Menü
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung| Ihre Zeitung aus Wolfsburg Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung| Ihre Zeitung aus Wolfsburg
Anmelden
Der Norden Serienmörder Högel: Jetzt werden fünf Ex-Chefs angeklagt
Nachrichten Der Norden Serienmörder Högel: Jetzt werden fünf Ex-Chefs angeklagt
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:00 26.09.2019
Hätten seine Vorgesetzten ihn stoppen können? Niels Högel wurde zuletzt wegen Mordes an 85 Patienten schuldig gesprochen. Jetzt hat die Staatsanwaltschaft seine Chefs angeklagt. Quelle: Hauke-Christian Dittrich/dpa
Oldenburg

Die Klinikmorde in Oldenburg und Delmenhorst haben jetzt auch für frühere Vorgesetzte des verurteilten Patientenmörders Niels Högel Folgen. Die Staatsanwaltschaft Oldenburg hat Anklage gegen fünf damalige Verantwortliche des Klinikums Oldenburg erhoben. Der Vorwurf lautet auf Totschlag durch Unterlassen. Die Führungskräfte im Oldenburger Klinikum sollen den Krankenpfleger trotz deutlicher Hinweise auf seine Taten nicht gestoppt und ihm am Ende sogar ein gutes Zeugnis ausgestellt haben.

Durch das falsche Zeugnis hätten die Angeschuldigten die tödliche Gefahr, die der Krankenpfleger bei seiner Tätigkeit für die ihm anvertrauten hilflosen Patienten bedeutete, verschleiert – und es ihm auf diese Weise ermöglicht, eine Anstellung am Klinikum Delmenhorst zu erlangen, erklärte die Staatsanwaltschaft am Donnerstag.

Verurteilt wegen Tötung von 91 Patienten

Högel war Anfang Juni vom Landgericht Oldenburg wegen Mordes in 85 Fällen zu lebenslanger Haft verurteilt worden. In 15 Fällen wurde der 42-Jährige aus Mangel an Beweisen freigesprochen. Der Ex-Pfleger hatte in der größten Mordserie der Nachkriegsgeschichte in Deutschland zwischen 2000 und 2005 Patienten auf Intensivstationen in Oldenburg und Delmenhorst umgebracht. Das Landgericht hatte Högel 2008 und 2015 bereits wegen sechs Taten in Delmenhorst verurteilt.

Angeklagt sind der langjährige Geschäftsführer der Krankenhäuser Oldenburg und Delmenhorst, Rudolf M., der heute das Klinikum Dortmund leitet, die damalige Pflegedirektorin, der ehemalige Chefarzt der Herzchirurgie, der Chefarzt der Anästhesie sowie ein Stationsleiter. Die Fälle sind allerdings unterschiedlich gelagert. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Geschäftsführer und der Pflegedirektorin in 63 Fällen Totschlag durch Unterlassen vor, einem Chefarzt in 60 Fällen. Die drei wären damit für die gesamte Mordserie in Delmenhorst verantwortlich. Der zweite Chefarzt und der Stationsleiter sind nur in je drei Fällen angeklagt.

Verdacht gegen Högel bereits 2001

Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft hatte es bereits 2001 einen konkreten Verdacht gegen Högel gegeben. Nach mehreren Todesfällen an einem Wochenende hatte der Chefarzt den Stationsleiter beauftragt, eine Strichliste anzulegen, mit der er Reanimationen und Dienstzeiten der Pflegekräfte abglich. Aus dieser Liste ergaben sich klare Hinweise auf Högel. Darüber waren nach Erkenntnissen der Ermittler auch der Geschäftsführer und die Pflegedirektorin informiert. Diese hätten aber gemeinsam entschieden, die Polizei nicht zu informieren.

Den fünf Beschuldigten drohen Freiheitsstrafen bis zu 15 Jahren. Das Landgericht Oldenburg hat über die Eröffnung des Hauptverfahrens aber noch nicht entschieden. Der Prozess soll erst beginnen, wenn das jüngste Mordurteil gegen Högel rechtskräftig ist. Der Ex-Pfleger soll im Prozess gegen seine früheren Chefs als Zeuge gehört werden. Das kann allerdings noch dauern. Sowohl Högel als auch ein Nebenkläger haben Revision eingelegt.Das gleiche gilt für ein weiteres Verfahren gegen zwei Ärzte und zwei leitende Pflegekräfte am Klinikum Delmenhorst, die ebenfalls wegen Totschlags durch Unterlassen angeklagt sind.

Der Fall Niels Högel

1999–2002: Niels Högel arbeitet im Klinikum Oldenburg. Schon damals gab es Hinweise auf ungewöhnlich viele tote Patienten und Wiederbelebungen während der Schichten Högels. Er erhält ein gutes Arbeitszeugnis.

2002–2005: Der Pfleger arbeitet auf der Intensivstation im Klinikum Delmenhorst. Dort kursieren bald Gerüchte, dass die Zahl der Todesfälle während seiner Schichten hoch sei.

Juni 2005: Eine Krankenschwester ertappt ihn, als er einem Patienten ein nicht verordnetes Mittel verabreicht. Der Patient stirbt. Högel ist aufgeflogen, wird aber nicht sofort freigestellt. In seiner letzten Schicht tötet er eine weitere Patientin.

2006: Das Landgericht Oldenburg verurteilt Högel wegen versuchten Totschlags zu fünf Jahren Haft. Der Bundesgerichtshof kippt das Urteil. 2008 wird er wegen versuchten Mordes zu siebeneinhalb Jahren Haft verurteilt.

Januar 2014: Weitere Fälle werden bekannt. Die Staatsanwaltschaft erhebt erneut Anklage.

Februar 2015: Das Landgericht Oldenburg verurteilt Högel unter anderem wegen zweifachen Mordes zu lebenslanger Haft.

März 2017: Das Landgericht Oldenburg eröffnet das Verfahren gegen zwei ehemalige Oberärzte und eine Leitungskraft aus Delmenhorst.

Januar 2018: Die Staatsanwaltschaft klagt Högel zunächst wegen 97 weiterer Taten in Delmenhorst und Oldenburg an. Später kommen zwei weitere Fälle hinzu.

Oktober 2018: Der Prozess beginnt.

Juni 2019:Högel wird wegen Mordes an 85 Patienten schuldig gesprochen. Das Urteil ist nicht rechtskräftig. Högel und ein Nebenkläger haben Revision beantragt.

Von Marco Seng

Aufwendige Rettungsaktion für einen Jugendlichen in Osnabrück: Er war in der Nacht auf ein Kaufhausdach geklettert und in einen Lüftungsschacht gestürzt.

26.09.2019

Großeinsatz der Polizei im Kreis Goslar: Mehr als 100 Beamte haben am Donnerstag acht Wohnungen in Bad Harzburg und Umgebung durchsucht. Laut Polizei ging es unter anderem um Drogendelikte. Dabei fanden sie allerdings auch Waffen und Munition aus Bundeswehrbeständen.

26.09.2019

Schwerer Unfall in Holzminden: Die Fahrt eines 51-Jährigen endete am Mittwochabend in einem Döner-Imbiss, der glücklicherweise schon geschlossen hatte. Der Fahrer wurde schwer verletzt.

26.09.2019