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Der Norden Streit um die „Wolfsangel“: Pflegt Niedersachsen NS-Symbole?
Nachrichten Der Norden Streit um die „Wolfsangel“: Pflegt Niedersachsen NS-Symbole?
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00:16 24.05.2019
Symbol mit Vergangenheit: eine Wolfsangel auf einem Knopf eines hannoverschen Forstmitarbeiters aus dem 19. Jahrhundert. Quelle: privat
Hannover

Ein Unternehmer hat an seiner Einfahrt einen Findling mit einem alten Wehrmachtssymbol aufgestellt – ausgerechnet an der Straße, die zur Gedenkstätte Bergen-Belsen führt. Das Symbol der sogenannten Wolfsangel ist vielen ein Dorn im Auge, obgleich es nicht generell verboten ist. Auch in der Region Hannover ist das Zeichen vielerorts zu sehen – sogar Städte und Gemeinden tragen es in ihrem Wappen. Unumstritten ist das nicht.

Immer wieder sorgen Wolfsangeln für politische Debatten – so auch 2014 in der Wedemark, die eine Wolfsangel im Wappen führt. Nach intensiven Diskussionen hat der Rat der Gemeinde 2014 entschieden, das Symbol nicht aus dem Wappen zu streichen, zugleich aber auf der Homepage der Gemeinde darauf hinzuweisen, dass diese „sowohl aus Sicht des Tierschutzes als auch aus politischer Sicht eine sehr problematische Vergangenheit hat“. „Es wäre zu einfach, das Symbol einfach verschwinden zu lassen“, sagt Bürgermeister Helge Zychlinski (SPD). „Es gehört zu unserer Geschichte, mit der wir uns aktiv und bewusst auseinandersetzen.“

Das Wappen der Wedemark. Quelle: HAZ

Ausgelöst hatte die Debatte der Nabu-Wolfsbotschafter Peter Griemberg. Er erinnerte daran, dass Wolfsangeln in früheren Zeiten dazu dienten, Wölfe auf brutale Art zu töten: Die Haken wurden in Bäume gehängt und mit Ködern versehen. Wenn Wölfe hochsprangen, um diese zu schnappen, rammten sie sich den Haken in den Kiefer und kamen qualvoll zu Tode. Zudem hatte Griemberg an die braune Vergangenheit der Wolfsangeln erinnert.

Nazis pflegten Wolfsmythos

Hannoversche Forstbedienstete hatten diese zwar schon seit etwa 1837 als Zeichen auf Knöpfen getragen, die Landesjägerschaft Niedersachsen übernahm das Zeichen später in ihr Wappen. Doch auch die Nazis pflegten einen fast mystischen Wolfsmythos. Das an germanische Runen erinnernde Zeichen trugen Adjutanten der Hitlerjugend als Ärmelaufnäher, auch die SA-Standarte Feldherrenhalle verwendete das Zeichen, das als Symbol der Wehrhaftigkeit galt.

Der ehemalige Landkreis Burgdorf, zu dem die heutige Wedemark gehörte, wählte 1935 Wolfsangel und Wolfskopf als Wappensymbole aus, auch im Hinblick darauf, dass Hermann Löns‘ Blut-und-Boden-Roman „Der Wehrwolf“ in der Region spielte. Nach der Gebietsreform übernahm die Gemeinde Wedemark die Wolfsangel dann 1979 in ihr Wappen.

Auch im Wappen der Stadt Burgwedel findet sich eine Wolfsangel. Dieses Wappen entspricht dem des ehemaligen Landkreises Burgdorf, wenn auch mit anderer Farbgebung. Im Jahr 2013 sprach sich Burgwedels damaliger Bürgermeister Hendrik Hoppenstedt (CDU) dagegen aus, das Wappen umzugestalten: „Auf anderen Wappen finden sich auch Waffen, oftmals Schwerter – und mit denen sind sogar Menschen getötet worden“, erklärte er. Der Bezug zur NS-Zeit sei nicht so ausgeprägt wie der Verweis auf Löns’ Roman, der unter anderem in den Orten Engensen, Wettmar und Fuhrberg spielt. Auf den „Wehrwolf“ als Inspiration für das Wappen verweist auch die Homepage der Stadt.

Das Wappen der Stadt Burgwedel. Quelle: HAZ

Verboten ist das Zeigen der Wolfsangel nicht: Laut Paragraf 86 a im Strafgesetzbuch sind nationalsozialistische Abzeichen in der Öffentlichkeit tabu. Als Zeichen der Hitlerjugend oder der verbotenen Organisation „Junge Front“ ist das Verwenden des Symbols Wolfsangel so gesehen strafbar. Dies bezieht sich jedoch nicht auf Stadtwappen oder Verbandsabzeichen der Bundeswehr.

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Von Simon Benne

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