Menü
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung| Ihre Zeitung aus Wolfsburg Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung| Ihre Zeitung aus Wolfsburg
Anmelden
Der Norden GEW fordert 2500 neue Lehrer für Niedersachsen
Nachrichten Der Norden GEW fordert 2500 neue Lehrer für Niedersachsen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
09:39 13.08.2019
„Kein Grund zum Jubeln“: Laura Pooth, Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, kritisiert die Einstellungspolitik von Kultusminister Grant Hendrik Tonne. Quelle: Irving Villegas
Hannover

Zum Ende der Sommerferien hat die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) ein düsteres Bild von der Lage im neuen Schuljahr gezeichnet. „Dass das Kultusministerium in Kürze verkünden wird, dass die 1900 ausgeschriebenen Lehrerstellen fast annähernd besetzt werden konnten, löst bei uns keinen Jubel aus“, sagte GEW-Vorsitzende Laura Pooth am Montag in Hannover.

Die Stellen seien mit Ach und Krach besetzt worden, und meistens gar nicht mit den benötigten Grund-, Haupt- und Realschullehrern, sondern mit Gymnasiallehrern, die an Grund- oder Oberschulen abgeordnet werden müssten. Obwohl Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) versprochen habe, die Zahl der Abordnungen zu reduzieren, müssten im neuen Schuljahr vermutlich genauso viele Pädagogen an anderen Schulen aushelfen wie im Schuljahr 2018/19. An den Grundschulen hatten zuletzt rund 500 Lehrer anderer Schulformen unterrichten müssen.

Viele Lehrer werden gegen ihren Willen an andere Schulen geschickt

Pooth kritisierte, dass jetzt schon Nachwuchskräfte sofort nach ihrer Einstellung an andere, ihnen unbekannte Schulformen abgeordnet würden. Viele Pädagogen würden auch gegen ihren Willen an andere Schulen geschickt, bei Personalräten sei das zwar rechtswidrig, komme im Raum Lüneburg aber trotzdem vor. Lehrer müssten weite Fahrtwege und immer neue Einarbeitungsphasen auf sich nehmen: „Wie schlecht die Lage ist, erlebe ich nicht nur als Gewerkschaftsfunktionären, sondern auch als Mutter eines Grundschulkindes.“ Alles sei auf Kante genäht.

Personelle Probleme besonders auf dem Land und in Brennpunkten

Viele Grund- oder Oberschulen hätten auf ausgeschriebene Stellen kaum oder gar keine Bewerber bekommen. Besondere Probleme hätten Schulen in Brennpunkten, auf dem Land oder kleine Standorte. Die Oberschule Bückeburg habe für vier freie Stellen keinen einzigen Bewerber gefunden, in Salzgitter könne der Unterricht nur noch durch Abordnungen aufrechterhalten werden, in Wolfsburg sei die Unterrichtsversorgung an vielen Grundschulen schlecht. In der an sich attraktiven Region Oldenburg und Osnabrück fänden viele Förder- und Grundschulen keinen Lehrernachwuchs.

Heidegret Bleck ist eigentlich Gymnasiallehrerin. 2017 gab sie auch Mathematik an einer Grundschule. Sie pendelte zwischen drei Standorten hin und her. Hier verlässt sie die Außenstelle der Goetheschule. Quelle: Villegas (Archiv)

An einigen Schulen im Raum Weser-Ems sei die Zahl der Abordnungen schon höher als die des Stammpersonals, sagte Pooth: „Das heißt, an einigen Grundschulen gibt es mehr Gymnasiallehrer als ausgebildete Grundschullehrer.“ Während Hannover und die umliegenden Gemeinden mit guter Anbindung an die Landeshauptstadt eigentlich genügend Lehrer fänden, so die GEW, gebe es in Holzminden, Hameln, Nienburg und Diepholz Probleme.

Immerhin sei das Verfahren der Abordnungen nicht mehr so chaotisch wie vor zwei Jahren: „Es gibt schon eine Routine in der Mangelverwaltung“, sagte Pooth.

Die Zahl von 1900 neuen Lehrerstellen sei insgesamt auch gar nicht ausreichend, sagt Pooth. Da im nächsten Jahr an den Gymnasien wegen des ersten G9-Abiturjahrgangs 1250 weitere Pädagogen benötigt würden, müsste man in diesem eigentlich 2500 neue Lehrer einstellen.

Gewerkschaft fordert mehr Investitionen und mehr Studienplätze

Pooth appellierte an die niedersächsische SPD, die doch für Chancengleichheit in der Bildung eintrete, für bessere Arbeitsbedingungen an Grund-, Haupt- und Realschulen zu kämpfen. „Alle Schulen, die nicht Gymnasium heißen, gehen den Bach runter.“ Zwar bekommen alle Pädagogen, die nach A 12 bezahlt werden, ab August 2020 eine Zulage von rund 90 Euro monatlich, da sei aber nur ein erster Schritt: „Wir brauchen endlich einen verbindlichen Stufenplan hin zu A 13.“ Die Schuldenbremse müsse abgeschafft werden, es seien weitere Investitionen in Bildung nötig.

