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Kultur „A Star Is Born“ und mehr DVD-Tipps
Nachrichten Kultur „A Star Is Born“ und mehr DVD-Tipps
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13:00 02.04.2019
Quelle: iStockphoto
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Hannover

Bordertown – erste Staffel. Schrullige Ermittler haben Konjunktur im Fernsehen, das zeigen Serien wie „Sherlock“, „Die Brücke“ oder „Profiling Paris“. Ein faszinierender Kollege von Sherlock Holmes, Saga Noren und Chloé Saint-Laurent ist der finnische Topermittler Kari Sorjonen (Ville Virtanen).

Der zieht zu Beginn der Serie von der Hauptstadt in ein Städtchen an der russischen Grenze, um mehr Zeit für die Familie zu haben, denn seine Tochter scheint sich von ihm zurückzuziehen, seine Frau (Matleena Kuusniemi) hat gerade eine schwere Krebserkrankung hinter sich. „Ich kann Tote nicht leiden“, gibt der empathisch-autistische Kommissar einen weiteren Grund an. Das Verbrechen jedoch scheint seine Gesellschaft zu lieben, kaum ist er am stillen Weltrand angekommen, gerät er in einen Fall um verschwundene Mädchen.

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„Das Puppenhaus“ ist der erste von fünf ungemein spannenden Filmen, in denen die skandinavischen Finsternisse mit kontemplativen Kamerafahrten und melancholischem Soundtrack verstärkt werden. Und in denen der singende, ausladend gestikulierende, Mitmenschen umarmende und (nicht immer ganz nachvollziehbar) seine Schlüsse ziehende Sorjonen seinem Publikum ans Herz wächst.

Bordertown – erste Staffel Quelle: Eurovideo

Whitney. Wenn Whitney Houston beim Superbowl den „Star Spangled Banner“ in eine Freiheitshymne für die nach wie vor unterdrückten Schwarzen Amerikas verwandelt, ist das wohl die eindrucksvollste Version, seit Jimi Hendrix die amerikanische Nationalhymne mit seiner elektrischen Gitarre 1969 in Woodstock verzerrte.

Der schottische Regisseur Kevin Macdonald, der vom Dokumentarfilm kommt, und mit seinem Drama „Der letzte König von Schottland“ (2006) berühmt wurde, schafft eine bewegende Doku über einen der größten Popstars aller (bisherigen) Zeiten,der 2012 im Alter von nur 48 Jahren in der Badewanne ertrank. Von einer märchenhaften Geschichte über eine stimmgewaltige schwarze Popprinzessin ausgehend („Wunderschön und ein braves Mädchen“ – so beschreibt Cissy Houston, die Mutter, ihre Tochter als Kind), wird der Film immer dunkler – eine Tragödie.

Dass niemand dem Star aus den Drogen half, das alle nur an Whitneys Geld und ihren Vorteil dachten, erfuhren wir auch schon in Rudi Dolezals Doku „Whitney – Can I Be me?“. Dass die Houston-Geschwister aber Opfer eines Kindesmissbrauchs wurden, ist neu und erschüttert die Fangemeinde, die die missglückten Konzerte von Whitney Houstons letzter Tour wutentbrannt verließ.

Whitney Quelle: Wild Bunch

Auslöschung. Es ist die klassische Ankunft des Unheils auf Erden in Science-Fiction-Filmen. Etwas stürzt vom Himmel, in den Farben des Regenbogens schlägt das nicht näher definierte Ding in einem Leuchtturm ein. Das ist der Anfang des „Schimmers“, eines irisierenden Phänomens, das sich von nun an stetig ausbreitet.

Militärische Expeditionen in sein Inneres scheitern, niemand kehrt von dort zurück, bis schließlich doch einer wieder auftaucht. Der Ehemann der Biologin Lena (Oscar Isaac) erscheint aus dem Nichts, hat kaum noch Erinnerungen, ein traumverlorenes Wesen in einem schwer verletzten Körper. Dass er einen Auftrag hat, weiß niemand, auch er selbst nicht. Lena (Natalie Portman) begibt sich mit vier Frauen in das Area X genannte Gebiet, um es zu erforschen und dabei zu ergründen, was ihrem Mann widerfahren ist.

