Menü
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung| Ihre Zeitung aus Wolfsburg Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung| Ihre Zeitung aus Wolfsburg
Anmelden
Der Norden Bildungsverbände und Opposition kritisieren „Dorflehrerprämie“
Nachrichten Der Norden Bildungsverbände und Opposition kritisieren „Dorflehrerprämie“
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:59 14.08.2019
Warum will keiner aufs Dorf? Schreibtisch mit Aussicht aufs Weserbergland. Die Grundschule Amelgatzen in Emmerthal (Kreis Hameln-Pyrmont) musste sieben Jahre nach einem Rektor suchen. Quelle: Jan Philipp Eberstein (Archiv)
Hannover

Die politische Opposition hält nicht viel davon, Lehrern eine monatliche Zulage von mindestens 100 Euro im Monat zu zahlen, die Stellen an Schulen in strukturschwachen Gebieten annehmen. Erprobt werden soll dies nach einem Vorschlag von Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) in fünf Modellregionen. Traditionell haben es Schulen in Südniedersachsen, an der Küste und in der Lüneburger Heide – insbesondere in Celle, Uelzen und Stade – schwer, Lehrer zu finden. Konkrete Standorte für die Dorflehrerprämie nannte Tonne allerdings noch nicht.

Opposition: Prämie bringt nur Unruhe und Neid

Eine Prämie löse das Problem nicht, meint Julia Willie Hamburg, Bildungsexpertin der Grünen. Im Gegentei – sie führe zu einer Verschärfung des Fachkräftemangels in anderen Regionen und zu einer Schlechterstellung der Pädagogen, die seit Jahren auf dem Land arbeiteten. „Stattdessen braucht es strukturelle Maßnahmen“, fordert Hamburg. Ihre Vorschläge: „Entlastung und eine bessere Besoldung von Lehrkräften, die Einstellung von pädagogischen Mitarbeitern, ein Sozialindex für die gerechte Verteilung der Lehrkräfte und die Schaffung von Freiräumen für die Unterrichtsgestaltung in Zeiten des Fachkräftemangels.“

Björn Försterling (FDP) spricht von einer „Nebelkerze“, die zu weiterem Ungleichgewicht in der Lehrerbesoldung führe, aber nicht zu mehr Lehrern. Er kritisiert, dass Tonne es seit fast zwei Jahren versäumt habe, den Lehrerberuf attraktiver zu machen. Die Unterrichtsversorgung habe sich nicht spürbar verbessert, spürbar sei aber nach wie vor der Unterrichtsausfall. Die Besoldungserhöhung auf A 13 für Grund-, Haupt- und Realschullehrer komme nicht, die Altersermäßigung für Lehrer ab 55 lasse auf sich warten: „Wir erleben einen Minister, der mit Ankündigungen und Versprechungen auf Zeit spielt. Die Schulen, die Lehrer und die Schüler scheinen ihm dabei egal zu sein. Hauptsache er übersteht die Legislaturperiode auf diesem Schleudersitz.“

Videokonferenz ohne WLAN?

Die AfD hat auch kein Verständnis für den Vorschlag Tonnes, verstärkt auf sogenanntes Distanzlernen und Unterricht per Videokonferenz zu setzen. „Sitzt der Lehrer dann in Hannover und seine Schüler in der Lüneburger Heide?“, fragt AfD-Bildungsexperte Harm Rykena. „Da gruselt es wohl jeden Pädagogen“, meint der Grundschullehrer, der bis 2017 als Konrektor an der Grundschule Ahlhorn im Kreis Oldenburg gearbeitet hat. Was Tonne mache, sei reine Mängelverwaltung. Torsten Neumann, Chef des Verbandes Niedersächsischer Lehrkräfte, gibt zu bedenken, dass Distanzlernen in ländlichen Regionen, in denen oft die Breitbandanbindung und das WLAN-Netz fehlten, schon an den technischen Voraussetzungen scheitern werde.

Was wird aus den Gymnasiallehrern, die an Oberschulen unterrichten?

Die Flächenprämie werde nur Unruhe an die Schulen bringen, vermutet Horst Audritz, Vorsitzender des Philologenverbandes. Es sei noch gar nicht klar, ob die Gymnasiallehrer, die auf Vorrat eingestellt worden seien und jetzt an Oberschulen unterrichteten, dann zum Schuljahr 2020/2021 überhaupt wieder eine Stelle am Gymnasium bekämen. Auch die Gymnasien bräuchten insgesamt noch mehr Lehrer. Jeder Lehrer, der in Niedersachsen ausgebildet werde, aber das Land verlasse, weil an den Schulen zu wenig Stellen ausgeschrieben würden, sei einer zuviel. Verbandsvertreter Neumann meint, das Land werde wohl nicht umhinkommen, die Grund-, Haupt- und Realschullehrer endlich besser zu bezahlen, wenn Nachwuchskräfte gefunden werden sollten.

Lesen Sie auch:

Mindestens 100 Euro mehr im Monat? Niedersachsen prüft die Dorflehrerprämie

Experten warnen: Viele Kinder sind ungeeignet für das Gymnasium

Von Saskia Döhner

In einer Autobahnbaustelle im Heidekreis hat die Polizei zwei Raser erwischt, die beide mit mehr als 160 Stundenkilometern unterwegs waren. Eigentlich waren 80 Stundenkilometer erlaubt.

14.08.2019

Um den Lehrermangel auf dem Land zu beheben, prüft Niedersachsen die Einführung einer Dorflehrerprämie in strukturschwachen Gegenden. Man könne dauerhaften Unterrichtsausfall dort nicht einfach akzeptieren, sagte Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD).

14.08.2019

Es begann mit einem Zirkuswagen: Vor einem Vierteljahrhundert haben Karin Schroeder und Andreas Goehrt im Zwölf-Einwohner-Dorf Hütthof im Kreis Rotenburg/Wümme das Theater Metronom gegründet. Jedes Jahr kommen bis zu 10.000 Besucher, um ihre Aufführungen zu sehen – der Vorstellungsbeginn hängt allerdings von Melkzeiten ab.

14.08.2019