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Kultur 2000 Fans bei „Element of Crime“
Nachrichten Kultur 2000 Fans bei „Element of Crime“
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23:02 06.03.2015
Von Mathias Begalke
Irgendwie doch ein Rockstar: Sven Regener in Hannover.
Irgendwie doch ein Rockstar: Sven Regener in Hannover. Quelle: Michael Wallmueller
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Hannover

Das Lied ist 24 Jahre alt und gehört zu den Erkennungsmelodien der Berliner Band. Schlagzeuger Richard Pappik spielt dabei Mundharmonika. Ihr heller, sehnsuchtsvoller Ton schallt bis zum Horizont. Das stellt man sich zumindest so vor, hier, in der früheren Stadionsporthalle von Hannover, trotz der vier Wände um sich herum.

Die Menschen, über und für die Regener singt, kann man in jedem Baumarkt und in jeder Sparkasse treffen. Es sind ganz gewöhnliche Menschen mit ganz gewöhnlichen romantischen Gefühlen. „Scheiß doch auf die Seemannsromantik, ein Tritt dem Trottel, der das erfunden hat“, knurrt der 54-Jährige. Es werden aber heute Abend doch einige dieser romantisch veranlagten Trottel unter den 2000 Fans sein, denkt man sich. Und man staunt über die Songs vom aktuellen Album „Lieblingsfarben und Tiere“, darüber, dass es die Band wieder geschafft hat, neue, originelle Lieder über das selbe Thema zu erfinden: die Suche, das Warten und das Grübeln, das manchmal in der genauso schlichten wie schrecklichen Erkenntnis mündet, dass zwei Menschen einfach nicht zueinander passen: „Immer da, wo du bist, bin ich nie“, spielt die Band auch.

Seit 1991, seit „Damals hinterm Mond“, dem ersten von inzwischen neun deutschsprachigen Alben, singt Regener über die raue See der Liebe - heute, anders als am Anfang, mit ebenso ruppiger Stimme. Der Sound von Element of Crime lebt vom Kontrast zwischen der melancholischen Musik und Regeners unsentimentalem Gesang. Selbstmitleid ist nicht sein Ding. Sein Ding ist ein lakonisches Schade.

Schade, dass das Konzert so schnell vorübergeht. Denn die Band, die so klingt wie sie aussieht, herrlich unmodern und etwas entrückt, hilft beim Abbremsen. Wer das heutige hohe Lebenstempo mitgeht und oft online ist, kann sich bei „Kaffee und Karin“ selbstvergessen im Dreivierteltakt drehen. Man kann sich in Jakob Iljas perlende Country-Gitarre verlieben oder wegträumen, wenn der Sänger bei „Wenn der Wolf schläft müssen alle Schafe ruhen“ zur Zirkustrompete greift. Sein jüngster Tipp, der auch dem wundersamen Herrn Lehmann, seiner Romanfigur, gut gefallen würde: Einfach mal offline sein. Alles, was klingeln kann, abschalten. „Denk an Lieblingsfarben und Tiere, Dosenravioli und Buch, und einen Bildschirm mit Goldfisch, das ist für heute genug“, fabuliert Regener mit zarter Ironie. Denn er sieht am eigenen Publikum, wie schwer es einigen fällt, ihr Smart- phone aus der Hand zu legen.

Und die Sache mit dem Kummer? Da hilft „Delmenhorst“, der Hit. Man sollte sich nach einer Trennung an einen Ort flüchten, an dem keine gemeinsamen Erinnerungen kleben: „Es ist schön, wenn’s nicht mehr weh tut, und wo zu sein, wo du nie warst.“ Glaubt man dem wundersamen Herrn Regener, dann scheint Delmenhorst ein idealer Platz zum Heulen und Loslassen zu sein, denn: „Erst wenn alles scheißegal ist, macht das Leben wieder Spaß.

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