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Der Norden Sammelgräber von KZ-Außenlager sollen würdig gestaltet werden
Nachrichten Der Norden Sammelgräber von KZ-Außenlager sollen würdig gestaltet werden
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18:51 06.06.2019
Der Göttinger Kreisarchäologe Stefan Flindt entdeckte bei einer Geländebegehung, dass sich unter einer Grasnarbe große Mengen an Knochenmaterial befanden. Quelle: Heidi Niemann (pid)
Walkenried

Elf Monate gab es in der Nähe von Walkenried im Südharz (Kreis Göttingen) ein Außenlager der Konzentrationslager Buchenwald und Mittelbau Dora. Zwischen Mai 1944 und April 1945 waren dort 12.000 Menschen aus ganz Europa inhaftiert. In Frankreich, von wo zahlreiche Häftlinge stammten, ist das einstige KZ-Außenlager Ellrich-Juliushütte vielen Menschen ein Begriff, in Deutschland ist es dagegen kaum im öffentlichen Bewusstsein präsent. Dies könnte sich jetzt ändern: Fast 75 Jahre nach Kriegsende sind die Überreste von mehr als 1000 Häftlingen entdeckt worden, deren Leichen im März 1945 auf dem Lagergelände verbrannt wurden. Die neu aufgefundenen Sammelgräber sollten nun auf dem ehemaligen Lagergelände würdig gestaltet werden, sagte am Donnerstag der Geschäftsführer der Stiftung niedersächsische Gedenkstätten, Jens-Christian Wagner.

Schwerste körperliche Zwangsarbeit unter Tage

Das KZ-Außenlager war in stillgelegten Gipsfabriken eingerichtet worden. Alles sei „völlig improvisiert“ gewesen, es habe zunächst keine sanitären Einrichtungen gegeben, berichtete Wagner. Die nach Ellrich-Juliushütte deportierten Häftlinge hätten schwerste körperliche Zwangsarbeit auf Baustellen unter Tage verrichten müssen, um Tunnel und Stollen voranzutreiben. Neben der Schwerstarbeit führten auch die katastrophalen hygienischen Bedingungen, ständiger Schlafentzug und Hunger dazu, dass sich Krankheiten ausbreiteten und die Häftlinge „wie die Fliegen starben“. Die Todesrate sei extrem hoch gewesen, sagte Wagner. Etwa 4000 Häftlinge hätten die Deportation in das Südharzer Lager nicht überlebt.

Todesfälle von „apokalyptischen Ausmaßen“

Anfangs seien die Leichen noch mit Traktor und Anhänger ins Hauptlager gebracht und dort im Krematorium verbrannt worden, berichtete Regine Heubaum, Leiterin der Dokumentationsstelle der KZ-Gedenkstätte Mittelbau-Dora. Als die Zahl der Todesfälle im Winter „apokalyptische Ausmaße“ annahm, wurde in Ellrich-Juliushütte ein eigenes Krematorium in Betrieb genommen, um die vielen Leichen zu entsorgen. All dies ist gut dokumentiert: Die SS hatte genau Buch geführt über die Häftlinge, die in das mörderische Lager verfrachtet wurden. Die ersten Verbrennungslisten stammten vom 8. März 1945, berichtete Heubaum.

Beide deutschen Staaten bemühten sich, NS-Spuren zu beseitigen

Demnach wurden über 1000 Häftlinge in dem Krematorium und auf Scheiterhaufen verbrannt. Dies sei zwar bekannt gewesen, bis vor Kurzem habe man aber nicht gewusst, wo die Verbrennungen stattgefunden hatten, berichtete Gedenkstätten-Geschäftsführer Wagner. Dies lag vor allem an der Nachkriegsgeschichte: Die innerdeutsche Grenze verlief quer durch das Lager, und beide deutsche Staaten bemühten sich, die Spuren der NS-Geschichte zu beseitigen. Um die Grenze absichern zu können, ließ die DDR bis 1958 alle Gebäude abreißen, die sich auf ihrem Areal befanden. Im Westen blieben sie noch etwas länger stehen, bis 1963 der damalige Minister für gesamtdeutsche Fragen, Rainer Barzel, bei einem Besuch vor Ort entschied, dass der „Schandfleck Juliushütte“ verschwinden sollte. Vor 55 Jahren sprengte der Bundesgrenzschutz die Reste des ehemaligen KZ, darunter auch das Krematorium. Das Gelände wurde mit Wald und Büschen bepflanzt und als Naturschutzgebiet ausgewiesen, sodass „Gras und Wald über die Geschichte wuchsen“, wie Wagner sagte.

Mithilfe von Fotos wurden Sammelgräber gefunden

Doch Geschichte vergeht nicht: Vor zwei Jahren tauchte eine Fotosammlung auf. Diese stammte von einem US-Soldaten, der nach der Befreiung im Mai 1945 in dem Lager gewesen war. Die Bilder zeigen unter anderem einen Scheiterhaufen und Knochenmaterial aus Verbrennungen. Anhand der Fotos konnten die Experten lokalisieren, wo die Leichen verbrannt worden waren. Der Göttinger Kreisarchäologe Stefan Flindt entdeckte bei einer Begehung, dass sich unter einer Grasnarbe große Mengen an Knochenmaterial befanden. Jetzt wollen die Forscher durch oberflächliche Sondierungen die genaue Ausdehnung der Sammelgräber feststellen. Auf dieser Basis will eine Arbeitsgruppe unter Federführung der südniedersächsischen Gemeinde Walkenried und der Stadt Ellrich (Thüringen) ein Konzept erarbeiten, wie die künftige Gedenkstätte aussehen soll.

Von Heidi Niemann

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