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Der Norden Wasserstoff: Stephan Weil sieht Chancen für Zusammenarbeit mit Portugal
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Wasserstoff: Stephan Weil hält Zusammenarbeit mit Portugal für möglich

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21:41 19.10.2021
„Portugal würde gern in den Export grünen Wasserstoffs einsteigen – daran besteht in Deutschland und Niedersachsen sicher großes Interesse“, sagte Stephan Weil auf seiner Portugalreise.
„Portugal würde gern in den Export grünen Wasserstoffs einsteigen – daran besteht in Deutschland und Niedersachsen sicher großes Interesse“, sagte Stephan Weil auf seiner Portugalreise. Quelle: Julian Stratenschulte/dpa (Archiv)
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Lissabon/Hannover

Ministerpräsident Stephan Weil sieht gute Chancen für eine enge Zusammenarbeit zwischen Niedersachsen und Portugal beim Aufbau einer Wasserstoffwirtschaft und dem Ausbau der erneuerbaren Energien. „Portugal würde gern in den Export grünen Wasserstoffs einsteigen – daran besteht in Deutschland und Niedersachsen sicher großes Interesse“, sagte der SPD-Politiker der Deutschen Presse-Agentur am Dienstag zum Abschluss einer Reise nach Lissabon. Weil hatte sich dort seit Sonntag mit Vertretern aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft getroffen.

Weil: Industrie wird enorm viel Wasserstoff brauchen

„Unsere Industrie wird in der Transformation künftig enorme Mengen an Wasserstoff brauchen, und einen Teil davon werden wir wohl weiter importieren müssen“, erklärte der Regierungschef aus Hannover. „Wenn es gelingt, zum Beispiel in Wilhelmshaven ein Wasserstoff-Terminal zu installieren, wäre das eine gute Perspektive, auch für eine deutsch-portugiesische Zusammenarbeit.“ In der Jadestadt gibt es seit Längerem Überlegungen für den Bau einer solchen Anlage.

Am Jadeweser-Port in Wilhelmshaven könnte ein Wasserstoff-Terminal entstehen. Quelle: Carmen Jaspersen/dpa (Archiv)

Wasserstoff ist ein guter Speicher, um Schwankungen im Stromnetz auszugleichen, wenn erneuerbare Träger wie Wind- und Solarkraft Spitzenlasten liefern oder im Leerlauf sind. Zudem kann er in industriellen Prozessen anstelle fossiler Brennstoffe eingesetzt werden, um die CO2-Bilanz zu verbessern. Auch in Deutschland soll eine Wasserstoff-Infrastruktur entstehen – das ist aber teuer, und teils gibt es daran Kritik, ähnlich wie beim Bau neuer Stromtrassen.

„Portugal bietet großes Potenzial“

Für die Erzeugung elementaren Wasserstoffs über Spaltung von Wasser (Elektrolyse) ist überdies selbst viel Strom nötig, der möglichst aus regenerativen Quellen stammen sollte. „Portugal hat sehr viel Wasser um sich herum, sehr viel Wind, und es ist ein sehr sonnenreiches Land“, sagte Weil. „Das ist nicht nur gut für den Tourismus, sondern bietet großes Potenzial zum Aufbau einer grünen Wasserstoffwirtschaft und für den weiteren Ausbau der erneuerbaren Energien.“

VW-Niederlassung in Portugal wächst

Portugal ist im April 2022 Partnerland der weltgrößten Industrieschau Hannover Messe. Eine 16-köpfige Delegation begleitete Weil, darunter Messechef Jochen Köckler. Weil besuchte auch einen Standort der neuen VW-Digitalsparte. „Das fühlt sich fast an wie ein Start-up inmitten eines großen Konzerns“, sagte er. Die Niederlassung in Lissabon werde kräftig ausgebaut, von aktuell 230 auf bald 450 Expertinnen und Experten. „Es ist eine junge, agile Belegschaft.“

Auch über Tourismus und Wohnungsbau wurde gesprochen. Weil erklärte, der Wegfall von Wohnraum in Urlaubszentren durch Vermietungsportale - auch in manchen deutschen Orten ein Problem - habe die Politik in Portugal mit dazu veranlasst, stärker in öffentlichen und sozialen Wohnungsbau einzusteigen. Viele Menschen in dem Land kritisierten die „Touristifizierung“ von Wohnraum, sagte er: „Man muss aufpassen, dass solche Tendenzen gerade in Tourismushochburgen den Wohnungsmarkt nicht vollständig kollabieren lassen.“

Von dpa/RND