Dabei wird dem Sci-Fi-Fan, der auf der Leinwand ja immer gern Dinge erblickt, die kein menschliches Auge je gesehen hat, einiges geboten. Von dem Moment an, in dem ein riesiger Albino-Alligator mit mutiertem Gebiss eine der Frauen in eine halb im Fluss versunkene Fischerhütte zerrt, sind die Zuschauer mit den Heldinnen in einem der beunruhigendsten Horrorlande der Filmgeschichte gestrandet.

Der britische Regisseur Alex Garland hat den ersten Band von Jeff VanderMeers „Southern Reach“- Romantrilogie verfilmt. In den USA lief der Film in den Kinos an, im Rest der Welt aber brauchte man bisher ein Netflix-Abo, um ihn sehen zu können. Kaum zu glauben - hier schimmert ein echtes Genre-Juwel, ein potenzieller Klassiker der Science-Fiction. Der Regisseur und Autor, der 2014 das Künstliche-Intelligenz-Drama „Ex Machina“ in die Kinos brachte, schildert in seinem zweiten Film eine neue Variante des Themas einer Begegnung mit Außerirdischen.

Glaubt man dem Fachblatt „The Hollywood Reporter“, erweckten Testvorführungen den Eindruck, der Film könne „zu intellektuell“ für ein Massenpublikum sein. Gute Story, gute Dialoge, gute Schauspielleistungen – zu viel Qualität fürs Volk? Ein Glück für Stanley Kubrick, dass man dasselbe 1968 nicht mit seinem Meisterwerk „2001 – Odyssee im Weltraum“ veranstaltete – probeweise nachzuschauen, wie‘s denn die Popcorn-Grenadiere unter den Filmfans wohl goutieren.

Auslöschung Quelle: Universal

Venom. Tom Hardy ist Eddie Brock, der netteste, beste und sturste Enthüllungsreporter von San Francisco, der in Ruben Fleischers Marvel-Comicstreifen „Venom“ erst seinen Job, seine Wohnung und seine Liebste verliert und danach zur Herberge eines ziemlich monströsen, außerirdischen Parasiten wird. Was ihn dazu befähigt, als Hulk-artiger Super(-anti-)held Venom gegen jenen Milliardär anzutreten, der ihn den Arbeitsplatz gekostet, dessen Geld die Aliens zur Erde geholt hat und der verantwortungslos Menschenversuche mit den unerforschten Organismen durchführt.

Ein Guter bekommt über seinen unverhofft intelligenten Symbionten den nötigen Aggressionsschub plus die übernatürlichen Fertigkeiten und die nötige Physis, um übergriffig gegen die Bösen werden zu können, die mit Recht, Gesetz und journalistischer Recherche nicht behelligt werden können. Erst mal bürstet Eddie dem Nachbarn, der seine Metalplatten nächtens bis zum Anschlag aufdreht, die Arroganz von den Wangen, dann legt er die Schlägerkohorten seines übermächtigen Gegenspielers auf die Matte.

Der Plot ist simpel bis hanebüchen, das tiefstimmige, flachsinnige Raunen des zu Scherzen neigenden, biblisch beschlagenen Symbionten (wegen des einen Gerechten Eddie will er die Erde vor einer Invasion seiner Spezies bewahren) wirkt so lächerlich wie seine Optik. Und dennoch kommt das Charisma Hardys, der als Batmans Gegenspieler Bane schon einmal im Comicfilmgenre unterwegs war, auch hier rüber.

Venom Quelle: Sony Pictures Home Entertainment

Sauerkrautkoma. Der Eberhofer-Franz (Sebastian Bezzel) wird nach München versetzt. „Die Anordnung kimmt von ganz oben“, sagt der Bürgermeister, der froh scheint, den lästigen Cop loszuwerden. Und die Susi (Lisa Maria Polthoff), die eigentlich mit ihrem Franz zusammenziehen wollte, tanzt nach dieser Botschaft beim Jahrgangstreffen mit dem Fleischmann Karlheinz, dem ehemaligen pummeligen Pickelkönig der Klasse, der inzwischen ein attraktiver, erfolgreicher Unternehmer geworden ist.

Die stoische Oma, der kiffende Papa, die mehr oder weniger schlicht gestrickten Kumpel gruppieren sich um den weiterhin heiratsresistenten wiewohl eifersüchtigen Helden, dem in der bayerischen Landeshauptstadt gleich mal das Auto gestohlen und eine Leiche (das Au-pair-Mädchen des Bürgermeisters) untergejubelt wird.

