, die Band sei „eine Lebensaufgabe“. Was hat Sie jetzt dazu bewogen, ein Solo-Album zu machen?

Die Männer wollten an keinem nächsten Silly-Album arbeiten und lieber live spielen. So ein Album zu machen, kostet ja auch viel Kraft und viel Zeit. Bevor man damit Geld verdient, sind gut und gerne zwei Jahre ins Land gegangen. Aber ich denke, wenn du dein Album, in diesem doch kleinen Land, ein paar Jahre gespielt hast, musst du dir etwas Neues einfallen lassen, nicht nur weil du die Leute langweilen könntest, sondern, weil du als Künstler in Bewegung sein musst, Die Wiederholung ist keine Kunst. Das hat mir Raum gegeben für den Gedanken, meine ganz persönlichen Ideen umzusetzen und zu schauen, was ist das überhaupt, das da so unbedingt aus mir raus will.

„Wutfänger“ war ein recht politisches Album, „Werkzeugkasten“ ist ein sehr persönliches – bis hin zur Künstlerin, die sich auf dem Cover ungeschminkt, fast nackt und mit entfärbten Haaren zeigt ...

Alle Themen darauf sind entstanden aus Momenten meines Lebens. Ich glaube, das unsere Emotionen unser gemeinsamer Nenner sind und das man diese in der Musik konservieren kann, wie sonst nirgendwo.

Es ist darüber hinaus ein zärtliches Album, eines voller Liebeslieder, in denen es aber nicht um die erste Aufgeregtheit geht, sondern um die lange Strecke. War es Ihr Bedürfnis, das auf Platte zu bringen?

Klar, sonst hätte ich es ja nicht gemacht (lacht).

Manchmal ist das, was man schreibt, weiter, als man selbst schauen kann.

Tatsächlich war ich am Ende überrascht, wie persönlich es geworden ist, was ich da alles aufgearbeitet habe. Gleichzeitig war ich sehr glücklich, weil ich ja genau das vorhatte. Darum jedenfalls habe ich diesen Look kreiert: den einer gläsernen Anna.

Was ist denn das Rezept für eine lange Zweisamkeit? Angedeutet wird es in „Wie beim ersten Mal“: dass man sich immer noch überrascht.

Das ist eine gute Frage: „Was ist das Rezept?“ Ich kann sie nicht beantworten. Es gibt ein paar Punkte, die bestimmt hilfreich sind: zum Beispiel dass man den anderen so sein lässt, wie er ist, und nicht nach zehn Jahren aneinander herumdoktert. Uns scheint es zu gelingen, dass wir uns nicht aneinander abarbeiten. Dabei hilft, dass wir trotz unserer starken Partnerschaft Individuen bleiben. Wir versuchen, uns beide selbst zu verwirklichen. Sich zuhause treffen und erfüllt sein auch von anderen Dingen, die einen ebenso ausmachen wie eine Partnerschaft, ist sicher kein Hindernis für Glück.

Aber einen kleinen Ausbruch aus der Routine braucht es auch, wie es in „Mut von Helden“ anklingt?

Ja, das ist sozusagen eines unser Lieblings-Hobbys: Ausbrechen aus der Routine!

Im Zentrum des Albums steht der Titelsong, „Werkzeugkasten“. Da geht es um eine Liebe, die zu zerbrechen droht und repariert werden muss. Da bekommt man ja erst einmal einen Schreck. Alles gut bei Ihnen?

Es ist nunmal nicht jeder Tag Sonnenschein, egal wie lange man schon zusammen ist und wie sehr man sich liebt. Das wollte ich damit ausdrücken: Auch wenn man in inniger Zweisamkeit lebt, so bleibt man doch man selbst in allen Facetten, und das gibt natürlich ab und zu Reibung. Das Entscheidende ist, dass man sich ein Zuhause ist, und wenn das stark genug ist, funktioniert alles.

Wer greift denn im Hause Loos/Liefers ganz praktisch zum Werkzeugkasten, wenn etwas repariert werden muss?

Wir beide. Mein Mann ist ja gelernter Tischler, und wenn er dazu noch meinen Vater bekommt, der sehr praktisch veranlagt und handwerklich sehr geschickt ist, wird schon mal ein Baumhaus gebaut. Das könnte ich so nicht. Aber ich bin diejenige, die sagt, die und die Wand muss gestrichen werden, und die streiche ich dann. Oder ich verlege Fliesen, wenn das erledigt werden muss. Wir teilen uns das ganz gut auf.

Das Album beginnt mit dem Song „Startschuss“ – wofür soll es ein Startschuss sein?

Der Song ruft dazu auf, dass man sich selber begreifen und sich zuhören soll. Es ist kein Lebensziel, mit dem Mainstream mitzulaufen. Besonders sein heißt immer auch, sein ganz eigenes Ding zu machen. Das hat schon in meiner Kindheit meine Mutter manchmal verzweifeln lassen, und auch Freunde sind manchmal daran verzweifelt. Nur weil Leute etwas von mir erwarten, ist das noch lange kein Grund, eben das zu machen. Ich bin Mutter, und natürlich komme ich dieser Verantwortung nach. Aber künstlerisch brauche ich meine absolute Freiheit, eben das zu machen, was ich für Kunst halte, oder wonach ich strebe. Kein Geld der Welt und auch kein Willen Anderer kann mich dazu zwingen, meine eigene Vorstellung aufzugeben. Das bedeutet für mich „Startschuss“.

neues Album: Anna Loos – „Werkzeugkasten“ (BMG/Warner), erscheint am 8. März.

Zur Person: Anna Loos wurde am 18. November 1970 in Brandenburg an der Havel geboren. Sie nahm schon als Jugendliche Gesangsunterricht bei einer Opernsängerin. Nach der Flucht Richtung Westdeutschland und dem Gymnasium absolvierte sie ab 1992 eine Ausbildung an der Stage School of Music, Dance and Drama. Heute ist sie aus der deutschen TV-Landschaft nicht mehr wegzudenken. 2006 wurde sie bei der Band Silly Nachfolgerin der verstorbenen Sängerin Tamara Danz. Seit 2004 ist sie mit dem Schauspielerkollegen Jan Josef Liefers verheiratet. Das Paar lebt mit seinen zwei Töchtern in Berlin-Steglitz.

Von RND/Stefan Gohlisch

Der Schauspieler Christoph Maria Herbst liest „Über den Umgang mit Menschen“. Das Hörbuch zeigt, dass Knigge als Vater der Benimmregeln immer missverstanden wurde. Eine Hörprobe gefällig? Die finden Sie hier.

01.03.2019

Von einem köstlich-überdrehten Film-Comic im Horrorhotel bis zu Sehenswertem mit Denzel Washington, von der Rückkehr des Dreadlock-Biests aus dem All bis zu Kiefer Sutherland als US-Präsident unter Druck, und einem zutiefst berührenden Melodram der Extraklasse: dies und mehr in den DVD-Tipps von Matthias Halbig.

27.02.2019

Eine Doku gibt Einblick in ein Schweizer Eliteinternat. Leider konzentriert sich Radek Wegrzyn in „Die Schule auf dem Zauberberg“ (Kinostart am 28. Oktober) zu sehr auf einen einzelnen Schüler.

26.02.2019