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Nachrichten Digital Nützlich für den Arbeitsmarkt: Das lernen Minecraft-Spieler
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19:50 07.05.2019
Ein Junge spielt auf einem Laptop das Open-World-Computerspiel Minecraft. Quelle: dpa
Berlin

Die Arbeitswelt verändert sich wegen der Digitalisierung rasant - und Unternehmen und Arbeitnehmer ringen damit, sich auf die neuen Herausforderungen einzustellen. Was zunehmend gefragt ist: Kreatives Denken, Problemlösungs-Kompetenzen und lebenslanges Lernen. Das beliebte Videospiel Minecraft kann dabei sowohl Beschäftigten als auch Unternehmen helfen, sagt Martin Wiens. Er er arbeitet bei einer Berliner Agentur für Transformationsberatung, hat das Spiel erforscht und seine Ergebnisse auf der re;publica vorgestellt.

Minecraft ist sehr populär. Millionen Menschen treffen sich online, loggen sich ein und sind gemeinsam in einem digitalen Sandkasten unterwegs. Sie haben Minecraft erforscht - was war ihr Eindruck?

Was man einerseits sieht, ist, dass die Spieler Minispiele spielen, sich mit Schwertern die Köpfe einschlagen und Häuser in die Luft jagen. Was in Minecraft aber auch passiert ist, dass die Spieler gemeinsam kreativ werden und unglaublich beeindruckende virtuelle Gebäude und Prozesse designen.

Wie genau funktioniert Minecraft überhaupt?

Minecraft wird oft mit Lego verglichen, geht aber weit darüber hinaus. Die Spieler haben Blöcke unterschiedlicher Art, die sie übereinander stapeln können. Daraus können sie dann so ziemlich alles bauen, was ihnen einfällt, beispielsweise Farmen oder ganze Dörfer. Außerdem gibt es sogenannte Redstone-Blöcke, mit denen sich Automatisierungen herstellen lassen. Wenn bei einem Block etwas passiert, löst das bei einem anderen Block etwas aus. Darüber lassen sich enorm komplexe Konstruktionen entwerfen, bei denen unterschiedliche teile ineinandergreifen.

Minecraft ist ein Spiel - bei Unternehmen geht es um die harte Realität. Warum sollte sich das ein Unternehmen überhaupt anschauen?

Das Spiel hat enormes Potenzial, um sich auszuprobieren. Wenn man spielt, läuft immer dieser Satz mit: „Ist ja nicht so gemeint“. Es ist ein sicherer Raum, in dem man sich ausprobieren und auch mal scheitern kann. Denn es ist ja „nur“ ein Spiel. Gleichzeitig hat das natürlich mit der Realität viel zu tun. Wenn ich mit anderen zusammenspiele, ist das ja reale soziale Interaktion. Dabei kann man viel lernen.

Und was können Unternehmen daraus ziehen?

Zunächst einmal sind unglaublich viele Menschen auf den Servern. Das heißt, Minecraft gibt Menschen eine organisationale Heimat, in der sie sich gerne aufhalten. Das fällt vielen Unternehmen deutlich schwerer. Es ist auch so, dass die Spieler virtuell vernetzt - also über weite Entfernungen hinweg - miteinander arbeiten und wirksam werden. Diese virtuelle Vernetzung ist etwas, woran viele Unternehmen noch scheitern. In Minecraft funktioniert es.

Die Spieler bei Minecraft entwickeln teilweise komplexe Ideen - beispielsweise riesige virtuelle Kraftwerke, die virtuellen Strom erzeugen, der virtuelle Städte beleuchtet. Wie schaffen die das eigentlich?

Wichtig ist, dass sie Teil eines Netzwerks sind. Die New York Times schreibt von einer „Generation Minecraft“. Das heißt, es gibt überall Youtube-Videos mit Anleitungen, wo Spieler lernen können, bestimmte Designs zu bauen. Es gibt keinen Chef, der sagt, wie es weitergeht. Die Spieler eignen sich selber neue Sachen an. Es macht den Spielern Spaß, etwas auszuprobieren und immer besser zu werden. In der Arbeitswelt redet man gerne davon, wie wichtig lebenslanges, selbstständiges Lernen für die Mitarbeiter ist. Bei Minecraft ist das selbstverständlich, in der Arbeitswelt nicht.

Aber wie könnte ein Unternehmen das zu sich übertragen?

Es wäre eine Möglichkeit, zunächst einmal kleine, sichere Räume für das Spielerische zu schaffen. Also klar zu machen, dass das Spielerische und die Leichtigkeit im Unternehmen einen Wert haben. Das passiert schon teilweise mit agilen Methoden wie Design-Thinking. Aber Minecraft geht auf vielen Ebenen einen Schritt weiter. Ein Beispiel: Viele klassische Unternehmen versuchen, alles möglichst genau zu durchzuplanen und möglichst nichts dem Zufall zu überlassen. Das funktioniert in einer stabilen Umgebung sehr gut, weil sich das Drumherum wenig verändert. In unsicheren Umgebungen greift das Prinzip nicht mehr, weil der Plan von heute morgen möglicherweise schon nicht mehr greift. Minecraft lebt hingegen von ganz vielen Leerstellen und Andockstellen, die die Spieler nutzen können, um sie kreativ zu füllen. Minecraft ist gewissermaßen unfertig. Die Spieler haben dadurch größere Handlungsspielräume, um Neues zu entwickeln. Man könnte auch sagen. Die Entwickler und Administratoren betreiben ein erfolgreiches Leerstellen-Management.

Würden Sie auch Mitarbeitern raten, zur Weiterbildung mal Minecraft auszuprobieren?

Wer Minecraft spielt, lernt, digital vernetzt mit anderen zu kommunizieren, Bauprojekte zu organisieren und sich selbstständig komplexes Wissen anzueignen, beispielsweise durch Video-Anleitungen. Manche Spieler lernen durch Minecraft sogar, zu programmieren. Das sind natürlich Kompetenzen, die auch für Unternehmen wichtig sind.

Von RND/Christoph Hoeland

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