Auf der Suche nach dem Mörder wird reichlich Privatkram verhandelt, die Spruchsammlung abgeklopft und der drohenden Schließung der Provinzpolizeistation mit einer fingierten Erhöhung der Verbrechensquote entgegengewirkt. Zwar kennt der Zuschauer inzwischen seiner Niederkaltenkirchener Pappenheimer, aber über hat er sie noch lange nicht. Immer noch legen Rita Falks Schießbudenfiguren zum Quieken komische Szenen hin.

Sauerkrautkoma Quelle: Eurovideo

A Star Is Born. Der Rockstar schneit nach dem Konzert mehr aus Versehen in den Transenclub rein, weil er noch was trinken will, und erlebt den Auftritt der (wirklich weiblichen) Chansonette. Als er nach ein wenig Garderobengeplänkel noch einen Song spielt, beginnt die Kinoromanze des Jahres.

„Ich sing meine eigenen Songs nicht. Ich fühle mich nicht wohl dabei“, gesteht Ally bei einem Drink in einer Feierabendbar Jack und bewahrt ihn sogleich mit den Fäusten vor einem zudringlichen Fan. Er entdeckt ihre Songwriterqualitäten, er mag sie, er will ihr auf ihrem Weg nach oben helfen, er holt sie auf die Bühne eines seiner Großhallenkonzerte und – „A Star Is Born“.

Alles könnte der perfekte Lebenstraum werden, aber Jacks Gehör macht ihm zu schaffen, seine Familiengeschichte frisst an ihm, seine Eifersucht hat peinliche Auswirkungen und das Business hat seine kalten, harten Gesetze. Ein Aufstieg und ein Abstieg beginnen.

Bradley Coopers Neuverfilmung von „A Star Is Born“ mit sich selbst und der Popdiva Lady Gaga in den Hauptrollen ist ein Märchen, das zur Tragödie wird, Lady Gaga und Bradley Cooper sind ein tragisches Traumpaar und nehmen den Zuschauer mit auf ihre ergreifende Reise zueinander und voneinander weg.

Überhaupt: die Gaga mit Fransenhaar, ungeschminkt und in Jeans ist die Überraschung des Jahres. Die Kunstfigur sie sieht fantastisch normal aus, eine royale Nachfolgerin Judy Garlands, die mit der zweiten Verfilmung des Stoffs 1954 den Golden Globe einfuhr und der der Oscar damals zu Unrecht verwehrt blieb.

A Star Is Born Quelle: Warner

Asphaltgorillas. Wer hätte gedacht, dass der „Karniggels“-Meister mal dauerhaft aufs „Bibi & Tina“-Pferd setzen würde? Nun, Detlev Buck oder auch nur Buck, hat sich von seinen – zugegeben – munter inszenierten, bonbonbunten Ponyhofschmonzetten entfernt und sich in einen speziellen Zoo begeben, auf den Kreuzberger Kiez, dorthin, wo die „Asphaltgorillas“ leben.

Dort ist auch sein Held Adris (Samuel Schneider) zuhause –vom Wesen her eher eine Meerkatze: ein Kleinkrimineller, der immer noch im Hotel Mama wohnt, als er eines Tages seinen alten Kumpel Frankie (Jannis Niewöhner) wiedersieht. Der fährt zwar Lamborghini und hat eine schöne, nicht allzu helle russische OIigarchentochter (Stefanie Giesinger) am Wickel, ist aber zugleich alptraumhaft verschuldet und nimmt auf seinen krummen Touren mit Vorliebe die falschen Abzweigungen.

Aus seinem Trott reißt Adris dann auch noch eine Ladendiebin (Ella Rumpf) , die zu ihm ins Auto flüchtet, sich als Bettina vorstellt, und mit ihrer Coolness sein Herz erwärmt. Die eher nüchtern und sachlich geschriebene Milieugeschichte von Ferdinand von Schirach verwandelt Buck in eine Gangster-und-Ganovenburleske mit viel Neon und regennassem Asphalt auf dem die überzeichneten Gorillas und kleineren Äffchen ihre Purzelbäume schlagen.

Allerlei Verwicklungen sind zu verzeichnen, erwartungsgemäß geraten die Helden von einer Patsche in die nächste wobei mit abgefahrenem Personal (bis hin zu einer mongolischen Profiassassinin und einem Dobermann namens Platon) bald jeder Wirklichkeitsbezug fehlt. Vor der immer winziger werdenden Story dieses comichaften Films wirkt mancher Bonsaigorilla hier wie King Kong.

