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Nachrichten Bundestagswahl
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18:46 22.09.2017

Bundestagswahl

Ich wünsche mir Vernunft. Ich wünsche mir Stabilität und Kontinuität. Ich wünsche mir Politiker, die zuerst nachdenken, abwägen und dann handeln. Ich will keine „Schnellschüsse“ aus der Hüfte, nur um ja die nächste Schlagzeile zu bekommen. Keine Politiker, die das eigene Bild möglichst oft in Talkshows oder auf Titelseiten sehen wollen. Keine Populisten, die ihre halbgaren Thesen und Lügen in die Welt hinausschreien und darauf hoffen, dass sie schon zur „Wahrheit“ zurechtgebogen werden, wenn sie erst mal ausgesprochen sind. Wir haben viele Dinge geleistet, hatten den Mut, uns den Fehlern unserer Vergangenheit zu stellen, haben den Faschismus überwunden, haben Mauern fallen sehen, sind ein buntes Land voller Vielfalt und Stabilität geworden. Wir dürfen uns nicht ins Bockshorn jagen lassen und den Populisten und Ewiggestrigen Glauben schenken. Ich bin stolz, Deutsche zu sein, weil ich stolz auf unsere Demokratie, auf unseren Rechtsstaat und auf die Vielfalt in unserem Land bin. Andrea Maria Schenkel (55), Schriftstellerin („Tannöd“).

Quelle: dpa

Ich verbinde mit dieser Wahl viele Hoffnungen. Zunächst einmal, dass die Bedeutung einer Bundestagswahl nicht unterschätzt wird und sich viele Menschen von einer allgemeinen „Wird schon laufen“-Lethargie nicht vom Wählen abhalten lassen. Damit verbunden ist die Hoffnung, dass die Mehrheit der Bevölkerung erkennt, dass es sich für eine offene Gesellschaft zu kämpfen lohnt. Außerdem wünsche ich mir, dass Parteien in der Wählergunst vorne liegen, die nicht verhehlen, dass der Weg zu einer offenen Gesellschaft mit Anstrengungen und Herausforderungen verbunden sein kann. Womöglich werden wir Annehmlichkeiten aufgeben müssen. Widersprüche müssen wir aushalten können. Von Parteien, die schnelle Lösungen versprechen, lässt sich nicht viel erhoffen. Wichtig ist mir auch, dass wir das Gespräch mit der Türkei trotz aller Schwierigkeiten nicht abreißen lassen und Erdogan und Türkei nicht gleichsetzen. Es gibt viele türkische Intellektuelle, mit denen ich die Hoffnung auf eine bessere Zukunft teile. Wir haben ihnen gegenüber eine Verantwortung und sollten den Dialog hier nicht abreißen lassen. Abschließend erhoffe ich mir, dass wir respektvoll mit Politikern umgehen und ihnen nicht mit einem Grundmisstrauen begegnen. Die Arbeit der Politiker ist schwer, jeder Fehler wird ihnen um die Ohren gehauen: Ich denke, das tut sich kaum einer aus rein egoistischen Motiven an. Deshalb verdienen sie zunächst erst mal unseren Respekt, bis zum Beweis des Gegenteils. Ulrich Khuon (66) ist Intendant des Deutschen Theaters Berlin und Präsident des Deutschen Bühnenvereins.

Quelle: dpa

Deutschland geht es gut – aber trotzdem ist es in einer schwierigen Lage. Wirtschaftlich waren die vergangenen Jahre fantastisch, und in der Flüchtlingskrise war und ist Deutschland ein positives Beispiel – hier hat die Kanzlerin Anstand gezeigt, wie ich es mir von den USA wünschen würde. Die Gefahr ist jedoch, dass Deutschland angesichts seiner Erfolge zu sehr in Zufriedenheit und sogar einem nationalen Egoismus versinkt. In den USA, wo ich lebe, sehen wir mit Donald Trump, wie schnell das passieren und wohin es führen kann. Ich meine, dass wir in Deutschland vor großen Herausforderungen stehen. Wir müssen zum Beispiel sehr viel mehr in die Infrastruktur investieren, in Straßen, Schulen und Universitäten, schnelles Internet. In meinem Bereich, der Wissenschaft, ist viel erreicht worden seit der Zeit, zu der ich in die USA gegangen bin, aber Deutschland muss noch mehr tun. Wir müssen Perspektiven schaffen für begabte junge Wissenschaftler, wir müssen ihnen Stellen und Chancen bieten. Ein Weg wäre, mehr Professuren zu schaffen, auch wenn diese vielleicht geringer ausgestattet sind als bislang; ein anderer, die Grenzen zwischen Schulen und Universitäten durchlässiger zu machen. Deutschland hängt extrem von technologischen Entwicklungen ab, die wiederum ein gutes Umfeld aus Fachhochschulen und Universitäten brauchen und die von mehr Austausch und Förderung profitieren würden – vor allem in der Forschung. Wir brauchen mehr Internationalität, und wir müssen es schaffen, mehr ausländische Talente zu rekrutieren und zu halten. Es ist ein Riesenfehler, auch ökonomisch, sich abzukapseln – aber genau das passiert gerade in vielen Ländern, in den USA und auch in Deutschland. Mehr Weltoffenheit würde dem Land guttun. Thomas Südhof (61), erhielt 2013 den Medizin-Nobelpreis. Er ist Professor in Stanford, USA.

Quelle: dpa
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