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Der Norden Warum dieser Pastor Weihnachtstüten an Häftlinge verteilt
Nachrichten Der Norden Warum dieser Pastor Weihnachtstüten an Häftlinge verteilt
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08:57 19.12.2019
Der Gefängnispastor der Justizvollzugsanstalt Bremen, Peter Arenz packt Weihnachtstüten für bedürftige Gefangene. Quelle: Patrik Stollarz/dpa
Bremen

Die Weihnachtszeit ist für viele Gefangene schwierig. Um den Insassen der Justizvollzugsanstalt in Bremen-Oslebshausen eine Freude zu machen, verteilen ein katholischer und ein evangelischer Gefängnis-Seelsorger gespendete Weihnachtstüten. Knapp 500 Insassen werden in diesem Jahr so ein Geschenk bekommen, wie der evangelische Gefängnispastor Peter Arenz erzählt.

Was ist das Ziel dieser ökumenischen Aktion?

Wir wollen Menschen, die in Haft sind, die unter schweren Bedingungen leben müssen und keinen Kontakt zu ihren Familien haben, eine Freude machen. Weihnachten beschenkt man sich. Da die Insassen keine Pakete von draußen bekommen dürfen, haben wir vor 15 Jahren die Weihnachtstüten-Aktion für Gefangene ins Leben gerufen.

Zur Person: Peter Arenz

Peter Arenz ist seit dem Jahr 2000 evangelischer Gefängnispastor in Bremen. Der 66-Jährige ist verheiratet und Vater von zwei Kindern.

Warum dürfen Gefangene keine Pakete bekommen?

Es ist früher öfter vorgekommen, dass in Paketen verbotene Dinge versteckt waren - Geld oder im schlimmsten Fall auch Drogen. Deshalb sind Pakete aus Sicherheitsgründen verboten worden.

Gibt es für die von der Bevölkerung gespendeten Weihnachtstüten bestimmte Sicherheitsvorkehrungen?

Alle Tüten werden geprüft - nicht von uns, sondern von den Kollegen des allgemeinen Vollzugsdienstes. Wie beim Flughafen gibt es einen Scanner, der die Tüten durchleuchtet. Dann kommt noch der Drogenhund und schnüffelt daran. Früher haben mein Kollege und ich die Pakete selbst untersucht. Es ist nie etwas passiert. Wenn wir etwas Verbotenes gefunden haben, haben wir es rausgenommen. Da waren mal Weinbrandbohnen drin – das war das Schlimmste. Alkohol ist hier verboten.

Für die Aktion bitten Sie die Bevölkerung um Spenden - wie ist die Resonanz?

Wir haben vor 15 Jahren in kleinem Rahmen angefangen. Von Jahr zu Jahr gab es mehr Einzelspender. Am Anfang lag die Zahl der Tüten im unteren dreistelligen Bereich. Jetzt wurden 467 Tüten abgegeben.

Worauf sollten die Menschen beim Packen der Tüten achten?

Wir haben um Dinge gebeten, die gebraucht und gewünscht werden. Dinge, über die sich die Gefangenen am meisten freuen, sind in der Regel Kaffee, Tee, Schokolade, Lebkuchenherzen, Süßstoff. Die Tüten sollen einen Wert von rund 10 Euro haben. Uns ist wichtig, dass die Tüten alle gleich gepackt sind, dass nicht einer viel Kaffee bekommt und einer wenig. Das gibt dann Unfrieden, weil die Insassen natürlich vergleichen, wer was bekommen hat. Die Spender halten sich an unsere Empfehlungen.

Warum soll Süßstoff in die Tüte, aber auf keinen Fall Zucker?

Das hat praktische Gründe. Ein Kilo Zucker macht die Tüte ein Kilo schwerer, durch Süßstoff reißen die Tüten nicht. Mit 1200 Pillen Süßstoff kommen die Insassen in der Regel auch länger hin.

Bekommen alle Gefangene in der JVA Bremen-Oslebshausen eine Weihnachtstüte?

Für alle reicht es nicht. Wir haben über 600 Insassen im Moment. Das Gefängnis ist überbelegt. Manche sind finanziell relativ gut aufgestellt und können sich zu Weihnachten Dinge beim Kaufmann kaufen. Andere haben gar nichts. Wir achten darauf, dass in erster Linie bedürftige Gefangene eine Weihnachtstüte bekommen. Menschen, die keine Arbeit haben und nur Taschengeld empfangen. Auch der Gesundheitszustand spielt eine Rolle. Insassen, die krank sind und im Lazarett liegen, freuen sich über eine Zuwendung.

Der Gefängnispastor der Justizvollzugsanstalt Bremen, Peter Arenz, in der Gefängniskapelle. Quelle: Patrik Stollarz/dpa

Wie reagieren die Gefangenen auf die Geschenktüten?

Die meisten freuen sich. Es ist eine einmalige Situation, sonst bekommt man hier nichts geschenkt. Viele Spender schreiben freundliche Briefe und stecken Bilder in die Tüten, die Kinder gemalt haben. Wenn ein lieber Brief dabei ist, berührt es die Menschen. Aber: Man kann es nicht allen recht machen. Es gibt Insassen, die sich beschweren. Es gibt sogar welche, die sagen, sie hätten keine Tüte bekommen, obwohl sie eine bekommen haben. Wir sind in einem Gefängnis, manche versuchen, uns auszutricksen.

Können die Menschen im Gefängnis Weihnachten feiern?

Auf einigen Stationen gibt es eine Feier, aber nicht auf allen.

Menschen spenden knapp 500 Weihnachtstüten für Gefangene

Knapp 500 gespendete Weihnachtstüten werden in diesem Jahr an Inhaftierte in Bremen verteilt. „Wir wollen Menschen, die in Haft sind, die unter schweren Bedingungen leben müssen und keinen Kontakt zu ihren Familien haben, eine Freude machen“, sagt der evangelische Gefängnispastor Peter Arenz. Er hatte die Aktion mit seinem katholischen Kollegen Hans-Dieter Ernsing organisiert.

Die beiden Geistlichen hatten Interessierte darum gebeten, eine Tüte unter anderem mit Kaffee, Tee und Schokolade zu füllen und bis zum 14. Dezember zu spenden. „Wir haben vor 15 Jahren in kleinem Rahmen angefangen“, erzählt Arenz. „Von Jahr zu Jahr gab es mehr Einzelspender.“

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