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Der Norden Das bringt das neue Schuljahr
Nachrichten Der Norden Das bringt das neue Schuljahr
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19:53 14.08.2019
Analog und digital lernen: Niedersachsens Schulen können jetzt Geld aus dem Digitalpakt beantragen. Quelle: Carmen Jaspersen/dpa
Hannover

Für 824.000 Schüler beginnt am Donnerstag nach sechs Wochen Sommerferien wieder der Unterricht. Am Freitag werden die Fünftklässler in ihrer neuen Schule begrüßt, am Sonnabend sind dann die Willkommensfeiern für die rund 73.000 Erstklässler in Niedersachsen – das sind 3000 Schulanfänger mehr als im Vorjahr. In der Region Hannover starten knapp 11.000 Kinder in die Schule, die genauen Zahlen für die Stadt stehen noch nicht fest, aber es dürften rund 4500 sein.

Wie sieht es mit der Lehrerversorgung aus? Droht Unterrichtsausfall?

Nach Einschätzung des Kultusministeriums dürfte die Unterrichtsversorgung in diesem Schuljahr bei 99,8 Prozent liegen, das ist eine leichte Verbesserung gegenüber dem Vorjahr (99,4 Prozent). Der Landeswert sagt aber nichts über die tatsächliche Lage an den einzelnen Schulformen aus. An den Gymnasien und den Grundschulen dürfte die Unterrichtsversorgung bei mehr als 100 Prozent liegen, während Ober-, Real- und Hauptschulen deutlich schlechtere Werte vorweisen. In Hannover haben laut Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) auch einige Integrierte Gesamtschulen noch unbesetzte Stellen. Die Unterrichtsversorgung ist ohnehin ein rein statistischer Wert, der besagt, wie viele Lehrerstunden eine Schule braucht, um ihre Pflichtstunden zu erteilen, und wie viele sie tatsächlich besetzt hat. Krankheiten sind dabei ebenso unberücksichtigt wie Fehlzeiten von Lehrerinnen, die schwanger sind, oder Pädagogen, die kurzfristig Elternzeit nehmen.

Wie wird der Unterricht denn sichergestellt, wenn Pädagogen fehlen?

Zunächst durch neue Lehrer. Von den derzeit landesweit 1900 ausgeschriebenen Stellen sind derzeit 1717 besetzt, das Verfahren läuft allerdings noch bis Ende des Monats. Nach Ansicht der Lehrergewerkschaft Erziehung und Wissenschaft wären aber mindestens 2500 neue Stellen nötig gewesen. 7 Prozent der neueingestellten Pädagogen sind Quereinsteiger, im vergangenen Schuljahr waren es 12,5 Prozent. Mehr als 600 Lehrer werden an Grund-, Haupt- und Realschulen, rund 480 an Gesamtschulen und jeweils 255 an Oberschulen und Gymnasien eingestellt. Ohne Abordnungen werde es auch im neuen Schuljahr nicht gehen, sagt Tonne. Von den Gymnasien werden knapp 7000 Lehrerstunden an Sekundarstufen-I-Schulen abgeordnet, das sind 3000 Stunden mehr als im vergangenen Schuljahr. Konkret müssen 879 Gymnasialpädagogen dort kurzfristig aushelfen. An den Grundschulen müssen 536 Gymnasiallehrer stundenweise unterrichten. Die Zahl der abgeordneten Stunden steigt von 2300 auf knapp 4000.

Im Frühjahr ist der Digitalpakt mit 522 Millionen Euro für Niedersachsen verabschiedet worden. Was kommt davon bei den Schulen an?

Jede Schule mit mehr als 60 Schülern soll einen Sockelbetrag von 30.000 Euro und weiteres Geld als Kopfpauschale pro Schüler bekommen. Schulen können sich ab sofort um die Förderung bewerben und müssen dann auch ein Medienbildungskonzept entwickeln. Das Geld soll auf öffentliche und private Schulen verteilt werden, es ist ausdrücklich nicht zur Finanzierung digitaler Endgeräte für Schüler vorgesehen, diese Kosten werden die Eltern tragen müssen.

Viele Grundschüler haben Probleme mit der Rechtschreibung, auch die Lese- und Rechenfähigkeiten lassen bei manchen Kindern zu wünschen übrig. Was tut das Land dagegen?

Tonne hat angekündigt, die Kernkompetenzen Lesen, Scheiben und Rechnen zu stärken, unter anderem mit dem Programm „Lesen macht stark“, das ab dem zweiten Halbjahr zunächst an 100 Grundschulen und an den fünften Klassen an 50 Schulen der Sekundarstufe I starten soll. Lehrer, die Mathematik unterrichten, obwohl sie gar nicht darin ausgebildet sind, sollen besser qualifiziert werden, Grundschüler sollen zudem verstärkt Rechtschreibstrategien lernen.

Schüler werden politischer, wie die Fridays-for-Future-Bewegung zeigt. Was machen die Schulen?

Das Ministerium startet in diesem Jahr eine Initiative zur Demokratiebildung. Die Schulen mit dem Label „Schulen ohne Rassismus – Schulen mit Courage“ sollen sich zu regionalen Netzwerken zusammenschließen, im September gibt es eine Tagung in Hannover. Auch an Grundschulen sollen Kinder mehr Mitwirkungsrechte bekommen.

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Von Saskia Döhner

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