Asphaltgorillas Quelle: Constantin

The Happytime Murders. Das Versprechen ans Publikum lautet: zu sehen, „was die Puppen so treiben, wenn Kinder nicht hinschauen“. Und natürlich – sie treiben es bunt und auch mal auf dem Bürotisch. Nie hätten wir erwartet, aus dem Munde einer muppetartigen Puppe mal ein konkretes Fellatio-Angebot zu hören. Und dreimal nie hätten wir gedacht, einer Figur aus dem Henson-Universum mal beim Ejakulieren zusehen zu müssen. All das passiert hier aber.

Geht es nicht zur Sache, werden Zoten abgeliefert wie in einer mittelprächtigen Melissa-McCarthy-Komödie. Die Komödiantin spielt denn auch mit in „Happytime Murders“, diesem Mix aus Plüschthriller und Puppenpornöchen, der in einer Welt angesiedelt ist, in der Menschen und Puppen leben. Der Puppen-Privatdetektiv Phil PhillipsRaymond Chandlers Marlowe lässt grüßen – wird von einer attraktiven Puppenfrau in einen geheimnisvollen Fall gezogen.

Es ist wie so oft im Film noir, der hier parodiert wird: Der hartgesottene Macker erliegt der hilfesuchenden Femme fatale und begibt sich – genitalgesteuert – in gefährliche Abgründe. Und McCarthy ist Connie Edwards, Polizistin in Los Angeles. Sie war mal Phils Partnerin, als der für kurze Zeit der erste und einzige Puppencop der Stadt war. Die Weiße und der Blaue können sich seit einem tragischen Zwischenfall nicht ausstehen, werden aber wieder ein Team in einer rassistischen Stadt, in der Puppen „Socken“ genannt werden und Lebewesen zweiter Klasse sind. Und in der ein unheimlicher Mörder die Puppenstars der einst erfolgreichen Fernsehserie „The Happytime Gang“ meuchelt.

Brian Henson, Sohn des Muppets-Schöpfers Jim Henson, hat nach 20 Jahren wieder Kinoregie geführt und setzt das subversive Werk fort, das er 1992 mit seinem Regiedebüt, der „Muppets Weihnachtgeschichte“, begann. Schon damals war der Geizhals Scrooge (Michael Caine) grausam zu Puppen, vor allem zu seinem ärmlichen Schreiber Bob Cratchit, der von Kermit dem Frosch gespielt wurde.

Zwar wurden damals noch vorwiegend die jüngeren Fans anvisiert, aber ein neuer Brutalorealismus hielt Einzug in Muppethausen. Die Puppen hatten es jetzt schwer. Und sie hatten Sex, wie man aus der aus Fröschlein und Ferkeln bestehenden Kinderschar schließen konnte, die da um Kermit und Miss Piggy herumwuselte.

The Happytime Murders Quelle: Tobis/Universum

Parfum – Miniserie. Als man von der Serie auf ZDFneo (dem Geschwistersender des Zweiten, auf dem nicht nur Apothekenwerbung läuft) munkeln hörte, dachte man zuerst, jemand wolle Patrick Süskinds schon von Tom Tykwer fürs Kino verfilmten Historienroman „Das Parfum“ neu und umfassender in Szene setzen.

In Wahrheit sind die fünf Verdächtigen in Philipp Kadelbachs Edelkriminette, die mit dem Duft von Menschen experimentieren, äußerst gegenwärtige Figuren, sind nur von ebenjenem Buch zu unziemlichen olfaktorischen Spielereien inspiriert worden. Ins Visier der Ermittler geraten die einstigen Internatsschüler nach der Ermordung einer schönen Sängerin, die tot und ohne Kopf- und Schamhaar in ihrem Swimmingpool gefunden wird. Weitere Opfer tauchen auf – auf dieselbe Weise entstellt.

Ein Serienmörder, liebster Bösewichttypus von Kino und Fernsehen – ist unterwegs, begierig nach dem Odor guter Menschen. Und die Jagd nach ihm ist auch in stylische Bilder gefasst. Das Ensemble, darunter Wotan Wilke Möhring als Staatsanwalt mit Hang zum Seitensprung und Friederike Becht als Ermittlerin mit Sehnsucht und Bitternis in den Mundwinkeln ist Personal, das eine Qualitätsserie zieren könnte.