Viele Verbände, eine Forderung: Sechs Bildungsverbände übergeben im Mai 2019 einen Brief an Finanzminister Reinhold Hilbers (CDU) und und fordern mehr Geld für Bildung. Quelle: Katrin Kutter

Hilbers kontert: Kindern keinen Haufen Schulden hinterlassen

Finanzminister Hilbers weist die Forderung nach einem Aufweichen der Schuldenbremse zurück: „Es macht doch keinen Sinn, den Kindern und Jugendlichen für ihre Bildung einen Haufen Schulden zu hinterlassen. Damit würden wir es uns zu einfach machen.“ Die Ausgaben für Bildung im Landesetat seien in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen. Zum 1. August 2020 würden 1425 zusätzliche Gymnasiallehrer eingestellt, auch die Finanzierung von 260 Planstellen für Berufsschullehrer und 50 sozialpädagogische Mitarbeiter sei ab dem 1. Februar 2020 dauerhaft gesichert. Zudem sei die bessere Besoldung für Grund-, Haupt- und Realschullehrer auf den Weg gebracht.

Der Lehrermangel sei auch die Folge der Abschaffung der Studienplätze in diesem Bereich, sagt Pooth, es sei ein Fehler gewesen, dass vor acht Jahren an den Universitäten Hannover und Göttingen die Studiengänge für Grund-, Haupt- und Realschullehramt gestrichen worden seien. Diese müssten dringend wieder eingerichtet werden. Auch die gemeinsame Arbeitsgruppe aus Wissenschafts- und Kultusministerium, die sich um die Planung der Lehramtsstudienplätze kümmern solle, habe bislang keine Ergebnisse vorzuweisen. Das hatte bereits der hannoversche Regionselternrat kritisiert. Dem Vernehmen nach soll die Arbeitsgruppe erst einmal getagt und sich dabei vor allem um organisatorische Fragen gekümmert haben.

GEW schlägt vor, dass Lehrer freiwillig mehr arbeiten

Um den Lehrermangel kurzfristig zu beheben, schlägt die GEW vor, dass die Pädagogen freiwillig mehr arbeiten könnten. Diese Überstunden müssten allerdings verzinst und mit mehr Freizeit ausgeglichen werden. Zudem sollten ältere Lehrer ab 55 Jahre eine Stunde weniger unterrichten müssen und Teilzeitkräfte mehr entlastet werden. Pooth sagte, im Jahr 2017 hätten nur 18 Prozent der Lehrer, die in den Ruhestand gegangen seien, auch tatsächlich das Pensionsalter erreicht gehabt, alle anderen seien vorzeitig in Ruhestand gegangen. „Wir müssen die Kolleginnen und Kollegen länger gesund im Job halten.“

Von dem Vorschlag des Schulleitungsverbands, im Schuljahr 2020/21 an den Ober-, Real- und Hauptschulen wegen des absehbaren Lehrerlochs die Stundentafel zu reduzieren, hält Pooth nicht viel, ebenso schlecht sei es, die Lehrer aus dem Ganztag zu ziehen, wie es die FDP fordert. Erstens sei Schule mehr, als Mathematik und Englisch zu pauken, zweitens fehlten auch Erzieher, die die Ganztagsstunden übernehmen könnten.

Lesen Sie mehr

Das müssen Eltern von Erstklässlern in Hannover wissen

Eltern kritisieren: „Kultusminister Tonne hält seine Versprechen nicht“

Von Saskia Döhner

Weil ein 32-jähriger Mann vor seiner Festnahme in Oldenburg fliehen wollte, sprang er aus dem ersten Stock und landete mitten in einem Wespennest. Die Wespen setzten ihm so zu, dass an eine Flucht nicht mehr zu denken war.

12.08.2019

Niedersachsens Wälder sind in einem Besorgnis erregenden Zustand. Aber schützt man das Klima am besten, indem man den Wald in Ruhe lässt? Nicht unbedingt. Der Chef der Landesforsten, Klaus Merker, fordert sogar, viel mehr Produkte aus Holz herzustellen. Und das aus gutem Grund.

12.08.2019

Der sanierte Hildesheimer Dom ist fünf Jahre nach der Wiedereröffnung zu einem Anziehungspunkt für Gläubige und Touristen geworden. Zusammen mit dem ebenfalls sanierten Domplatz schafft das Gotteshaus eine Atmosphäre, die auch kirchenferne Menschen in ihren Bann zieht.

12.08.2019