Es sind jedoch Kleinigkeiten wie unmotivierte Mätzchen der Kamera und Dialoge, die zuweilen rascheln wie Papier oder nicht zu den Personen passen die zeigen, dass die Macher nicht lange genug über ihr Machwerk nachgedacht haben. Der Zuschauer dieser Miniserie neigt schon bald dazu,zu verduften.

Parfum – Miniserie Quelle: Constantin

The Man Who Killed Don Quixote. Wie die Serie „Parfum“ erzählt auch dieser Film nicht die allseits erwartete Geschichte, erzählt nicht direkt Cervantes‘ tragikomischen Roman vom letzten Ritter Don Quijote, sondern handelt von einem desillusionierten Werbefilmregisseur (Adam Driver), der in Spanien gerade einen Quijote-Spot dreht und von einem magischen Mann mit Bauchladen mit seiner Hochschulabschlussarbeit konfrontiert wird - einem Schwarzweißfilm namens „The Man Who Killed Don Quijote“.

In dem iberischen Dorf, in dem er damals filmte, glaubt sein damaliger Hauptdarsteller, der wahnhafte Dorfschuster (Jonathan Pryce), noch immer, der Ritter von der traurigen Gestalt zu sein. Und so gesellt der Regisseur sich ihm bei, und erlebt als Quixotes Adlatus Sancho Pansa blaue Wunder in Serie, taucht ein in ein filmartiges Abenteuer, das von niemandem abgedreht wird, in dem sich Rückblenden, Gegenwart und Visionen verweben.

Regisseur Terry Gilliam („Brazil“) folgte ein Vierteljahrhundert lang seinem Traum vom eigenen „Quijote“-Film, der nun in einer aberwitzigen aber nicht unbedingt witzigen Variante vorliegt. Dinge, die zu lange brauchen, werden nicht besser mit der Zeit, es scheint, als wüsste der Regisseur sein Thema nach so langer Beschäftigung nicht mehr so recht zu fassen. Das Ende entgleitet ihm schließlich, ist ein „all you can eat“ in Bildern, der Zuschauer bleibt vom tragischen Ausgang nahezu unberührt.

Ein Manifest der Ritterlichkeit ist der Film dennoch, enthält ein paar Verbeugungen vor Gilliams anderen Ritterfilmen, „Die Ritter der Kokosnuss“ und „König der Fischer“ und ist auch ein Plädoyer des Regisseurs in eigener Sache, treu zu seinen Träumen zu stehen. Nichts ist unmöglich.

The Man Who Killed Don Quixote Quelle: Concorde

M - Eine Stadt sucht einen Mörder - Miniserie. Potential hat das Remake von Fritz Langs Psychothriller „M“ (1931) in jedem Fall, dafür sprechen schon Darsteller wie Udo Kier, Lars Eidinger, Verena Altenberger und Moritz Bleibtreu. Aber wo das Original voller Milljöh war, ist die Neuversion der Geschichte um einen Kindsmörder künstlich morbid bis ins letzte Bild.

Da steht nächtens allen Ernstes ein Gruselclown im Schnee der Stadt, der Griegs „In der Halle des Bergkönigs“ pfeift und in den menschenleeren Gassen Luftballons verkaufen will. Und die kleine Elsie, die schon bald alle suchen werden und die mutterseelenallein durch die Gassen stromert, läuft –völlig unglaubwürdig -nicht schreiend davon. Die Litfasssäulen und Geschäftsauslagen sehen aus wie in alter Zeit, die Busse und Interieurs sind eindeutig der Gegenwart zuzuordnen.

Gespreizt bis dort hinaus ist diese Miniserie in allem – im hyperdramatischen Spiel und den aufgesagt klingenden Dialogen, dem Einsatz von Popsongs als Filmmusik und dem gewaltsamen Versuch, die europäische Flüchtlingskrise in die Handlung einzuschrauben.

Die Schauspieler wirken ausstaffiert, verkleidet, sogar der Schnee sieht hier aus, als sei er aus Gummi. Und welches Elternteil spricht um Himmels Willen von seinem frisch verschwundenen Kind schon in der Vergangenheit. Ein weitgehend misslungener Versuch, aus einem der Meilensteine des Kinothrills eine Qualitätsserie zu machen. Ähem … ein Publikum sucht einen Spannungsbogen.

M - Eine Stadt sucht einen Mörder Quelle: Universum

Von Matthias Halbig

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